Zum Inhalt springen
Inhalt

Nachruf auf Andy Rihs Ein Vollblutinvestor mit offenem Ohr für den Sport

Er war ein leidenschaftlicher Mensch. Ein Mensch mit einer Leidenschaft fürs Wirtschaften und für den Sport. Für Andy Rihs gehörte beides zusammen: «Es gibt nicht ein Privatleben und daneben ein Businessleben. Es gibt einfach nur ein Leben. Und das muss man leben, voll und kompromisslos», sagte er 2001.

Die eine Seite war die Wirtschaft. Fast 50 Jahre lang war er im und für den Hörgerätehersteller Phonak, den späteren Sonova-Konzern tätig. Vom Vater erbten er und sein Bruder Hansueli das mittelständische Unternehmen und bauten es aus.

Aus einer Nische in den Weltmarkt

Sie entwickelten neue Geräte und eroberten neue Märkte. 1996 sagte er im DRS-Regionaljournal Zürich: «Wir haben Produkte gemacht, die seinerzeit exklusiv waren. Beispielsweise haben wir Produkte hergestellt, die zur Lösung von Hörproblemen von Kindern dienten.»

Das war wichtig, denn aus den einfachen, klobigen Hörgeräten für Senioren wurden mit der Zeit kleine, digital gesteuerte und individuell angepasste Mini-Computer, die sich auch jüngere Leute hinters Ohr stecken; später kamen auch Implantate dazu.

Wenn man einer stark abgestuften, hierarchischen Klassengesellschaft huldigt, dann können sich die Leute nicht wirklich begegnen.
Autor: Andy RihsUnternehmer und Mäzen

Diese technologisch hochwertigen, teuren Produkte, die Sonova zum Weltmarktführer gemacht haben, bescherten dem Konzern und seinen Besitzern Jahr für Jahr hohe Gewinne. Allein das 5-Prozent-Aktienpaket von Andy Rihs ist nach heutigem Kurs rund 460 Millionen Franken wert.

Porträt Andy Rihs
Legende: Keystone

Der Multimillionär, Mitbesitzer und Patron, der Mann mit dem kantigen Schädel und dem Dreitagebart, der im Betrieb gerne Jeans und offenen Hemdkragen trug, pflegte flache Hierarchien: «Wissen gibt es überall. Wir müssen darauf achten, dass wir das Wissen herauslocken können. Wenn man einer stark abgestuften, hierarchischen Klassengesellschaft huldigt, dann können sich die Leute nicht wirklich begegnen.» Zu grossen Respekt oder Angst vor einem höheren Status gebe es in seiner Firma nicht.

Der Flop mit Floyd Landis

Eine besondere Leidenschaft hatte Rihs für den Radrennsport. Er baute ein eigenes Profi-Radteam auf, und einer seiner Fahrer gewann gar die Tour de France. Kurz darauf stellte sich aber heraus, dass er gedopt war. «Als Floyd Landis 2006 gewonnen hat, war dies eine grosse Sache. Aber das dauerte genau vier Tage. Das war ein Tiefpunkt, auch emotional.»

Andy Rihs schaut schmunzelnd durch einen BMC-Velorahmen.
Legende: Andy Rihs – Unternehmer und Sport-Mäzen: Das BMC-Profiteam finanzierte er, die Marke kaufte er. Keystone

Rihs war zu blauäugig gewesen, zu sehr Fan und zu wenig nüchterner Investor. Aus diesem Flop zog er seine Lehren. 2011 gab es dann mit Cadel Evans und seinem neuen Radsport-Team BMC einen sauberen Tour-de-France-Sieger. Den Schweizer Velo-Hersteller BMC hatte Rihs 2000 übernommen und ebenfalls zu einem weltweit tätigen Anbieter von Spitzenprodukten gemacht.

Unternehmerischer Rückschlag

Auch als Unternehmer musste Rihs 2011 einen grossen Rückschlag einstecken. Sonova musste eine Gewinnwarnung herausgeben, und gegen Rihs wurde eine Untersuchung wegen Insiderhandels eingeleitet. «Es macht einem betroffen, wenn man nach vielen Jahren im Geschäft als Vorzeigefirma plötzlich so quasi auf der Anklagebank sitzt.»

Insidergeschäfte liessen sich aber nicht nachweisen. Dennoch zog sich Rihs aus dem Unternehmen zurück. Und hatte wieder mehr Zeit fürs Radfahren. «Letztes Jahr habe ich über 150 Tage Velofahren hinter mir gehabt. Das ergibt gegen 10’000 Kilometer», sagte er gegenüber «10vor10» im Alter von 73 Jahren.

Grosses Engagement für YB

Als Investor und Verwaltungsrat engagierte sich Andy Rihs, mit seinem Bruder Hansueli, auch beim Berner Fussballklub Young Boys: «Wir sind Fans von YB. Wir sind mit Herzblut dabei. Wir beide sind Investoren, keine Fussballexperten.»

Aufnahme von Andy Rihs Füssen, die in Socken der Klubbfarbe von YB stecken.
Legende: Mit Socken in YB-Klubfarben machte Andy Rihs klar, für welchen Fussballverein sein Herz schlägt. Keystone

Deshalb bezahlten die Rihs-Brüder auch im Fussballsport viel Lehrgeld. 50 Millionen Franken hätten sie in YB investiert, sagte Andy Rihs einmal. Und dies, ohne es bisher zum ganz grossen Erfolg zu schaffen. Erst letztes Jahr holten sie sich mit dem neuen Sportchef Christoph Spycher das nötige Expertenwissen an Bord. Nun kann Rihs nicht mehr erleben, wie seine Young Boys auf Kurs sind, um den ersten Meistertitel seit über 30 Jahren zu gewinnen.

Die Gebrüder Rihs (l. Andy Rihs) im Stade de Suisse Wankdorf.
Legende: Die Gebrüder Rihs (l. Andy Rihs) im Stade de Suisse Wankdorf. Keystone

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Werner Kessler (Werner Kessler)
    Andy war ein äusserst geselliger Typ, der es genossen hat, mit Freunden zusammen zu sitzen und legte auch grossen Wert auf feines Essen und guten Wein. Es gibt nur ganz wenige Grossnternehmer, die so nahbar, unkompliziert so grosszügig waren. Wirklich schade, dass ein so bodenständiger Sportmäzen so früh gehen musste. In Erinnerung bleiben die unterhaltsamen Runden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Anita Mannhart (lupus)
    Andy nicht nur ein Sportmäzen, Andy Rihs war ein echter Patron, wie sie leider nur noch selten zu finden sind. Ein Manager baut keinen Pool für sein Personal auf dem Dach. Beindruckend seine Firma in Stäfa mit der konsequenten Transparenz, selbst sein Büro ist nur verglast und die Tür stets offen, Leute konnten jederzeit in sein "Büro" gehen mit ihren Anliegen. Unvergesslich ist mir seine Wertschätzung seines Personals, die er an den GV's mit dem Satz "ohni Lüt goht nüt" zum Ausdruck brachte.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen