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Wirtschaft Nationalbank-Gewinne: «Hoffen kann man immer»

Das Eigenkapital der Nationalbank hat sich seit Jahresbeginn fast halbiert. Und der starke Franken führt die SNB in tiefrote Zahlen. Die Kantone hoffen nach wie vor auf eine Gewinnausschüttung, doch Jan Egbert Sturm von der ETH-Konjunkturforschungsstelle dämpft die hohen Erwartungen.

Der starke Franken hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) in tiefrote Zahlen gedrückt. Sie weist darum im ersten Halbjahr einen Verlust von 50,1 Milliarden Franken aus. Der Verlust kommt nicht überraschend.

Nach dem Frankenschock hatte die Nationalbank bereits im ersten Quartal 2015 einen Rekordverlust von 30 Milliarden verbucht. Nachdem die SNB den Euro-Mindestkurs Mitte Januar aufgehoben hatte, wertete sich der Franken auf, was in der SNB-Bilanz im ersten Halbjahr zu wechselkursbedingten Verlusten auf sämtlichen Anlagewährungen in Höhe von 52,2 Mrd CHF führte.

Diagramm: Wechselkursverlauf des Euro in Franken seit Sommer 2014.
Legende: Wechselkursverlauf des Euro in Franken seit Sommer 2014. SRF

Der Wechselkursschock im Januar

«Die Wertpapiere, die die SNB gekauft hat, sind in Euro deponiert und waren 1,20 Franken wert. Sie sind jetzt gefallen auf 1,03. Das heisst also, in Franken gemessen, haben die an Wert verloren.» So fasst es Jan Egbert Sturm von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich in «10vor10» zusammen.

Die Devisenreserven von 516 Milliarden Franken waren Ende Juni zu 42 Prozent in Euro angelegt, 32 Prozent entfielen auf den Dollar.

Ob die Nationalbank derzeit aktiv den Wechselkurs beeinflusst und dafür Fremdwährungen kauft, werde man in ein paar Wochen wissen, wenn die Zahlen herauskommen, erklärt Sturm. «Erst im Nachhinein sieht man, was über die Girokonten gelaufen ist und wie im Währungsmarkt eingegriffen wurde.»

Eigenkapital der SNB halbiert

Nachdem das Eigenkapital der SNB bereits durch den Verlust im ersten Quartal einen deutlichen Dämpfer erlitten hatte, hat es sich seit Jahresbeginn fast halbiert. Ende Juni belief sich das Eigenkapital der SNB noch auf 34,2 Milliarden Franken.

Legende: Video Studiogespräch mit Jan Egbert Sturm abspielen. Laufzeit 03:05 Minuten.
Aus 10vor10 vom 31.07.2015.

Natürlich seien das faktisch nur Buchverluste, sagt Sturm. Die Nationalbank müsse nicht unbedingt ein positives Eigenkapital haben; es sei zwar trotz allem wünschenswert. «Aber aus der Theorie heraus ist es nicht klar, wie weit man hier gehen kann. Für die SNB spielen die längerfristigen Risiken eine wichtige Rolle, denn grosse Schwankungen auf einem grossen Bestand können tatsächlich grosse Fluktuationen mit sich bringen und damit Unsicherheit kreieren.»

Weiterhin fraglich ist, ob Bund und Kantone 2016 noch von einer Ausschüttung eines allfälligen SNB-Gewinns profitieren werden. Diese bedeutende Einnahmequelle der öffentlichen Hand droht zu versiegen, wenn die Verluste im Gesamtjahr nicht geringer sind als die Ausschüttungsreserven des Vorjahres von 27,5 Milliarden.

Legende: Video Einschätzung von Peter Hegglin, Finanzdirektorenkonferenz abspielen. Laufzeit 00:30 Minuten.
Aus Tagesschau vom 31.07.2015.

Die Hoffnung der Kantone

Peter Hegglin, Präsident der Finanzdirektorenkonferenz, sieht trotz der Verluste für die SNB im Moment keinen dringenden Handlungsbedarf.

Aktuell würde er den Ausschüttungsbetrag für die Kantone immer noch budgetieren. Denn «es gibt immer noch mehre Monate Zeit, um allenfalls zu korrigieren. Aber die langfristige Erfahrung zeigt, dass die Milliarde realistisch ist», schätzt Hegglin.

Hoffen könne man immer, meint dazu Jan Egbert Sturm. Er würde aber nicht darauf bauen. «Im Moment sieht es so aus, dass diese grossen Verluste nicht ganz und gar wieder wettgemacht werden können. Damit wird es schwierig sein, am Ende des Jahrs zu entscheiden, ob noch Geld an die Kantone und den Bund überwiesen werden kann.»

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Die Hoffnung stirbt zuletzt, und mit ihr bald die ganze CH Beckenwelt und die Wirtschaft.
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  • Kommentar von Nico Basler, Basel
    Mögliche, zukünftige "Gewinnausschüttungen" der SNB fix als Einnahmen zu budgetieren grenzt an Idiotie! Das kommt davon wenn uns Parteien Ihre Parteisoldaten statt Fachleute als Regierungskandidaten unterjubeln. Paradebeispiel sind die 5 Genies in Liestal.
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  • Kommentar von Bruno Vogt, Zürich
    Langsam aber sicher zeigt sich was für ein Debakel die 1.20 Untergrenze war welche Hildebrand zusammen mit Jordan im 2011 eingeführt haben. Natürlich haben Exportfirmen profitieren können aber jetzt werden die Kantone womöglich mehrere Jahre ohne Gewinnausschüttung der Nationalbank zurechtkommen müssen. Profitiert haben also die Tourismus- und Exportindustrie auf Kosten der Allgemeinheit. Ausserdem weiss 'niemand genau' was passiert wenn das EK der SNB negativ wird, eine Rekapitalisierung winkt!
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    1. Antwort von Michael Ende, Zürich
      15. August 1971 der Schicksalstag an dem der US Nixon, wie könnte es auch anders sein, die Welt in den Abgrund riss, indem er die Gold-Deckung des Dollar aufheben lies und damit die anderen NBs zwang, die selbe kriminelle Tat zu begehen. Resultat: Dem schrankenlosen Drucken von wertlosen Dollars wurde Tür und Tor geöffnet. Seit diesem Tag kaufen US Investoren Unternehmen auf, um die US Macht in der Welt zu erzwingen. Die Schlange frisst den eigenen Schwanz. Der Zerfall ist Programm !
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    2. Antwort von M.Müller, Zürich
      @Vogt u. Ende, genau so ist es! Mit der Anbindung haben wir den Arbeiterimport angekurbelt und die Manager der Exportfirmen bereichert welche dafür keine Erbschaftssteuer zahlen müssen. Für das Schweizer Volk hat es nicht mehr Arbeit gegeben, dafür aber mehr Volksschulden. Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren ist die FDP Devise. Die Mehrheit des Volkes kann nicht vernetzt denken und lässt sich von Parteiparolen einseifen.
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    3. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      Moment meine Herren - in Ihren Aussagen ist einiges durcheinandergeraten. Die Allgemeinheit hat (bis jetzt) noch nichts bezahlt da die CHF, mit denen EUR gekauft wurden, durch Gelddrucken entstanden sind. Solange es keine Inflation gibt ist das gratis. Ein angeblicher "Arbeiterimport" hat nicht stattgefunden (schauen Sie bitte die Zahlen an) und eine gut laufende Exportwirtschaft hilft uns allen. Auch Unternehmen und Mitarbeiter zahlen Steuern. Die Allgemeinheit hat also mitprofitiert.
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    4. Antwort von Bruno Vogt, Zürich
      @Baltensberger, Entgangene Gewinnausschüttungen durch die SNB sind sehr wohl Kosten für die Bevölkerung! Schauen sie sich einmal den Begriff Seigniorage auf Wikipedia an, dann sehen sie das es beim Geschäft der N.Banken automatisch zu einem Gewinn kommt, da diese die Hoheit besitzt Geld zu drucken. Und nur weil die SNB vorläufig noch EK hat, heisst das nicht das dieses in naher Zukunft nicht aufgebraucht werden könnte, aber wenn es einem im jetzt noch gut geht, macht man sich keine Sorgen, gell?
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    5. Antwort von Michael Ende, Zürich
      @J.Baltensperger: klar doch. Der gigantische Diebstahl der FED, die Millionen Opfer verursacht durch US Geheimdienste und deren Kriegsfolgen, die Zerstörung der Demokratie zugunsten einer hintertriebenen US Machtzirkels. Alles OK in Ihren Augen. Eines Machzirkels für den es bis heute noch kein Wort gibt, um dessen kriminellen Grad angemessen wiederzugeben. Sind Sie tatsächlich ein Untrstützer solchen Unrechts?
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