Zum Inhalt springen

Header

Audio
Gemeinden profitieren von Negativzinsen
Aus HeuteMorgen vom 31.05.2021.
abspielen. Laufzeit 01:56 Minuten.
Inhalt

Negativzinsen Gemeinden mit guter Bonität verdienen Geld mit Schulden

Wer hat, dem wird gern gegeben: Von den anhaltenden Negativzinsen profitieren auch viele Gemeinden mit guter Bonität.

Wer einen Kredit will, muss normalerweise Zinsen dafür zahlen. Doch seit einigen Jahren leben wir in einer verkehrten Welt: Wer Schulden macht, kann damit Geld verdienen – wer hingegen Geld auf dem Konto herumliegen lässt, muss ab einem bestimmten Betrag Negativzinsen zahlen. Die Negativzinsen sind für Sparer und Sparerinnen ein Ärgernis – für andere ein Segen.

Ein Segen sind sie zumindest für jene Gemeinden, Städte und Kantone, von denen Geldgeber annehmen, dass sie Kredite auch zurückzahlen können. Bonität oder Rating heisst das im Fachjargon.

Bedingung: gute Bonität

Wer eine gute Bonität habe, verdiene heute mit Schulden Geld, sagt Andi Burri, Co-Gründer der Kredit-Vermittlungsplattform Loanboox, die seit vier Jahren am Markt ist: «Gemeinden mit guter Bonität haben in den letzten vier Jahren einen zwei- bis dreistelligen Millionenbetrag mit Negativzinsen verdient.»

Gemeinden mit guter Bonität haben Millionenbeträge mit Negativzinsen verdient.
Autor: Andi BurriCo-Gründer Kredit-Vermittlungsplattform Loanboox

Die Geldgeber bezahlen also etwas dafür, dass sie Geld vorübergehend an einem sicheren Ort deponieren können, und das zu wohl tieferen Kosten als bei einer Bank.

Loanboox: Zürcher Gemeinden vorn

Auf Loanboox treffen sich Gemeinden, Städte und Kantone, die Geld brauchen, mit jenen, die Geld haben. Also Versicherungen, Pensionskassen, Banken und andere grosse Investoren. Die Hälfte aller öffentlichen Gemeinwesen der Schweiz sind bei diesem Kreditvermittler dabei.

Deshalb weiss Andi Burri, wer bis jetzt am meisten profitiert hat: «Gemäss unseren Informationen haben die Gemeinden im Kanton Zürich am meisten mit Negativzinsen verdient, und zwar 4.2 Millionen Franken, seit wir aktiv sind.»

Schuldenmachen als Rezept?

Noch viel mehr Geld mit Negativzinsen hat der Bund verdient. Rund 100 Millionen Franken waren es allein im Corona-Jahr 2020. Dieses Jahr werde der Betrag nochmals steigen, heisst es im Finanzdepartement. Ist Schuldenmachen also das Rezept für die öffentliche Hand, um Einnahmen zu generieren?

Nein, sagt Experte Burri, weil: «Man muss sie ja wieder zurückzahlen. Wer aber mit grösseren Beträgen oder auch häufiger am Markt ist, bekommt mit der Zeit besseren Zinsen, weil er bekannter ist.»

Wer also häufig Geld aufnimmt und für eher kurze Laufzeiten, profitiert am stärksten von Negativzinsen. Und was, wenn die Zinsen irgendwann wieder steigen und damit auch die Negativzinsen verschwinden? Dann sind alle jene besser dran, die tiefe Schulden haben.

HeuteMorgen, 31.05.2021, 07:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Deshalb wird die Schweiz in kürzester Zeit zubetoniert! Alle wollen ihr Geld in einem sicheren Hafen parkieren und niemand glaubt mehr daran, dass die Zins jemals wieder steigen werden. Würden die Zinsen nur um ein einziges Prozent steigen, gäbe es weltweit eine nie dagewesene Konkurswelle. Vielleicht sind wir am Ende unseres Geldsystems?
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Ein Blick in die USA genügt, um zu erkennen, dass nicht überall und immer Niedrigzinsen herrschen werden - auch wenn's nach gefühlten Jahrzehnten für unmöglich gehalten wird. Wers nicht glaubt, der konsultiere mal die Zinsdaten der Nationalbank, 1978 Diskontsatz bei 1%, 1991 7%!
    2. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      2020 ist die Bevölkerung in der Schweiz um ca. 64'000 Menschen gewachsen, deshalb werden soviele Wohnungen gebaut.
  • Kommentar von Wilfred Scheidegger  (Ville Frayde)
    ...sehr schweizerisch demokratisch!
  • Kommentar von Martin Daniel Brülhart  (Kiwi1963)
    wieso nicht Geld aufnehmen auf Vorrat, Zinsen verdienen. Wenn die Situation wieder dreht einfach zurückzahlen. Schönes neues Geschäftsmodell
    1. Antwort von Aurel Specker  (Auspec)
      Auch eine Gemeinde muss Negativzinsen bezahlen. Das "Geschäft" funktioniert also nur solange das Geld nicht auf dem Gemeindekonto liegen bleibt.

      Wird das Geld dann irgendwie investiert ist das Risiko eines Ausfalles da.