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Nestlé in der Kritik Afrikaner sollen weniger Maggi essen

Afrika ist der grösste Markt für das Nestlé-Produkt. Doch die salzige Würze wird dort zunehmend zum Gesundheitsproblem.

Legende: Audio 120 Millionen Maggiwürfel in Afrikas Kochtöpfen – pro Tag abspielen. Laufzeit 05:04 Minuten.
05:04 min, aus Rendez-vous vom 21.11.2018.

«Ich benutze immer Maggi», erklärt die Verkäuferin Philomène Tchoffo auf dem Marché Central in der Stadt Douala in Kamerun. «Maschi», wie Maggi hier ausgesprochen wird, verkaufe sich gut. «Ça passe beaucoup sur le marché.»

Eine Frau träufelt flüssiges Maggi auf ein gekochtes Ei
Legende: Ob über den gegrillten Fisch, das gekochte Ei oder ein Poulet am Spiess – Maggi muss es sein. SRF/Anna Lemmenmeier

Maggi, das ist in Afrika das flüssige Maggi-Aroma, wie man es in der Schweiz aus der Ménage auf jedem Restauranttisch kennt. Noch beliebter sind in Afrika aber die «Cube Maggi» – die Maggiwürfel, die in jedes Essen kommen.

120 Millionen Maggiwürfel pro Tag

Ob Saucen, Crevetten oder das kamerunische Nationalgericht Ndolé: Philomène Tchoffo würzt alles mit Maggi. Und sie ist nicht die einzige. 120 Millionen Maggiwürfel landen in Afrikas Kochtöpfen – pro Tag.

Afrika ist der grösste Absatzmarkt für Nestlés Maggiprodukte. In sechs afrikanischen Ländern stellt der Nahrungsmittelmulti Maggi her, auch in Kamerun. Im vierten Stock eines Hochhauses in Douala sitzt Gaétan Teje.

Gaétan Teje ist bei Nestlé zuständig für Maggi in Zentralafrika.
Legende: Gaétan Teje ist bei Nestlé zuständig für Maggi in Zentralafrika – ein riesiger Markt für Nestlé. SRF/Anna Lemmenmeier

Er ist zuständig für Maggi in Zentralafrika. Dass sich die Marke in Afrika durchsetzen konnte, habe in erster Linie mit dem hiesigen Kochverhalten zu tun, sagt er. Auf dem Kontinent esse man sehr würzig. Maggi habe darum früh eine Alternative zum mühsamen Mörsern von Gewürzen angeboten.

Missionare hatten Maggiwürfel dabei

Der Maggiwürfel ist günstig, das Kochen damit geht schnell. Schon Missionare sollen ihn im Gepäck gehabt haben. Und mit zum Teil aggressiver Werbung – viele Märkte in Afrika sind in den Farben Gelb und Rot gehalten – schaffte es Nestlé, die Würze zum unentbehrlichen Bestandteil der Küche zu machen.

Doch Nestlé fürchte sich vor einem Imageproblem, erklärt Gaétan Teje: «Maggi wird zum Sündenbock gemacht, wenn Leute aus dem Gesundheitssektor behaupten, Maggi sei nicht gesund.» Denn das Problem sei nicht Maggi, sondern die sehr salzhaltige Küche in West- und Zentralafrika.

Maggiwürfel
Legende: Maggi-Produkte gehören zu Afrikas Alltag. Auf Märkten dominieren die Farben gelb und rot. SRF/Anna Lemmenmeier

In Afrika wird vielerorts sehr viel Salz gegessen. Das fördert kardiovaskuläre Krankheiten wie Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall. Sie seien in Afrika auf dem Vormarsch, warnt die Weltgesundheitsorganisation.

Dies auch, weil Afrikanerinnen und Afrikaner sich immer weniger bewegen und zunehmen. Die WHO erarbeitet mit Regierungen Strategien, welche unter anderem weniger Salz in der Ernährung vorsehen.

Nicht mehr als fünf Würfel pro Mahlzeit

Laut der kamerunischen Herzstiftung leiden 40 Prozent der Bevölkerung an Bluthochdruck. Der Hauptgrund sei zu viel Salz, so die Stiftung. Nun will Nestlé den Salzgehalt bei Maggi reduzieren und hat selbst eine Kampagne lanciert: Nur noch fünf Maggiwürfel pro Essen, empfiehlt der Konzern.

Die Anfänge von Maggi in der Schweiz

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Maggifabrik in Kemptthal
Legende:Keystone

Maggi wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Julius Maggi, einem Sohn eines italienischen Einwanderers, im zürcherischen Kemptthal gegründet. Später kam ein Werk im badischen Singen dazu. 1886 kam die Maggi-Würze auf den Markt. 1908 folgte der Brühwürfel. Seit 1947 gehört die Marke zum Nestlé-Konzern.

Doch damit beisse Nestlé bei Kamerunern oft auf Granit, so der Nestlé-Vertreter Teje. Tatsächlich scheint die Überzeugungsarbeit nicht einfach.

Auch Faysal Bouba verkauft Maggi-Produkte auf dem Marché Central von Douala. Er hat davon gehört, dass mit Maggi sparsam umgegangen werden soll. Aber das funktioniere bei Afrikanern nicht, ist er überzeugt: «Die Weissen messen alles ab. Selbst den Zucker für den Kaffee! Wir Afrikaner wir schaufeln so viel rein, bis es süss genug ist. Oder eben salzig genug.»

Faysal Bouba
Legende: Faysal Bouba ging als Kind oft Maggiwürfel auf dem Markt holen. Nun verkauft er sie selbst. SRF/Anna Lemmenmeier

Zwar würden gewisse Kameruner nun sogar behaupten, Maggi sei verboten. Doch das glaubt der junge Mann nicht. Nestlé hat für ihn eine sehr hohe Glaubwürdigkeit: «Ich vertraue Nestlé, das ist eine der besten Marken.» Und so werden auch in Zukunft Abermillionen von Maggiwürfeln tagtäglich in Afrikas Kochtöpfen landen.

Wie Kaugummi kann man in West- und Zentralafrika auch an jedem Kiosk Maggiwürfel kaufen.
Legende: Wie Kaugummi kann man in West- und Zentralafrika an jedem Kiosk auch Maggiwürfel kaufen. SRF/Anna Lemmenmeier

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44 Kommentare

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  • Kommentar von Udo Gerschler (UG)
    Die Afrikaner die sich bewegen haben das Problem nicht.Bei Europäern ist es auch so.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ich kenne die afrikanische Küche nicht, aber ich hatte immer den Eindruck, dass Afrika-Kenner sagen, das Essen sei gut. Ich kann mir aber ganz und gar nicht vorstellen, dass ein Essen mit Maggiwürfeln etwas gutes sein kann. Ich würze mit Gewürzen.
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  • Kommentar von Edgar Dubach (Shikamoo)
    Aha. Die "Matschi"-Würfel sollen nun also schuld sein. Hat doch die Ernährungs- (Bevormundungs-) Lobby den Schuldigen erkannt. Und wenn in Europa niemand mehr an den Buhmann Salz glaubt, exportieren wir das Märchen nach Afrika, die glauben es vielleicht..?! Die These ist nicht mehr haltbar. Salz ist essentiell, egal aus welcher Quelle. Und wer viel schwitzt, braucht mehr davon. Mich nerven all diese Gesundheits- Drohungen und -Empfehlungen bis hin zu Zucker- Fett- und nun wohl auch Salzsteuern.
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