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Neue Plattform im Netz Hoteliers teilen sich Mitarbeiter

Hotelangestellte im Tessin und in Graubünden erhalten mithilfe einer neuen Sharingplattform eine Ganzjahresperspektive.

Legende: Audio «Im Sommer am See - im Winter im Schnee» abspielen. Laufzeit 04:49 Minuten.
04:49 min, aus Echo der Zeit vom 21.09.2018.

«Im Sommer am See, im Winter im Schnee»: Das ist der eingängige Slogan eines Pilotprojektes, das Hoteliers aus dem Kanton Graubünden und dem Tessin vor drei Jahren zusammen gestartet haben. Dabei geht es darum, dass sich die beiden Kantone Mitarbeiter aus der Tourismusbranche teilen und so die saisonale Arbeitslosigkeit verringert werden kann.

Denn die Tatsache, dass viele Tessiner Kellner im Winter, wenn ihr Hotel geschlossen ist, arbeitslos sind, und ihre Bündner Kollegen das gleiche Schicksal im Sommer erleiden, belastet auch die Staatskasse. Die Testphase dieses Projekts ist nun abgeschlossen. Seit kurzem ist die Online-Plattform für dieses Mitarbeiter-Sharing aufgeschaltet. Auf dieser speziellen und auf das Hotelgewerbe ausgerichteten Plattform können sich, ähnlich einer Partnerbörse, Hoteliers und Stellensuchende einfach finden.

Bessere Jobchancen für «geteilte» Mitarbeiter

Marika Somaini ist begeistert. Die 26-Jährige ist schon eine «geteilte» Mitarbeiterin. Letzten Winter arbeitete sie in einem Luxushotel in St. Moritz. Diesen Sommer arbeitet sie in einem Hotel in Lugano. «Das beste an diesem Projekt ist, dass man die Vielseitigkeit der Hotellerie sieht, und das ganze Verfahren, wie man ein Hotel findet und wie man sich vorstellt, wird vereinfacht.» Das helfe ihr, sich schnell und gut zu vernetzen, die Jobchancen erhöhten sich dadurch rapide, ist die junge Frau überzeugt.

Service-Fachmann, Restaurant-Gäste im freien an Tischen sitzend.
Legende: Aktuell bestehen 300 Verträge zwischen Hoteliers aus dem Tessin und Graubünden und ihren Mitarbeitern. Keystone

Dem stimmt Marcel Krähenmann zu. Er ist Hotelier und Präsident des Projekts Mitarbeiter-Sharing. Es sind die Hoteliers, die die Plattform finanzieren. Diese erspare dem Arbeitgeber aufwändige Vorstellungsrunden. Ein häufiges Manko der Bewerber seien die Sprachkenntnisse: «Wir haben erkannt, dass oft die Deutschkenntnisse der Tessiner etwas schlechter sind, im Bündnerland ist es umgekehrt. Wir haben darauf reagiert und bieten jetzt Sprachkurse an.»

300 Verträge und viel Luft nach oben

Aktuell bestehen 300 Verträge zwischen Hoteliers aus dem Tessin und Graubünden und ihren Mitarbeitern. Eine bescheidene Bilanz. Damit dieses Mitarbeiter-Sharing-Modell auch wirklich für beide Seiten eine markante Verbesserung des Status Quo bringt, braucht es deutlich mehr Hoteliers und auch deutlich mehr Hotelmitarbeitende, die sich daran beteiligen.

Diese Einschätzung teilt Corinne Denzler, Direktorin der Tschuggen-Hotelgruppe. Sie ist überzeugt, dass dieses Modell, jetzt, nach der dreijährigen Testphase, noch markant zulegen kann: «Die Projektphase war am Anfang etwas theoretisch, wir mussten uns erst finden. Die beiden Hauptschubbringer sind die Digitalisierung und die sechs Wochen, in denen ich keine Alibibewerbungen schreiben muss – das ist ein schlagkräftiges Argument.»

Seco erlaubt Überbrückung in Zwischensaison

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) erlaubt versuchsweise ab 2019, dass «geteilte» Mitarbeiter in der sechswöchigen Zwischensaison unbürokratisch Arbeitslosengeld bekommen – also dann, wenn die Sommersaison zu Ende ist und die Wintersaison noch nicht angefangen hat.

Hotelarbeitskräfte erhalten dadurch eine Ganzjahresperspektive. Und die Arbeistlosenkasse spart Geld, weil der Tessiner Kellner nur die Zwischensaison überbrückt, und nicht den ganzen Winter Arbeitslosengelder bezieht.

Ausweitung auf die ganze Schweiz?

Vorläufig können nur Mitarbeiter mit Wohnsitz im Kanton Tessin oder im Kanton Graubünden von dieser Hilfeleistung profitieren. Falls der Unterstützungsversuch des Secos aber positiv verläuft, könnte er auf die ganze Schweiz ausgedehnt werden. Das wäre sehr zur Freude von Marcel Krähenmann: «Unser Ziel ist es, so viele Mitarbeiter und so viele Betriebe auf der Plattform zu haben wie möglich.»

Sie sei darauf ausgelegt, locker Tausende von Profilen zu verwalten. Alleine im Kanton Tessin gibt es jährlich 2000 saisonale Arbeitslose. Diese kosten die Arbeitslosenkasse 16 Millionen Franken. Das Potential für Tausende von Anmeldung also ist auf jeden Fall vorhanden – zumindest theoretisch.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Das ist doch eine gute Idee. Das wird uns Schweizern helfen, Ganzjahresstellen zu finden. So brauchen wir weniger Aushilfen aus dem Ausland in den jeweiligen Saisons.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Solche Plattformen, werden sie nicht von den 'Betroffenen' das heisst von denen, die ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen, selber verwaltet, sind das ideale, kapitalistische Ausbeutungsinstrument. Das Zückerchen zuerst und dann, die Verwaltung, Kontrolle und Monopolisierung der menschlichen Arbeitskraft. Einfach und digital können dann alle gegeneinander antreten, während die 'Herren' die für sie Günstigsten auswählen, kontrollieren und sozusagen in digitaler Kontrolle haben können.
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  • Kommentar von Dani Keller (¯\_(ツ)_/¯ ____)
    So nebenbei gibts damit auch weniger Einwanderung. Eine win win Situation. Einzig dass die 6-wöchige Zwischensaison zu 100% mit Arbeitslosengeld überbrückt wird, ist störend. Wie wäre es, wenn diese Kosten unbürokratisch aufgeteilt würden? 1 Woche alter Arbeitgeber, 1 Woche neuer Arbeitgeber, 2 Wochen Arbeitslosenkasse und 2 Wochen von Arbeitnehmer.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Immer wieder verwirrend, wer gibt seine Arbeit? Nicht der Arbeitgeber, der nimmt, der braucht, ist auf den Arbeitsensatz der ihre Arbeitskraft zur Verfügung Stellenden angewiesen...So verkehrt ist diese Bezeichnung, dass es eigenartig ist, wie gedankenlos solche Begriffe tagaus tagein verwendet werden und ein total falsches Konzept mühelos tagein tagaus transportieren....
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