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Felix Schläpfer: «Der Konsument wird in die falsche Richtung gelenkt.»
Aus ECO vom 15.09.2020.
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Neue Studie Subventionen helfen Bauern und schaden der Umwelt

Die Nahrungsmittelproduktion der Schweiz verursacht Umweltschäden in Milliardenhöhe. Das zeigen exklusive Zahlen.

Wirtschaftsprofessor Felix Schläpfer von der Fachhochschule Kalaidos hat in einer erstmals bei «ECO» veröffentlichten Studie eine längst überfällige Rechnung aufgestellt. Im Auftrag von «Vision Landwirtschaft» hat er eine Vollkostenrechnung für die Schweizer Nahrungsmittelproduktion erstellt:

13.7 Milliarden Franken kostete die Nahrungsmittelproduktion im Jahr 2018. Die Konsumenten zahlten beim Kauf der Produkte 7.4 Milliarden, der Steuerzahler subventionierte die Bauern mit 2.8 Milliarden, und für die an der Umwelt angerichteten Schäden fallen noch einmal 3.6 Milliarden an (Zahlen gerundet).

Das heisst: Fast die Hälfte der Kosten wird von den Steuerzahlern und der Allgemeinheit übernommen.

Vier Fünftel der Subventionen für Tierproduktion

Noch eine weitere, erstaunliche Zahl bringt Felix Schläpfer ans Licht: Vier Fünftel der Subventionen gehen an die besonders umweltschädliche Tierproduktion.

Gülle wird ausgebracht
Legende: Der Steuerzahler subventioniert die Bauern mit 2.8 Milliarden Franken. Für Umweltschäden fallen 3.6 Milliarden an. Keystone

«Es werden falsche Anreize gesetzt», erklärt Schläpfer. «Diejenigen, welche sich im Sinne der Klimaziele gut verhalten und weniger tierische Produkte konsumieren, werden beschissen. Und wer heute viel Fleisch konsumiert und wenig Pflanzen, bekommt viel Unterstützung vom Bund.»

Ausgerechnet die Fleischproduktion, die nur durch riesige Futtermittel-Importe möglich ist, die einen massiven Überschuss an Gülle nach sich zieht und in der Folge jährlich Ammoniak-Schäden in Höhe von 1.7 Milliarden Franken verursacht, wird besonders gefördert.

Bundesamt für Landwirtschaft wiegelt ab

Die Kritik richtet sich nicht in erster Linie gegen die Bauern, sondern gegen den Staat, der falsche Rahmenbedingungen schafft.

Das Bundesamt für Landwirtschaft erklärt dazu schriftlich, «dass die Massnahmen des Bundes umweltschädigende Produktionsweisen und in der Folge umweltschädigende Konsummuster unterstützen, würde zu kurz greifen». Der Bundesrat sei sich bewusst, «dass gewisse, unerwünschte Nebenwirkungen entstehen» und schlage deshalb regelmässig Anpassungen der Agrarpolitik vor.

Markus Ritter vom Schweizer Bauernverband, der als geschickter Lobbyist die Interessen der Bauern durchzusetzen weiss, spricht von falschen Zahlen: «Man kann in einer Vollkostenrechnung nicht nur die Kosten aufführen, sondern muss auch den Ertrag und den Nutzen, den die Landwirtschaft stiftet im Bereich der Biodiversität, beim Tierwohl und im Bereich der Pflege der gesamten Kulturlandschaft, hineinrechnen.»

Allerdings werden die gemeinwirtschaftlichen Leistungen durchaus in der Studie mit einer Milliarde Franken aufgeführt.

Konsequenzen der Kostenwahrheit

Die Berechnung externer Kosten schafft Transparenz und erstmals Kostenwahrheit für die Schweizer Landwirtschaft. Die Studie bietet die Basis, um Reformen anzugehen.

Der Abbau schädlicher Subventionen und die verursachergerechte Verrechnung der Umweltschäden ist zwingend. So liesse sich die Landwirtschaft auf einen nachhaltigeren und umweltfreundlicheren Weg führen.

Heute Abend in «ECO»

Logo der Sendung «ECO»

Mehr zum Thema heute Abend um 22.25 Uhr im Wirtschaftsmagazin «ECO».

ECO 14.9.2020

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96 Kommentare

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  • Kommentar von Jacqueline Hafner  (J.H.)
    Es braucht weder Grüne noch Linke um zu erkennen, dass die heutige Agrarwirtschaft Natur schädigend und somit auch MENSCHEN schädigend ist. Zu hohe Pestizidwerte im Wasser, permanentes Überschreiten der Ammoniakgrenzwerte usw. sind keine Erfindung sondern Fakten und auch woher diese herrühren. Artensterben ist auch keine Erfindung irgendwelcher politischer Gruppierungen sondern FAKT. Die Landwirtschaft MUSS reformiert werden - die Anbauschlacht ist längst vorbei!
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  • Kommentar von Hans König  (Hans König)
    Die "Grünen" und "Linken" brauchen einen Prügelknaben und das ist im Moment die Landwirtschaft. Die Landwirtschaft in der Schweiz ist weltweit die ökologische und sauberste Spitzenlandwirtschaft; aber das gibs nicht zum billigsten Preis meine Damen und Herren.
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    1. Antwort von Michi Leemann  (mille)
      Sie behaupten entgegen der Faktenlage!

      Haben Sie in der letzten Zeit mal Fachartikel zu unserem Pestizidverbrauch, Futtermittelimporten und Gülleverunreinigung gelesen? Wohl nicht, sonst würden Sie jaum solch Unwahrheiten verbreiten.
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    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Ist das wirklich ernst gemeint? Kaputte Böden, verseuchtes Wasser, Artensterben, seit wann ist das ökologisch? Unsere Landwirtschaft muss sich eindeutig verändern. Es wird kosten, aber nichts tun, wird um einiges teurer. Die Bauern und Bäuerinnen benötigen unsere Hilfe bei der Umstellung. Kostenwahrheit bei den in- und ausländischen Produkten sollte in die Preise einfliessen. Geringverdienende brauchen Unterstützung. Bleibt noch die Frage wie mit Lebensmitteleinkäufen im Ausland umzugehen sei.
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  • Kommentar von Michi Leemann  (mille)
    Ich kann den Lobbyist Nummer 1 Herr Ritter nicht mehr hören. Er ist einer der Hauptgründe weshalb ich den Bauern, welche wirklich hart arbeiten, kein Vertrauen mehr aussprechen kann. Bei mir wirkt er kontraproduktiv.
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