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Onlinehandel Erobert Live-Shopping auch den Schweizer Handel?

Immer mehr Menschen kaufen Produkte per Livestreams auf Social Media oder anderen Plattformen und Marktplätzen. Ist das die Zukunft des Handels? Darius Zumstein forscht an der ZHAW auf diesem Gebiet und weiss das Wichtigste zum virtuellen Phänomen des Live-Shoppings.

Darius Zumstein

Darius Zumstein

Dozent und Leiter des E-Commerce Labs an der ZHAW

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Darius Zumstein ist Dozent und Senior Researcher im Bereich Digital Business, Marketing und Analytics am Institut für Marketing Management (IMM) an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

SRF News: Ist Live-Shopping das neue Teleshopping?

Darius Zumstein: Es gibt durchaus Gemeinsamkeiten: Produkte werden vorgestellt und verkauft, meist von einer überzeugenden Moderatorin oder einem Moderator oder von einer redegewandten Verkaufspersönlichkeit. Livestreams und Teleshopping-Sendungen sollten beide auch unterhaltsam sein. Sie zielen vor allem auf den Impulskauf ab. In beiden Fällen wird ein Sonderangebot von exklusiven Produkten angepriesen.

Eine Frau sitzt an einem Tisch vor einer Kamera und macht Werbung für Kopfhörer.
Legende: Live-Shopping ist vor allem im asiatischen Raum eine sehr beliebte Form, Produkte zu bewerben und zu kaufen. Keystone/Wu Hong

Seit wann gibt es das Phänomen des Live-Shoppings?

Einkaufen per Livestream ist ein Trend in China und wurde hauptsächlich in der Coronakrise beliebt. Beispielsweise haben Bauern ihren Reis, ihr Obst und Gemüse über Livestreams auf WeChat verkauft, als die Läden und Märkte aufgrund der Lockdowns geschlossen waren. Die erste Plattform, die per Livestream in einem grösseren Rahmen Produkte verkaufte, war die chinesische Plattform Taobao. In der Schweiz und in Europa ist dieser Trend aber noch nicht angekommen. Trotzdem gibt es auf einigen Plattformen vermehrt Livestreams.

Welche Produkte werden hauptsächlich per Livestream verkauft?

Vor allem Produkte aus den Kategorien Gesundheit und Schönheit, Kleidung und Accessoires, Baby- und Kleinkindartikel sowie Elektronik. Die Produkte stammen eher aus dem mittleren bis günstigen Preissegment. Teure und komplexe Produkte werden weniger per Livestream präsentiert. Trotzdem sollen die Livestreams unterhalten und exklusiv wirken. Es sollte immer einen Sonderpreis geben.

Welche Formen von Live-Shopping gibt es?

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  • Livestreams können über die sozialen Medien konsumiert werden, wie beispielsweise Tiktok, Youtube oder Snapchat.
  • Eine zweite Möglichkeit bieten Livestream-Plattformen. Das sind eine Art Online-Warenhäuser, auf der viele Livestreams auf einer Webseite parallel laufen. Besonders in den USA oder in China sind diese Plattformen sehr beliebt.
  • Eine dritte Möglichkeit bieten digitale Marktplätze wie beispielsweise Amazon Live, auf denen Livestreams bestimmter Marken eingebaut werden können.
  • Die vierte und wichtigste Möglichkeit nennt sich Owned Media. Das sind Inhalte, die von einem Unternehmen selbst produziert und auf der Webseite oder im Onlineshop eingebaut werden. Das bekannteste Beispiel in der Schweiz bietet hierfür die Coop-Tochter Christ, die jeden Monat einen Livestream publiziert.

Was zeichnet das Phänomen des Live-Shoppings besonders aus?

Viele Marken setzen auf Livestreams, um Kundinnen und Kunden besser auf ihre Produkte aufmerksam zu machen. Zudem können Kundenbeziehungen gestärkt werden, da das Publikum mit den Verkäuferinnen und Verkäufern direkt im Chat interagieren kann. Das Publikum kann in der Kommentarfunktion auch untereinander interagieren und in den Dialog treten. Auf diese Weise bildet sich eine Art Community um ein Produkt.

Wird Live-Shopping künftig den Schweizer Markt verändern?

Das «Lädelisterben» geht weiter. Dies lässt sich empirisch belegen. Künftig werden viel mehr Marken über Livestream ihre Produkte verkaufen. In 20 Jahren wird sich der Onlinemarkt wahrscheinlich zum Standard entwickeln, auch teure und komplexe Produkte werden dann online beworben.

Bereits heute gibt es KI-generierte Chatbots für die Onlineberatung. Auch Avatare könnten zunehmend eingesetzt werden, so wie im asiatischen Raum.

Der herkömmliche Markt wird sich auch an neue, nischigere Marken anpassen und diese mehr integrieren. Was sicher mehr kommen wird in der Schweiz, und das wird auch heute schon genutzt, sind Verkaufsgespräche, die mittels KI geführt werden. Bereits heute gibt es KI-generierte Chatbots für die Onlineberatung. Auch Avatare könnten zunehmend eingesetzt werden, so wie aktuell schon im asiatischen Raum. Das ist aber ein noch sehr neues Feld und wurde in der Schweiz noch wenig erforscht und in der Praxis angewendet.

Werden Avatare das menschliche Kundengespräch jemals ersetzen?

Nein, das denke ich nicht. Aber Avatare können als Ergänzung eingesetzt werden. Zudem können die Unternehmen dadurch Personalkosten sparen. Bei komplexen Fällen werden aber Menschen immer noch das menschliche Gespräch im Laden bevorzugen.

Das Gespräch führte Lea Stadelmann.

Video
Archiv: China: Avatare im Livestream-Shopping
Aus 10 vor 10 vom 28.11.2023.
abspielen. Laufzeit 4 Minuten 10 Sekunden.

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10vor10, 28.11.2023, 21:50 Uhr;

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