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Legende: Audio Hohes Honorar gibt zu reden abspielen. Laufzeit 05:00 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 30.07.2019.
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Operativ tätig oder nicht? Honorar von Dufry-Präsident Torres Carretero gibt zu reden

Fünf Millionen Franken für einen Verwaltungsratspräsidenten? Für eine solche Lohnsumme muss einiges erklärt werden.

Es ist Ferienzeit und an den Flughäfen herrscht Hochbetrieb. Das freut auch das Schweizer Unternehmen Dufry, das weltweit über 2000 Duty-free-Läden betreibt.

Dufry-Verwaltungsratspräsident, Juan Carlos Torres Carretero, verdiente im vergangenen Jahr gut fünf Millionen Franken. Das ist fast dreieinhalb Mal so viel wie Präsidenten von Schweizer Unternehmen mit vergleichbarer Grösse erhalten.

Logo von Dufry
Legende: Dufry betreibt weltweit mehr als 2000 Duty-free-Läden. Keystone

Die nackte Zahl, wie viel ein Verwaltungsrat pro Jahr verdient, ist das eine. Man müsse das Honorar aber in Zusammenhang mit verschiedenen objektiven Kriterien bringen, sagt Remo Schmid, Partner beim Beratungsunternehmen PWC: «Etwa wie gross eine Gesellschaft ist oder wie hoch deren Marktkapitalisierung ist.»

Wichtig sei der Aktienindex, dem das Unternehmen zugeteilt sei. Bei Dufry ist das der SMI MID. Dieser Index beinhaltet Titel von 30 mittelgrossen Unternehmen, die nicht im SMI-Hauptindex vertreten sind. Im Schnitt verdienen die Präsidenten von Unternehmen in dieser mittleren Liga knapp 1.5 Millionen Franken.

Zum konkreten Fall Dufry will sich Remo Schmid nicht äussern. Verständlich, denn Dufry stellt seine Vergütungsmodelle unter anderem auf den Analysen von PWC ab.

Grundsätzlich gelte es bei der Entschädigung von Präsidenten eines Verwaltungsrats auch deren Rolle im Unternehmen zu beachten: «Ob er 100 Prozent operativ tätig ist oder nicht, macht bei der Entschädigung einen grossen Unterschied», sagt Schmid.

Wie misst man die Arbeitsqualität?

Verwaltungsratspräsident Juan Carlos Torres Carretero sei stark ins Management eingebunden, schreibt Dufry auf Anfrage. Deshalb erhalte er auch einen vom Gewinn abhängigen Bonus. Im vergangenen Jahr machte dieser Bonus mehr als die Hälfte des Honorars von fünf Millionen Franken aus.

Wie misst man die Arbeitsqualität eines Verwaltungsrats? Das sei schwierig zu beurteilen, sagt Markus Schmid, Spezialist für Corporate Governance an der Universität St. Gallen. Es gebe aber durchaus Anhaltspunkte: «Man kann sich anschauen, wie oft sie in Sitzungen getagt haben und wie lange die Sitzungen gedauert haben.»

Aktien statt Cash

Um die Honorare zu bewerten, ist auch deren Zusammensetzung zu beachten. Früher sei vor allem in bar bezahlt worden, sagt Schmid von PWC. Mittlerweile sei der Aktienanteil aber wichtiger geworden: «Usanz ist, dass Aktien und Cash zugeteilt werden, vielfach im Verhältnis 50:50.»

Mehr und mehr gebe es Vorschriften, die Verwaltungsräte anhalten würden, auch Aktien des Arbeitgebers zu halten. Aus Sicht der Corporate Governance ist das eine positive Entwicklung. Mit gesperrten Aktien wird der Verwaltungsrat am unternehmerischen Risiko beteiligt. Wenn es nicht läuft, schlägt sich das im Aktienkurs nieder und letzten Endes auch im Portemonnaie des Verwaltungsrats.

Logo Dufry.
Legende: Juan Carlos Torres Carretero sei stark ins Management eingebunden, schreibt das Unternehmen auf Anfrage. Keystone

Allerdings war der Duty-free-Detailhändler Dufry bis jetzt auch hier ein Spezialfall. So wurden die Entschädigungen an die Verwaltungsräte stets bar ausbezahlt. Das könnte sich bald ändern. An der vergangenen Generalversammlung wurde einer Statutenänderung zugestimmt. Damit wäre es künftig auch möglich, einen Teil des Honorars in Aktien zu zahlen.

Insofern sind die fünf Millionen Franken, die Torres erhält, nachvollziehbar. Zumal er im Unternehmen auch Aufgaben wahrnimmt, die sonst in den Bereich des CEO fallen. Ob es grundsätzlich sinnvoll ist, so hohe Entschädigungen zu zahlen, ist aber eine andere Frage.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Peter Steiner  (pcsteiner)
    Wenn man sich die horrenden Preisen bei Dufry an den Flughäfen anschaut, weiss man jetzt warum! Abgesehen von ZIgaretten sind die Artikel, die eigentlich vom Zoll befreit sein sollten, massiv teurer als im normalen Detailhandel. Warum dass sich Touristen trotzdem dazu verleiten lassen, viel Geld in diesen Läden liegen zu lassen, verstehe ich nicht.
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