«Prognosen sind ein schwieriges Geschäft»

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich produziert regelmässig Berichte und Prognosen über die wirtschaftliche Entwicklung - seit genau 75 Jahren. Neben der KOF gibt es zahlreiche Konkurrenten – nicht alle sind unabhängig.

Innenaufnahme eines Auto-Parkhaus-Turms von oben, ein Auto befindet sich auf dem Lift. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Prognosen sind das eine – was zählt, ist die reale Wirtschaft: Also etwa, wie viele Autos tatsächlich verkauft werden. Reuters

Reihum korrigieren die Schweizer Konjunkturforscher dieser Tage ihre Prognosen nach oben: Das KOF rechnet für das laufende Jahr neu mit einem Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent.

Das ist ein halber Prozentpunkt mehr als noch vor drei Monaten. Ähnliche Nachbesserungen nahmen bereits die BAK Basel, das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) oder die Nationalbank vor.

75 Jahre KOF-Prognosen

4:19 min, aus Echo der Zeit vom 23.09.2013

«Ein schwieriges Geschäft»

Für KOF-Leiter Jan-Egbert Sturm gehören Revisionen zum Prognose-Geschäft. Zwar hoffe man jedes Mal wieder, «dass man eine Punktlandung hinkriegt», sagt er gegenüber SRF. Allerdings: «Prognosen sind ein schwieriges Geschäft.» So basiere die KOF-Prognose auf mehr als 200 Variablen, die kaum alle immer genau richtig eingeschätzt werden könnten.

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH gilt als führendes Schweizer Prognose-Institut. Es kann sich leisten, ausgetretene Pfade zu verlassen. In der Vergangenheit orientierten sich die Ökonomen beispielsweise immer wieder an keynesianischen Wirtschaftsrezepten und empfahlen Staatseingriffe. So forderte die KOF bereits früh, einen Mindestkurs zum Euro einzuführen.

Keine ideologischen Scheuklappen

Daniel Lampart gefällt diese Haltung. Der Chefökonom des Gewerkschaftsbundes hat einst – wie viele andere Ökonomen hierzulande auch – bei der KOF seine Sporen abverdient. Man sei dort sehr pragmatisch und habe keine ideologischen Scheuklappen, stellt er fest.

Lob für die KOF gibt es auch von Rudolf Minsch. Er hat sein Handwerk an der Uni St.Gallen gelernt. Inzwischen ist er Chefökonom und ad-interim-Leiter des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. Man argumentiere bei der KOF in den letzten Jahren ideologiefreier. «Die Professionalität der KOF ist gestiegen», sagt er.

Unterschiedliche Wirtschaftsprognosen

Anders schätzen Economiesuisse und Gewerkschaftsbund das Seco ein: Auch das Staatssekretariat für Wirtschaft veröffentlicht zusammen anderen Bundesstellen regelmässig Prognosen. Diese gelten beim Wirtschaftsdachverband und bei den Gewerkschaften allerdings als zu staatsnah.

Weitere prominente Stimmen im Prognose-Geschäft sind die BAK Basel und das kleine Westschweizer Institut Créa. Die Basler Ökonomen präsentieren regelmässig viel beachtete Regional-Studien. Créa profilierte sich mit sehr düsteren Prognosen.

Nicht alle Konjunkturforscher sind ähnlich komfortabel ausgestattet sind wie das KOF. Trotzdem seien ihre Prognosen wichtig und interessant, sagt Rudolf Minsch von Economiesuisse.

Zwar könne kein Institut für sich beanspruchen, immer alles richtig vorauszusagen, so Minsch. Trotzdem aber interessiert die Zukunft. Und deshalb können Konjunkturforscher auf zuverlässige Nachfrage zählen. Selbst wenn ihre Prognosen nicht immer eintreffen.

Sendung zu diesem Artikel

  • Bernd Schips
    Radio SRF 4 News 23.09.2013 11:47

    SRF 4 News aktuell
    Prognosen hängen von den Annahmen ab

    23.09.2013 11:47

    Konjunkturprognosen sagen uns, in welche Richtung sich unsere Wirtschaft entwickelt. Das wichtigste Prognose-Institut in der Schweiz ist die KOF der ETH-Zürich. Sie feiert ihr 75-jähriges Jubiläum. Dazu ein Gespräch mit Bernd Schips. Er leitete die KOF von 1993 bis 2006.