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Whistleblowing ist auch im Interesse der Unternehmen
Aus Echo der Zeit vom 11.10.2021.
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Publik machen von Missständen Whistleblower-Stellen nehmen zu – Zahl der Meldungen aber ab

Im Whistleblowing-Report 2021 der Fachhochschule Graubünden wird aufgezeigt, welch unverzichtbaren Beitrag Whistleblower zur Schadensaufdeckung leisten. Dabei machen viele Unternehmen vieles richtig, so die Studienleiter. Homeoffice und Mitarbeiterabbau führten aber zu mehr Missständen.

Der Whistleblowing-Report 2021 der Fachhochschule Graubünden beleuchtet, inwieweit Schweizer, deutsche, französische und britische Unternehmen von Missständen betroffen sind, und wie Meldestellen als Instrument zur Prävention und Aufdeckung von Missständen genutzt werden.

Das Risiko, Opfer von illegalem und unethischem Verhalten zu werden, sei für europäische Unternehmen real, heisst es im Report: «Hinweise von Mitarbeitenden und anderen Anspruchsgruppen sind von grosser Bedeutung, um Missstände zu verhindern oder frühzeitig zu erkennen.» Die Mehrheit der befragten Unternehmen sei sich dessen bewusst und habe bereits eine interne Meldestelle eingerichtet.

2020 gingen bei den Meldestellen durchschnittlich 34 Meldungen ein. Dies bedeutet einen deutlichen Rückgang gegenüber dem letzten Report aus dem Jahr 2019. Damals lag dieser Wert bei 52 Meldungen.

Der Rückgang der Meldungen dürfte auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sein. Die Studienautoren vermuten, dass aufgrund des fehlenden informellen Austauschs nur ein beschränkter Zugang zu Informationen bestand oder dass Meldungen aufgrund anderweitig genutzter Ressourcen nicht gemacht wurden.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, von Missständen betroffen zu sein, bei Unternehmen höher ist, in denen es Corona-bedingt zu einem Mitarbeiterabbau kam oder in denen ein Grossteil der Mitarbeitenden im Homeoffice (mehr als 66 Prozent) gearbeitet hat.

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Archiv: Schweizer Konzerne meldeten bereits 2018 bei Whistleblowing steigende Zahlen
Aus ECO vom 11.06.2018.
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«Die Unternehmen sollten alles daransetzen, die Schwachstellen ihrer internen Meldestellen zu beheben, die sich in der Pandemie gezeigt haben. Denn nur ein effizientes Meldesystem stärkt die Compliance-Kultur und ermöglicht es, Risiken frühzeitig zu erkennen und so Sanktionen, Strafzahlungen und Reputationsschäden abzuwenden», erklärt Projektleiter Christian Hauser von der Fachhochschule Graubünden.

In einer aktuellen Befragung der Fachhochschule Graubünden gaben 63.4 Prozent der befragten Schweizer Unternehmen an, über eine Meldestelle für Fehlverhalten zu verfügen. Im Vergleich der vier untersuchten Länder liegt die Schweiz dabei quasi gleichauf mit Deutschland im Mittelfeld. In Grossbritannien haben beinahe drei Viertel der Unternehmen eine solche Meldestelle, in Frankreich nur etwas mehr als die Hälfte.

45.7 Prozent der Meldestellen in Schweizer Unternehmen haben im vergangenen Jahr mindestens eine Meldung erhalten. Bei rund jedem dritten der befragten Unternehmen tritt illegales oder unethisches Verhalten, das gegen gesetzliche Bestimmungen verstösst oder die gesellschaftlichen Vorstellungen von Ethik verletzt, auf. Die Studie zeigt, dass Grossunternehmen und Firmen, die im Ausland tätig sind, häufiger von Missständen betroffen sind.

Wie wichtig ein funktionierendes Meldesystem ist, zeigt die Tatsache, dass 32.5 Prozent der Unternehmen in der Schweiz im Jahr 2020 von illegalem und unethischem Verhalten betroffen waren. In Deutschland (37.1 Prozent), Grossbritannien (35.8 Prozent) und Frankreich (32.8 Prozent) kam dies aber in mehr Unternehmen vor. 

Ausserdem zeigen die statistischen Analysen, dass Unternehmen in der Schweiz zwar weniger häufig von Missständen betroffen sind als Unternehmen in anderen Ländern, der Anteil der finanziellen Schäden von 100'000 Euro oder mehr dort jedoch am höchsten ist. Gut die Hälfte der Unternehmen unterrichtet ihre Mitarbeitenden über die Konsequenzen eines aufgedeckten Missstandes. Die Öffentlichkeit wird eher selten informiert.  

Die Eckwerte der Studie

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Erstellt wurde der Whistlebowing-Report 2021 von der Fachhochschule Graubünden, die dafür in Zusammenarbeit mit der EQS Group 1239 Unternehmen in Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und der Schweiz befragt hat. In der Schweiz wurden für die Studie über 300 Unternehmen befragt.

Die Stichprobe umfasst jeweils zu rund einem Drittel Klein- und Mittelunternehmen (KMU) mit 20 bis 249 Mitarbeitenden sowie zu rund zwei Dritteln Grossunternehmen mit 250 oder mehr Mitarbeitenden. Die Stichprobenziehung erlaubt es, die Resultate auf die zwei Unternehmensgrössen-Klassen zu verallgemeinern.

«Whistleblower» ist der mittlerweile auch im deutschen Sprachraum übliche Begriff für Mitarbeiter, die Verstösse von Kollegen und Vorgesetzten publik machen.

 

SRF 4 News, 11.10.2021, 15:00 Uhr;

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Morello  (Andreas Morello)
    Ich befürworte es, dass Firmen zunehmend Meldestellen für Whistleblower einrichten. Ich gehe davon aus, dass die meisten Firmen ein Interesse daran haben interne Missstände anzugehen.

    Die Frage ist, was passiert, wenn die Firma sich nicht darum kümmert, oder gar gegen einen Whistleblower vorgeht?

    Ich denke hier brächte es eine griffige Regelung, wenn sich ein Whistleblower direkt an die Behörden wendet. Zumindest wenn ein öffentliches Interesse an der Aufklärung vorliegt.
  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community. Wir schliessen die Kommentarspalte an dieser Stelle und bedanken uns für Ihre Inputs. Wir würden uns freuen, wenn Sie auch morgen wieder mitdiskutieren. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Christian Kunz  (CK124)
    Wistleblowing ist ein zweischneidiges Schwert. Im deutschen Sprachgebrauch ist jemanden zu "Verpfeifen", nicht besonders angesehen.
    Im Regelfall mag der Blower kurz der Held sein, langfristig aber sehr oft der Verlierer.
    So bleibt s halt im Kleinen und beim Verpfeifen.