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Wirtschaft Schweizer Banken halfen China bei Aufbau von Scheinfirmen

Über tausende Scheinfirmen soll Chinas Elite riesige Vermögen in Steueroasen halten. Beim Aufbau haben offenbar auch Schweizer Grossbanken mitgeholfen. In die dubiosen Geschäfte sind Berichten zufolge auch Angehörige von Präsident Xi Jinping involviert.

Chinesische Banknoten.
Legende: Hat sich Chinas Elite mittels Scheinfirmen bereichert? Keystone

Chinas Machtelite betreibt offenbar seit Jahren tausende Scheinfirmen in der Karibik, um ihr Vermögen zu verschleiern. Diese Firmen sollen oft von Angehörigen hoher Staatsfunktionäre beherrscht sein. Darüber berichteten unter anderem die Zeitungen «Tages-Anzeiger»/«Der Bund» und «Le Matin».

Sowohl ein Angehöriger von Präsident Xi Jinping als auch die Familie des früheren Regierungschefs Wen Jiabao sollen in die geheimen Geschäfte in der Karibik verwickelt sein, schreiben die «Süddeutsche Zeitung» und der britische «Guardian», die als Teil eines internationalen Recherchenetzwerkes ebenfalls Artikel publizierten.

Betroffene Politikerfamilien schweigen

Die Publikationen berufen sich auf neue Auswertungen der «Offshore-Leaks»-Datenbank. Dabei handelt es sich um eine Vielzahl von Dokumenten zu Offshore-Gesellschaften, die dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) in Washington zugespielt worden waren. Die jüngsten Unterlagen stammen aus dem Jahr 2010.

In den Unterlagen sind den Berichten zufolge mehr als 21'000 Offshore-Firmen von Kunden aus China und Hongkong aufgeführt. Schätzungen zufolge wurden seit dem Jahr 2000 Gelder und Firmenanteile im Wert bis zu vier Billionen Dollar aus China verschoben.

Keine der betroffenen Politikerfamilien wollte sich zu den Daten äussern, wie die Zeitungen berichteten. Firmen an Orten wie den Britischen Jungferninseln oder den Cook Islands können auch zu legalen Zwecken genutzt werden.

UBS und CS beteiligt

Die vertraulichen Unterlagen dokumentieren nach Angaben der Medien auch, dass westliche Banken, unter ihnen auch die Schweizer Grossbanken UBS und CS, aber etwa auch die Deutsche Bank, dabei halfen, die Strukturen in den Steueroasen zu errichten und instand zu halten.

So sollen UBS und CS Sprösslingen der chinesischen Spitzenpolitiker, die auch «Prinzlinge» genannt werden, lukrative Jobs beschafft haben. Und die CS soll 2006 die Gründung einer Gesellschaft organisiert haben, die einem Sohn von Ex-Premier Wen Jiabao gehören soll.

«Das ist korrumpierendes Verhalten»

Grundsätzlich sind solche sogenannten Offshore Geschäfte zwar legal. Trotzdem findet sie Bankenprofessorin Monika Roth problematisch: «Der Eindruck ist nicht von der Hand zu weisen, dass es darum gegangen ist, mit der Familie des Premiers spezielle Beziehungen zu pflegen», sagt Roth zu Radio SRF. Ziel der Bank könnte etwa gewesen sein, zu speziellen Bewilligungen in China zu kommen.

Dabei gibt es für Geschäfte mit genau diesen Personen spezielle Sorgfaltspflichten, welche die Banken einhalten müssen, die sogenannten Regeln über politisch exponierte Personen. Diese Vorschriften sind nicht neu und sollen Korruption verhindern. «Die Anstellung von Kindern von Regierungsmitgliedern ist eine Form, um sich Wohlwollen zu kaufen», sagt Roth. «Das ist eindeutig korrumpierendes Verhalten. Das geht aus aufsichtsrechtlicher Sicht nicht.»

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21 Kommentare

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  • Kommentar von M. Haener, Büsserach
    ''Hide and Seek''.., Geisterstädte, Scheinfirmen, US-Staatsanleihen, wenn das nicht beste Voraussetzungen für eine mittlere Katastrophe sind. Viel Schein wenig Sein und noch weniger Sinn, rund um den Globus, aber immer ''schön'' weiter spielen.
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  • Kommentar von Markus Steurer, Vorarlberg
    Herr und Frau Schweizer brauchen sich nicht so sehr aufzuregen. Dank der Gewinne aus den jahrzehntelangen ach so tollen Bankgeschäften ist es dem Schweizer Staat überhaupt erst möglich Steuergeschenke an ausländische Holdings zu verteilen. So entgeht den Nachbarn unserer lieben Eidgenossen immer mehr Steuersubstrat und die gierige Schweiz wird immer reicher und reicher und reicher.
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    1. Antwort von H.Saner, Thun
      Richtig, aber....... Der Grossteil der Gewinne aus den dubiosen Deals landen bei wenigen als Boni. Die Bussen dürfen jetzt aber die Bankkunden zahlen und die guten Bonibänker dürfen ihr dubioses Geld abhalten. Die Vermögensumschichtung funktioniert so, dass Gewinne für wenige sind und Verluste werden sozialisiert. Das kann es nicht sein und das ist einem demokratischen Rechtstaat nicht würdig.
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    2. Antwort von Marcel Chauvet, Weißenstadt
      Gegen Schmarotzer und Parasiten welche dann zudem die EU verhöhnen und verlachen, die sie bezeichnenderweise als Wirt benutzen, sollte endlich mal die EU entschieden und ohne Pardon vorgehen. Nicht nur irgendwelche abwegigen Verfahren gegen fleißige Länder die von der EU gemolken werden wie Deutschland einleiten. Diese Ambivalenz ist sonst der Anfang vom Ende. Wo die Schweiz nur kann schlägt sie im wahrsten Sinne des Wortes das größtmögliche Kapital zu Lasten anderer Staaten.
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    3. Antwort von Marlies Artho, Schmerikon
      M. Chauvet Frage:woher wissen Sie, dass nur die Schweiz Kapital zu Lasten anderer Staaten schlägt? Sind unsere Bänker alles Schweizer? Dass die Schweiz nicht in die EU möchte ist das eine, aber Sie wissen doch sicher auch, dass die Schweiz trotzdem cà 9 Milliarden Franken an die EU bezahlt. Ob alle CH Banken Beihilfe geleistet haben um D Steuerhinterzieher ins Land zu locken ist fragwürdig. Vielleicht sind auch einige wegen der Steuerbelastung in D. in die CH geflohen oder in andere Länder?
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  • Kommentar von Marlies Artho, Schmerikon
    Dass die Banken am Image der Schweiz schaden ist so. Man sollte vielleicht auch hier, sich nicht nur auf Schweizerbanken beschränken. Im allgemeinen wurden die Banken unterschätzt mit dieser Art, von Machenschaften. Abgangsentschädigungen in Mio. Boni usw. die Gier der Banken ist das Übel. Wer darunter leidet sind diejenigen, die keine Schulden haben, denn Zinse gibt es schon gar nicht mehr, für das mit Arbeit ersparte Geld. Schweizer sind nicht alle Bänker, deshalb sollte man hier unterscheiden
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