Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweizer Löhne Wünsche der Gewerkschaften werden nicht erfüllt

Die Wirtschaft wächst dieses Jahr um fast drei Prozent. Die Gewerkschaften fordern, dass auch die Löhne deutlich zulegen. Doch dazu wird es nicht kommen.

Im Juni noch hatten die Ökonomen der Konjunktur-Forschungsstelle KOF der ETH Zürich erwartet, dass die Schweizer Wirtschaft dieses Jahr um 2,3 Prozent wächst. Heute revidierten sie die Prognose nach oben: Das BIP dürfte gar um 2,9 Prozent wachsen.

Auch andere Institute haben jüngst ihre Prognosen erhöht. Wenn die Wirtschaft derart zulegt, gilt das auch für die Löhne?

Legende: Video Daniel Lampart vom SGB fordert: Die Löhne müssen um 2.5 Prozent steigen. abspielen. Laufzeit 00:16 Minuten.
Aus News-Clip vom 03.10.2018.

Nein. Andreas Kühn führt mit seiner Firma know.ch Lohntendenz-Umfragen durch. Gemäss der neusten Prognose steigen die Löhne 2019 im Schnitt um 0.9 Prozent.

«In der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie wird die Erhöhung etwas stärker sein», sagt Kühn. Dasselbe gelte für die Informations-Technologie, den Gross- und Detailhandel sowie das Banken- und Versicherungswesen. Hingegen stiegen die Löhne etwa in der Medien- und Telekombranche weniger stark, so Kühn.

Wenn die Wirtschaft schwächelt, sinken Löhne auch nicht

Auch die Konjunkturforschungsstelle der ETH rechnet nicht damit, dass die Löhne so stark steigen wie das BIP. Der Grund laut KOF-Ökonom Michael Siegenthaler:

Legende: Video Michael Siegenthaler erklärt das verhältnismässig tiefe Lohnwachstum abspielen. Laufzeit 00:31 Minuten.
Aus News-Clip vom 03.10.2018.

«Wenn das BIP sinkt, sinken die Löhne auch nicht analog zur Wirtschaftsentwicklung». In solchen Phasen kämen Arbeitnehmer verhältnismässig gut weg, weil Arbeitgeber nicht flächendeckend Löhne senkten.

Dafür, so Siegenthaler, investierten Firmen während konjunkturell besseren Phasen oft zuerst in Maschinen oder Produktionskapazitäten. Und nicht in Lohnerhöhungen. «Über einen Konjunkturzyklus aber erhalten die Mitarbeiter ihren gerechten Anteil.»

Anders als etwa in den USA oder in Deutschland sei die Lohnquote in der Schweiz über die letzten 30 Jahre stabil. «Gesamthaft gehen die Löhne also mit der Wirtschaftsentwicklung», sagt Siegenthaler. Das heisse aber nicht, dass dies für jeden einzelnen Arbeitnehmer gelte.

Teuerung wird markant zunehmen

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund forderte jüngst Lohnerhöhungen von bis zu 2,5 Prozent. Dies auch deshalb, weil nach Jahren von tiefer oder negativer Teuerung dieses und kommendes Jahr die Teuerung wieder anzieht.

Tatsächlich werden Arbeitnehmende dies spüren, sagt KOF-Ökonom Siegenthaler: «Ihre Kaufkraft, also das, was sie mit ihrem Nominallohn an Gütern und Dienstleistungen einkaufen können, geht zurück». Entsprechend sei es jetzt nach längerer Zeit wieder nötig, die Nominallöhne zu erhöhen, wenn man die Kaufkraft konstant halten wolle.

Das KOF rechnet dieses Jahr mit einer Lohnsteigerung um 0,8 Prozent. Das reicht nicht, um die Teuerung auszugleichen. Und es reicht bei weitem nicht, um die Forderungen der Gewerkschaften zu erfüllen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von b. glaset (glaset)
    Man liest zwar in den letzten Wochen wie die Schweizer Wirtschaft brumme... nun die KMU merken meistens nicht viel davon, die Umsätze halten sich auf Vorjahresniveau, die Kosten steigen (Gebühren Billag usw), die Margen sanken auch nur. Wovon soll also der Durchschnittsunternehmer mehr Lohn bezahlen? In vielen Schweizer Unternehmen geht es nur noch darum, das Ueberleben des Unternehmens zu sichern und keine Leute zu entlassen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Edi Steinlin (Chäsli)
    Warum will die Wirtschaft diese Personenfreizügigkeit ? Weil sie so viel weniger Personal suchen muss. Sie kann ältere Arbeitsnehmer schicken und einen billigeren jungen Ausländer einstellen. Nimmt das Schweizervolk die Selbstbestimmungs-Initiative im November an, muss fortan jede Volksinitiative wortgetreu umgesetzt werden. Auch die linken wollen sie nicht annehmen. Als echte Volksvertreter, haben sie lieber ältere Arbeitslose auf der Strasse. Mit der direkten Demokratie liegt es an uns.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Urs Mäder (urs19)
    Warum werden die Krankenkassen-Prämien nicht in den Landesindex der Konsumentenpreise eingebaut? So betrügen sich die Schweiz selbst mit Minus-Teuerung und 5% Krankenkassen-Aufschlag. Damit spart die Wirtschaft viel Geld und die Mittel- und Unterschicht darf bluten. Dass dadurch die Kaufkraft schwindet verstehen die Oberschicht nicht. Da sind die Gewerkschaften und Linken gefordert endlich für Gerechtigkeit zu sorgen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
      @Mäder: Ich stimme Ihnen zu bis auf einen Punkt: Die Oberschicht, vorallem also die rechte, wirtschaftsliberale Politik von SVP und FDP, verstehen sehr wohl was läuft, sonst müsste ja an ihren kognitiven Fähigkeiten gezweifelt werden. Sie verstehen es sogar sehr gut und wissen, dass sie nur so die Gewinne und damit ihre eigenen Riesensalärä sichern können. Deshalb fahren sie auch eine Angstkampagne um die andere.Ich staune mehr, dass das Volk dies einfach nicht versteht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen