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Wirtschaft Schweizer sind reich – mit Einschränkungen

Die Schweizer besitzen weltweit am meisten Vermögen: Über 500‘000 Dollar pro Person im Durchschnitt. Doch die Zahl hat viele Tücken.

Die Schweizer bleiben das reichste Volk der Welt. Gemäss der Credit-Suisse-Studie «Global Wealth Report 2013» entfällt auf jeden Erwachsenen im Land ein Durchschnittsvermögen von 513‘000 Dollar. Das sind fast eine halbe Million Franken. Ein Wert, der aufhorchen lässt und für Verwirrung sorgt.

Zum Vermögen zählen die Studienautoren Finanzanlagen (inklusive Pensionskassenguthaben) sowie Immobilienbesitz oder andere reale Werte. Abgezogen werden die Schulden. Im letzten Jahr stieg das durchschnittliche Vermögen der Schweizer weiter an und übertraf erstmals die Schwelle von einer halben Million Dollar.

Durchschnittswert sagt wenig aus

Aber eben, es handelt sich dabei nur um einen für die realen Verhältnisse wenig aussagekräftigen Mittelwert: Das Total aller Vermögen in der Schweiz aufgeteilt auf die erwachsenen Personen im Land. Der hohe Betrag ist vor allem auf die wenigen sehr Reichen zurückzuführen. Nimmt man den Medianwert, so reduziert sich das Vermögen pro Erwachsenem auf schon eher nachvollziehbare knapp 96‘000 Dollar. Dieser Wert sagt aus, dass die Hälfte aller Schweizer mehr als dieses Vermögen besitzt und die andere Hälfte weniger. Er markiert sozusagen die Grenze zwischen dem reicheren und dem ärmeren Teil der Bevölkerung.

Legende: Video Reiche Schweizer abspielen. Laufzeit 00:53 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.10.2013.

Frankenkurs gibt kräftig Auftrieb

Auch der Anstieg des Schweizer Durchschnittsvermögens im letzten Jahr um sechs Prozent relativiert sich bei näherem Hinsehen: Über die Hälfte des Zuwachses ist nämlich auf den wieder erstarkten Franken gegenüber dem Dollar zurückzuführen, in welchem die Vermögen berechnet werden. Zusätzlich sorgten die steigenden Aktienkurse als Folge der lockeren Geldpolitik für Schub.

Auf die Berechnung kommt es an

Schliesslich spielt auch die Berechnungsmethode eine wesentliche Rolle dafür, welcher Vermögenswert am Schluss in einer Studie auftaucht. Das zeigt sich am Beispiel der Europäischen Zentralbank (EBZ), die im Frühling für Wirbel sorgte. Ihre Studie kam etwa für Spanien, Zypern oder Malta auf höhere Durchschnittsvermögen als für Deutschland.

Die EZB berechnete den Vermögenswert aber nicht pro Erwachsene sondern pro Haushalt. Das gab jenen Ländern Auftrieb, in denen noch viele junge Erwachsene bei den Eltern leben. In der CS-Studie rückt Deutschland dagegen wieder vor die Problemländer auf.

Vermögensschere nicht geschlossen

Die Zahlen der Credit Suisse zeigen zudem, dass sich im Vergleich mit den (wenigen) untersuchten Industrieländern einzig in der Schweiz die Vermögensschere nicht geschlossen hat. Die Vermögen seien heute nicht gerechter verteilt als in den letzten 100 Jahren, heisst es in der Studie.

Doch auch dabei kommt es auf die Berechnung an: Die wirtschaftsliberale Denkfabrik Avenir Suisse, Link öffnet in einem neuen Fenster kam kürzlich für die Vermögensverteilung zu einem viel schmeichelhafteren Befund für unser Land.

Australier auf Platz 2

Seit 2008 liegt die Schweiz in der Weltrangliste der Credit Suisse zu den Vermögen an der Spitze. Das Durchschnittsvermögen hat sich zwischen 2000 und 2011 mehr als verdoppelt. Aktuell liegt es bei 513'000 Dollar. Die nächstgrössten Vermögen besitzen die Australier (403'000 Dollar), die Norweger (380'000) sowie die Luxemburger (315'000).

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15 Kommentare

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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Es wird nur investiert, wenn sich damit das investierte Geld nach dem Zinseszinsprinzip vermeheren lässt. D.h. eine exponentielle Vermögensvermehrung ist Voraussetzung, dass die Wirtschaft funktioniert. D.h., die Reichen müssen immer reicher werden können! Ein Wirtschaftssystem, welches auf Dauer nicht funktionieren kann! Die Rahmenbedingungen müssen geändert werden, dass sich investieren auch dann lohnt, wenn sich damit kein Geld verdienen läss! Das will die Freiwirtschaft erreichen.
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    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @H. Bernoulli: Ihr genanntes Ziel, die Freiwirtschaft wird kaum verwriklicht. Wiso? Ganz einfach: Die Staaten lassen es nicht zu. Die reduzieren Ihre Defizite durch die Notenpresse (Inflation) Das Volk kümmerte die Regierenden noch nie besonders stark. Solange es keine Unruhen und Aufstände gibt, ist doch alles in Butter. Schon die Römer sagten: Brot und Spiele. Heute sagt man: Wann sind die nächsten Weltmeisterschaften??
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    2. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      @ H. Girschweiler: Ich gehe schon davon aus, dass irgend wann die Menschen begreifen werden, dass die Möglichkeit der Geldvermehrung nach dem Zinseszinsprinzip niemals Voraussetzung sein darf, dass überhaupt investiert wird. Es wird wohl irgend wann begriffen werden, was dies bedeutet, nämlich, dass dann die Wirtschaft wie ein Schneeballsystem funktioniert: es sind immer mehr neue Investitionen bzw. Schulden nötig, um die immer höheren Kapitalerträge zu finanzieren - bis zum Kollaps.
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    3. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      @ H. Girschweller: die Frage ist, wie lange die Menschen die schmerzhafte Erfahrung machen wollen, dass Geldverdienen mit Geld niemals Voraussetzung für wirtschaftliche Tätigkeit sein darf - sondern höchstens Folge einer erfolgreichen wirtschaftlichen Tätigkeit. D.h. die Ersparnisse/Liquiditätsreserven müssen je nach Konjunktur auch dann investiert werden, wenn keine Aussicht auf Geldverdienen mit Geld besteht - weil das Nicht-Investieren etwas kostet (heute: nominell 0% Mindestzinsgarantie!)
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Die CH wie die USA sind Länder mit dem höchsten Gini-Koeffizient (>80!), d.h. mit der grössten Ungleichverteilung. In der CH besitzen 2% über 50% des Volkvermögen, in den USA 10% über 60%. Alles auch eine Frage der Berchnungsmethode, aber trotzdem brauchbare Werte. Die weltweite Vermögensverteilung ist eine Katastrophe. Die USA mit 5.5% der Weltbev.besitzen 32% des Weltvermögen (d.h.10%der Amerikaner besitzen knapp 20% des Weltvermögen).
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Duran/Meier, es reicht eine Eigentumswohnung oder ein kleines Häuschen, und das Vermögen ist da, und es wird als solches berechnet, selbst mit einer Hypo drauf.
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