Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweizer Start-up-Szene Frauen geben immer häufiger den Ton an

Legende: Video Frauen starten durch abspielen. Laufzeit 02:58 Minuten.
Aus 10vor10 vom 05.09.2018.

Hierzulande mangelt es nicht an Erfindungskraft. Seit mehreren Jahren belegt die Schweiz den Spitzenplatz in der Rangliste der innovativsten Länder, dem Global Innovation Index. Dass dies auch vielen Erfinderinnen zu verdanken ist, zeigt ein Blick auf die Schweizer Start-up-Szene, die sich am Mittwochabend in Zürich zu einer Preisverleihung traf.

Noch nie so viele Frauen

Der Unternehmensförderer Venturelab kürte die vielversprechendsten Jungunternehmen. Und diese werden immer weiblicher. Bei sechs der zehn bestplatzierten Start-ups sind Frauen mit dabei. Noch klarer wird dies bei den Bestplatzierten: Bei allen drei Firmen auf dem Podest sind Frauen im Gründungsteam. Noch nie standen so viele nominierte Frauen auf der Bühne wie gestern Abend.

Zu den Favoriten an der Preisverleihung gehörte auch die Unternehmerin Dorina Thiess, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Tiermedizin zu digitalisieren. Schliesslich ergatterte sie sich mit ihrer Firma Piavita den sechsten Rang.

Legende: Video «Wir zeigen einfach, was wir können» abspielen. Laufzeit 00:33 Minuten.
Aus News-Clip vom 06.09.2018.

Start-ups scheinen ein freundlicheres Umfeld für Frauen zu bieten als traditionelle Konzerne. Thiess jedenfalls glaubt, dass sich die flacheren Hierarchien in solchen Unternehmen positiv auswirken: «Wir sind nicht so sehr davon abhängig, uns erst einmal durch ein paar Hierarchiestufen durchzukämpfen.» So sei die Wahrscheinlichkeit geringer, jemandem gegenüber zu stehen, der doch Vorbehalte gegenüber Frauen in Führungspositionen hat.

Start-ups werden weiblicher

Piavita stellt Messgeräte für Pferde her, die mit Hilfe eines Gürtels um das Tier geschnallt werden und im Stande sind, den Puls oder die Körpertemperatur zu messen. Den Tierärzten, welche noch häufig mit Stethoskop und Klemmbrett arbeiten, erlaubt dies, die Tiere über eine App aus der Ferne zu überwachen.

Bislang ist Piavita im deutschen Sprachraum tätig. Bald soll die Expansion in die USA erfolgen. Dazu hat das Medtech-Unternehmen Anfang Jahr fünf Millionen Schweizer Franken gesammelt.

Legende: Video «Wir hatten paar solche Momente» abspielen. Laufzeit 00:21 Minuten.
Aus News-Clip vom 06.09.2018.

Bei manchen Kapitalgebern scheinen Vorurteile in Sachen Geschlecht noch nicht ganz aus dem Weg geräumt zu sein, wie Thiess sagt: «Wir hatten am Anfang schon ein paar Momente mit Business Angels, älteren Herrschaften aus einer anderen Generation.» Grundsätzlich aber sei es kein Problem: «Ich muss auch sagen, dass ich ganz gegenteilige Erfahrungen gemacht habe. Wir können für uns behaupten, dass unsere Investoren, der Verwaltungsrat und alle, die uns bisher unterstützt haben, enorm offen waren.»

Schweizer Start-ups werden zwar weiblicher, doch bei der Führung besteht ein Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern. In lediglich 28 der besten 100 Jungfirmen sind Frauen an der Führungsspitze vertreten. Als Unternehmerin ist Dorina Thiess also noch immer in der Unterzahl. Immerhin ist diese Zahl deutlich höher als bei etablierten Firmen. Von diesen beschäftigen nur gerade 23 Prozent Frauen im Topmanagement.

Balkendiagramm zum Frauenanteil im Management
Legende: SRF

Erfolg mit Signalwirkung

Experte rund um das Thema Frauen und Wirtschaft ist der Headhunter Guido Schilling, der auch Zahlen dazu erhebt. Der Frauenanteil in hiesigen Start-ups verbessere sich zwar, doch im Vergleich stehe die Schweiz schlecht da: «Im europäischen Ausland gibt es eine viel grössere Tradition von Frauen im Management.»

Legende: Video «Im Ausland gibt es eine viel grössere Tradition von Frauen im Management» abspielen. Laufzeit 01:13 Minuten.
Aus News-Clip vom 06.09.2018.

Die Schweiz hat also noch viel Nachholbedarf. Laut Schilling haben die Unternehmerinnen, die am Mittwoch auf dem Podest standen, ein Zeichen gesetzt: «Ich bin sehr zuversichtlich, dass der Erfolg, den die drei Gründerinnen jetzt haben, kein Einzelfall ist, sondern dass es eine Signalwirkung auf etablierte Unternehmen gibt.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Allen die da jubilieren, wenn sich Sektoren 'verweiblichen' heisst das immer ähnlich wie noch heute im Sprachgebrauch, wo ein Suffix eine semantische Abwertung zu bedeutet, dass auch diese Sektoren abgewertet werden. Machen wir uns nichts vor, die ‚vermeintliche‘ Freiheit, ist an einem kleinen Ort, wenn sie nicht verteidigt wird, denn die Entwicklungsarbeit dürfen die Jungs und auch die Mädels, wie nett, machen um dann korpokratisch annektiert zu werden. Ich weiss für einige das ultimative Ding.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Diese Meldung toent wie ein "Erstaunen" ueber den fact, dass Frauen auch Faehigkeiten haben.. aber die haben wirklich und nicht erst seit gestern... Einewaegs ein Kompliment das dieser Fact wahrgenommen wurde.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Oft 'Orte' wo die Zitrone gleich doppelt ausgepresst wird. Selbstausbeutung darauf verstehen sich Frauen. Flexibel, anpassungsfähig ist sie sozusagen von der Wiege aus. Denn wie würde sonst der ganze Carebereich nur einigermassen gemanagt werden können, dies erst noch ohne soziale und monetäre Anerkennung? Eine Selbtständigkeit, die zu weiterem Druck auf die Löhne und die Arbeitsbedingungen schafft. Wenn möglich ganz ohne Sozialversicherungsnetz. Vogelfrei sozusagen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Jedermann und jede Frau "wird sich gleich doppelt auspressen" lassen für eine Idee. Und ja, bei einigen geht's schief, andere oder eher einige wenige sind auch wirklich erfolgreich. Alle tun's aber freiwillig und leben sogar für ihre Idee.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen