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Wirtschaft Schweizer Universitäten uneins über Online-Vorlesungen

Renommierte Universitäten bieten ihre Vorlesungen im Internet kostenlos an. Deutschschweizer Universitäten stehen dem Trend der sogenannten Moocs aus den USA eher skeptisch gegenüber. In erster Linie Westschweizer Universitäten wollen dem möglichen Erfolg nicht hinterherhinken.

Pierre-Yves Gilliéron durch die Kamera gesehen
Legende: Keine Studenten, dafür eine Kamera: Pierre-Yves Gilliéron zeichnet eine Online-Vorlesung auf. SRF

Anstatt vor einigen hundert Studierenden im Hörsaal zu referieren, spricht Pierre-Yves Gilliéron in eine Kamera und erreicht damit das Tausendfache an Studenten auf der ganzen Welt. Der Professor der Ecole Polytechnique Fédérale Lausanne EPFL nimmt einen Vortrag über Vermessungstechnik auf, der anschliessend ins Internet gestellt wird. 25 Vorlesungen, sogenannte Moocs, hat die EPFL bislang produziert. Sie war die erste Universität, die in Europa auf den Trend aufgesprungen ist. Moocs steht für «Massive open online courses» – kostenlose Vorlesungen für jedermann im Internet. Die EPFL hat damit nach eigenen Angaben bereits mehr als 300‘000 Studenten erreicht.

Yale-Vorlesungen für alle

«Keiner weiss wirklich, wohin das geht», sagt EPFL-Vize Karl Aberer gegenüber dem Wirtschaftsmagazin «ECO». «Aber für uns ist es wichtig, dabei zu sein und nicht erst in einem zweiten Schritt zu reagieren, wenn alles schon entschieden ist.»

Legende: Video Karl Aberer über die Motivation der EPFL, Moocs anzubieten abspielen. Laufzeit 01:34 Minuten.
Aus ECO vom 13.01.2014.

Dabeisein beim Trend aus den USA, wo etwa Star-Akademiker wie der aktuelle Wirtschaftsnobelpreisträger und Yale-Professor Robert Shiller ihr Wissen gratis via Moocs im Internet vermitteln.

Die meisten Moocs werden durch Coursera im kalifornischen Stanford vertrieben. Vor zwei Jahren von den beiden Stanford-Professoren Daphne Koller und Andrew Ng gegründet, sind die Nutzerzahlen ähnlich schnell gewachsen wie die von Google und Twitter in der Anfangsphase. Coursera hat sich vom kleinen Forschungsprojekt in den letzten zwei Jahren zu einem Unternehmen mit 70 Angestellten und über hundert Partneruniversitäten entwickelt.

Laut Andrew Ng befinde sich Coursera immer noch im Anfangsstadium, und trotzdem habe man mit kostenpflichtigen Zertifikaten im vergangenen Jahr bereits über eine Million Dollar Umsatz gemacht. Die Kurse blieben aber alle kostenlos. Man habe genügend Kapital und auch genügend Zeit, um nun nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln, glaubt Andrew Ng.

Rund um den Globus verfolgen annähernd sechs Millionen Studenten Moocs von Coursera. Einen Masterabschluss kann man via Moocs noch nicht erlangen. Die Kurs-Zertifikate würden sich aber in jedem Lebenslauf gut machen, ist Andrew Ng überzeugt.

Lausanne und Genf aktiv, Neuenburg und Lugano in Entscheidung

Neben der EPFL setzen in der Schweiz vor allem Universitäten aus der Romandie auf Moocs. Die Universität Genf bietet aktuell fünf Kurse an, darunter etwa «International Organization Management» oder einen Kurs über die «Vielfalt von Exoplaneten». An den ersten drei Kursen haben nach Angaben der Universität Genf insgesamt 80‘000 Studenten teilgenommen. Aufgrund des Erfolgs sind sechs weitere Kurse geplant.

Neu will ab September 2014 auch die Universität Lausanne Vorlesungen ins Internet stellen. Und auch die Universität Neuenburg überlegt sich derzeit, mit Moocs zu starten. An der Universität der italienischsprachigen Schweiz in Lugano will man sich bis Ende Januar entscheiden, ob man mit einem einjährigen Pilotprojekt starten will.

Deutschschweizer Universitäten zeigen sich zurückhaltend. Die Universitäten Basel, Bern, Freiburg und Luzern bieten keine Moocs an. Die Universität Zürich und die Eidgenössische Technische Hochschule ETH bieten vereinzelt Moocs an.

Dieter Euler, Professor der Universität St. Gallen, beurteilt das Geschäftsmodel der Firmen, die Moocs vertreiben, als «nicht sehr stabil». Trotzdem will die Universität St. Gallen ab Frühling 2014 ebenfalls Moocs anbieten.

Wie Betrug am PC verhindern?

Wie «Die Zeit» schreibt, geht ein Prüfling für die kostenpflichtigen zertifizierten Prüfungen in ein Testcenter, wo er unter Aufsicht am PC sitzt. Die Firma Coursera bietet auch Prüfungen für zu Hause an, inklusive Identifikation über die PC-Kamera mit Ausweis und Foto. Zudem können die Tester feststellen, welche Fenster nebenbei geöffnet sind.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert, Bern
    Miserable Vorlesungen gibt das. Reale Vorlesung mit Prof & Studierenden im gleichen Raum gibt die Möglichkeit von Fragen, Antworten. Profs merken, wenn was nicht verstanden wird, etc. Via Video geht das alles verloren. Statt Video kann ich gleich ein Hörbuch kaufen.
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  • Kommentar von René Kröni, Fahrwangen
    die Idee finde ich grundsätzlich gut, sofern man am Video nicht einschläft. Jedoch bin ich mir nicht sicher, ob jeder die notwendige Selbstdisziplin hat auf diese Weise zu lernen. Meine Erfahrung zeigt, dass sehr viele sich ohne den Tritt in den Hintern nicht bewegen und sich selber keine Struktur zum Lernen geben können.
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  • Kommentar von Ueli Gisiger, Lyss
    Konkrete Zahlen solcher Kurse z.B. EdX Kurs: Ideas of the 20th Century Total enrollment: 32,638 Number of students completing at least 1% of the coursework: 5,035 Number of student completing at least 10% of the coursework: 1,668 Number of students attempting at least one of the 3 graded essays: 563 Number of students receiving the certificate: 1,003
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