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Service Public in der Schweiz «Der Bund soll die Swisscom nicht nur als Cashcow anschauen»

Legende: Audio Christian Capacoel: «Bei so viel Gewinn ist jede abgebaute Stelle eine zu viel» abspielen. Laufzeit 03:59 Minuten.
03:59 min, aus SRF 4 News aktuell vom 07.02.2018.

Die Swisscom hat angekündigt, auch in diesem Jahr Stellen abzubauen. Bis Ende Jahr sollen es rund 700 sein. Als Grund nennt sie den Spardruck. Bei der Gewerkschaft Syndicom, die die Swisscom-Mitarbeitenden vertritt, kommt diese Ankündigung nicht gut an, schon gar nicht angesichts des Reingewinns von 1,6 Milliarden Franken.

SRF News: Was sagen Sie zum angekündigten Abbau von rund 700 Stellen bis Ende Jahr?

Christian Capacoel: Bei diesem Gewinn ist jede Stelle, die abgebaut wird, eine Stelle zu viel. Aus unserer Sicht sind es zwei Faktoren, die dazu führen. Einerseits bewegt sich die Swisscom in einem hart umkämpften Markt. Andererseits sind die Gewinn- und Sparerwartungen, die der Bund der Swisscom vorgibt, in den letzten Jahren gestiegen.

Bei diesem Gewinn ist jede Stelle, die abgebaut wird, eine Stelle zu viel.

Da hat der Bund etwas in der Hand, um die Lage der Swisscom und den Swisscom-Mitarbeitenden zu erleichtern.

Christian Capacoel

Capacoel ist Leiter der Kommunikation bei der Gewerkschaft Syndicom und Mitglied der Geschäftsleitung.

Was würden Sie sich konkret vom Bund als Hauptaktionärin der Swisscom wünschen?

Er soll die Swisscom nicht nur als Cashcow anschauen, sondern als Firma, die eine wichtige Funktion in der Schweiz hat.

Sparmassnahmen – die in diesem Ausmass unnötig sind – durchzusetzen, ist kontraproduktiv für die Schweizer Volkswirtschaft.

Sie treibt die Infrastruktur voran und ist ein Werbeträger für den Service Public. Hier Sparmassnahmen, die in diesem Ausmass unnötig sind, durchzusetzen, ist kontraproduktiv für die Schweizer Volkswirtschaft. Diese ist auf hohe Investitionen angewiesen, insbesondere ins Glasfasernetz, aber auch bei den Mitarbeitenden. Sie sorgen dafür, dass die hohe Qualität und das gute Image der Swisscom erhalten bleibt.

Die Swisscom hat das Sparziel auf 100 Millionen pro Jahr erhöht. Folglich wird auch der Stellenabbau weitergehen. Ist keine Trendwende in Sicht?

Nein. Genau deshalb steht der Bund auch in der Verantwortung. Er muss die Schraube lockern, er hat es in der Hand. Man muss aber auch sehen, dass – wenn immer weniger Mitarbeitende immer mehr Gewinn machen müssen – der Druck steigt und die Fehlerquote damit auch steigen könnte. Das wäre am Ende kontraproduktiv.

Gibt es Anzeichen, dass die jüngsten Zwischenfälle bei der Swisscom Anfang Jahr auf allenfalls zu hohen Druck bei den Mitarbeitenden zurückzuführen ist?

Konkrete Hinweise haben wir nicht, aber man weiss natürlich, dass dort, wo weniger Leute arbeiten und die gleiche Arbeit machen müssen, die Fehlerquote steigen kann. Als Leitung würde ich mir gut überlegen, wie viele Stellen ich abbauen will.

Von aussen sieht es so aus, als ob die Swisscom ihre Aufgaben erfüllen kann. Sehen Sie das auch so?

Das Potential ist da, dass die Swisscom ihren Auftrag noch besser erfüllen kann. Wenn die Luft durch den Spardruck des Bundes weniger dünn wäre für die Swisscom, könnte sie es noch besser machen.

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