Shell stoppt Ölbohrungen vor Alaska

Der Ölkonzern Shell gibt seine umstrittenen Ölbohrungen vor der Küste Alaskas wegen zu hoher Kosten auf. Auch unwägbare Umweltauflagen sollen zum Entscheid beigetragen haben. Der Bohr-Stopp zwingt Shell zu einer Abschreibung von gut vier Milliarden Dollar.

Protestierende halten Schilder, die das Shell-Logo als Totenkopf zeigen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Gegen die Bohrungen hatte es in Alaska heftige Proteste gegeben. Reuters

Der britisch-niederländische Ölkonzern Shell will vor der Küste Alaskas nicht länger nach Öl und Gas bohren. Die bisherigen Funde in der Tschuktschensee zwischen Russland und dem US-Bundesstaat reichten für weitere Bohrungen nicht aus, teilte das Unternehmen in London mit: «Die Quelle wird versiegelt und verlassen», heisst es in der Mitteilung. Weitere Bohrungen seien dort in absehbarer Zukunft nicht geplant.

Hohe Kosten und unwägbare Umweltauflagen der Regierung wurden als weitere Gründe für den Schritt genannt. Deshalb werde eine Abschreibung im Wert von etwa 4,1 Milliarden Dollar notwendig, teilt der Konzern mit.

Freude bei Umweltschützern

Allerdings will Shell vorerst noch nichts von einem totalen Rückzug aus der Nordpolregion wissen. So besitzt Shell die Bewilligung für Probebohrungen in einem anderen Gebiet, die erst 2019 ausläuft. Alaska bleibe ein «strategisch wichtiges Gebiet mit viel Potenzial», hiess vom Konzern denn auch.

Trotzdem begrüssten Umweltschützer den Entschluss der Ölfirma. «Shells Entscheidung zeigt, dass Ölbohrungen in der Arktis nicht nur klimapolitisch, sondern auch ökonomisch keinen Sinn ergeben», sagte eine Arktis-Expertin von Greenpeace. Shells Rückzug sei ein Signal an andere Ölkonzerne, «die Finger von der Arktis zu lassen».

Kritik von Umweltschützern und Hillary Clinton

Die Ölbohrungen waren von Umweltschützern scharf kritisiert worden, weil sie negative Folgen für die Tierwelt in der Arktis fürchten. Ungeachtet der Proteste erlaubte US-Präsident Barack Obama Shell im Mai aber unter Auflagen Öl- und Gasbohrungen in der Arktis.

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton allerdings sprach sich Mitte August dagegen aus. Sie nannte die Arktis einen «einzigartigen Schatz» – das Risiko der Bohrungen sei zu gross.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Wettlauf um die Arktis

    Aus 10vor10 vom 1.9.2015

    Die Ausbeutung der Ressourcen in der Arktis ist an der diesjährigen Glacier Konferenz ein grosses Thema. Vor zwei Wochen hat US-Präsident Obama Shell die definitive Erlaubnis erteilt, dort nach Öl zu bohren. Die 10vor10 Reportage zeigt, was dies für die betroffene Gegend heisst.

  • Umweltorganisationen protestieren gegen Ölbohrungen in Alaska

    Aus Tagesschau vom 23.8.2015

    US-Präsident Barak Obama erlaubt dem Ölkonzern Shell in Alaska nach Öl zu bohren. Umweltschützer zeigen sich enttäuscht von Obama, der noch vor kurzem angekündigt hatte gegen den Klimawandel zu kämpfen. Sie warnen vor Unglücken wie demjenigen im Golf von Mexiko 2010.