Zum Inhalt springen

Header

Hälg spricht auf einem gelben Podium mit Sika-Logo, im Saal sitzen die Aktionäre.
Legende: Verwaltungsratspräsident Paul Hälg hat sich vorerst durchgesetzt. Keystone
Inhalt

Wirtschaft «Sika hat einen juristischen Totalschaden erlitten»

An der Generalversammlung hat sich der Sika-Verwaltungsrat durchgesetzt: Die Stimmrechtsaktien der Gründerfamilie Burkard wurden beschränkt, ein Verkauf vorerst blockiert. Doch: «Man kann nicht während einem laufenden Spiel die Regeln ändern», sagt Wirtschaftsprofessor Peter V. Kunz.

SRF: Wie stehen die Chancen der Sika-Gründerfamilie, die Entscheide der Generalversammlung anzufechten?

Peter V. Kunz: Die Rechtslage ist sehr verwirrend. Auch habe ich die Taktik der Sika-Rechtsanwälte nicht ganz verstanden. Die Einschränkungen [beim Stimmrecht der Gründerfamilie, Anm.d.Red.], die man da vorgenommen hat, haben doch recht willkürlich gewirkt. Sika hat bei der GV am Dienstag selbstverschuldet einen juristischen Totalschaden erlitten. Es ist absehbar, dass es nun zu gerichtlichen Auseinandersetzungen kommt. Dabei liegen die juristischen Argumente wohl eher auf der Seite der Familienaktionäre. Denn man kann nicht während einem laufenden Spiel die Regeln ändern, die seit Jahrzehnten gelten. Insofern glaube ich an einen gerichtlichen Erfolg der Familie Burkhard, aber nicht, dass man über Jahre hinweg prozessieren wird. Denn dies wäre für beide Seiten schlecht, es gäbe nur Verlierer. Viel eher wird man das Schaulaufen für die Medien jetzt noch eine Weile fortführen, sich aber im Spätsommer oder Herbst auf einen Kompromiss verständigen.

Das Hickhack bei Sika war ja nur möglich, weil die Aktien der Gründerfamilie mehr Stimmrechte haben als jene der übrigen Aktionäre. Müsste man nicht das Aktienrecht anpassen um solche Fälle in Zukunft zu verhindern?

Audio
«Man wird sich auf einen Kompromiss verständigen»
02:48 min, aus HeuteMorgen vom 15.04.2015.
abspielen. Laufzeit 02:48 Minuten.

Man muss klar und deutlich sagen: Das schweizerische Aktienrecht ist ein klassisches Heimatschutzrecht. International stehen wir da ein bisschen im Abseits. Es ist aber nicht eine Frage von richtig und falsch, sondern eine Frage des politischen Willens, ob man dies ändern möchte. Man kann das sehr einfach tun. Im Übrigen ist derzeit eine Aktienrechtsrevision pendent. Die Stimmrechtsaktion könnten also ohne weiteres abgeschafft werden. Die Schweiz hat jedoch die Tradition, dass man gerade Anker-Aktionäre – also Familienaktionäre – gut behandelt. Dies in der Hoffnung, dass diese gute Behandlung auf der anderen Seite auch zurückgegeben wird. Bei Sika nun haben sich die Minderheitsaktionäre enttäuscht gezeigt. Wie gesagt, könnte man das Gesetz ändern. Doch nachdem ich gestern die diversen Voten von Politikern an der Sika-Generalversammlung gehört habe, zweifle ich etwas am politischen Willen das zu tun. Ich persönlich denke, es wäre sinnvoll, sowohl die Stimmrechtsaktien im Aktienrecht als auch die Opting-Out-Möglichkeit [damit entfällt die Pflicht zu einem öffentlichen Kaufangebot, Anm.d.R. ] im Börsenrecht abzuschaffen. Ich nehme aber an, in der Schweiz wird dies nicht passieren.

Das Gespräch führte Barbara Peter.

Peter V. Kunz

Box aufklappen Box zuklappen
Peter V. Kunz
Legende: reuters

Peter V. Kunz ist Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern. Er ist Spezialist für Aktienrecht.

GV wendet Verkauf vorerst ab

Box aufklappen Box zuklappen
GV wendet Verkauf vorerst ab

Bei Sika bleibt vorerst alles beim Alten. Der Verwaltungsrat hat die Stimmrechte der Erben an der gestrigen Generalversammlung in wichtigen Punkten beschränkt und so einen Verkauf vorläufig blockiert. Nun dürften die Gerichte entscheiden.

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Michael Ende , Zürich
    Wo sind den da die Wettbewerbskommission, die Kartellkommission, das Bundesgericht, das Kartellgesetz und der Bundesrat, der für einmal Rückgrat für die Schweiz zeigen sollte, als dauernd Positionen des Auslandes zu vertreten. Schluss mit den feindlichen Übernahmen. Es jetzt Zeit, die Politik zu ändern. Die nächsten Wahlen kommen bestimmt !
  • Kommentar von Michael Ende , Zürich
    Es wäre an der Zeit, dass Peter V. Kunz versteht, dass es hier nicht um juristische, sondern um politische Fragen geht. Er sollte endlich zur Kenntnis nehmen, das nicht die Juristen die Politik bestimmen, sondern das Schweizer Volk. Das Schweizer Volk hat dem Bundesrat klar den Auftraq gegeben im Interesse des Schweizer Volkes zu handeln. Der Bundesrat hat mit seinem Schweigen einmal mehr Führungsschwäche gezeigt. Selbstverständlich müssen die Gesetze jetzt politisch geändert werden !
  • Kommentar von René Seiler , Wetzikon
    Warum soll man die Stimmrechtsaktien abschaffen? Kein Unternehmen ist gezwungen Stimmrechtsaktien einzuführen oder zu haben. Die Flexibilität "zu haben" oder "nicht zu haben" ist doch positiv für die Unternehmen. Es geht hier schliesslich nicht nur um internationale Konzerne und die Börse. Auch KMU können Aktiengesellschaften sein.