Sind die fetten Jahre für die Pensionskassen vorbei?

Für die Pensionskassen ist das Jahr 2015 ein Verlustgeschäft. Die Negativzinsen der Nationalbank und die stockenden Aktienmärkte führen zu deutlich tieferen Renditen. Stabilisierungsmassnahmen sind in Zukunft nicht zu umgehen.

Ein älterer Herr stützt sich an einem Geländer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Noch verfügen die Pensionskassen über zufriedenstellende Deckungsgrade. Keystone

Unerfreuliche Weihnachtspost von der Pensionskasse erhielt kürzlich der pensionierte Ökonom und Publizist Beat Kappeler. Sie teilte ihm mit, dass er dieses Jahr keinen Bonus erhalten werde. «Früher hat die Pensionskasse mehr erwirtschaftet, als der Bundesrat sie verpflichtet gutzuschreiben. Nun reicht es offenbar nicht mehr.»

Denn seine Pensionskasse erzielte eine vergleichsweise mickrige Rendite. Deshalb kann sie ihre Versicherten nicht mit Zusatzzahlungen verwöhnen – wie die meisten anderen Kassen. Der Direktor des Pensionskassen-Verbandes ASIP, Hans-Peter Konrad, spricht denn auch von einem durchzogenen Jahresresultat. «Wir gehen davon aus, dass sich die Jahresperformance zwischen 0 und 1,5 Prozent bewegen wird», prognostiziert Konrad. Ein Verlustgeschäft. Denn die Kassen müssen ihren Versicherten mindestens 1,75 Prozent Zins gutschreiben. Erwirtschaften sie weniger als diesen gesetzlichen Mindestzins, müssen sie die Differenz aus den Reserven begleichen.

Komfortable Polster vorhanden

Immerhin: Dank den Börsenboom-Jahren 2012 bis 2014 verfügen die meisten über komfortable Polster. Im Pensionskassen-Jargon spricht man von einem Deckungsgrad von mehr als 100 Prozent. «Die Deckungsgrade werden etwas zurückgehen, aber aufgrund der guten vergangenen Jahre wird das Resultat insgesamt nicht so dramatisch ausfallen», sagt Konrad.

Anfang Jahr tönte es noch anders. Einige Pensionskassen protestierten lautstark, als die Nationalbank den Mindestkurs abschaffte und die Negativzinsen auf minus 0,75 Prozent runterschraubte. Sie drohten sogar, sie würden ihre Gelder von den Banken abziehen und sie selber bunkern, um die Negativzinsen zu umgehen. Das war vor allem heisse Luft, stellt ASIP-Direktor Konrad fest: «Dass man sich in einigen Pensionskassen gewisse Gedanken macht, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber letztlich gehen wir zurzeit nicht davon aus, dass viele Pensionskassen dieses Bargeld horten.»

Stabilisierungsmassnahmen notwendig

Sie probieren stattdessen, mit den Vorsorgegeldern Erträge zu erwirtschaften. Nur so können sie später ihren Pensionierten die versprochenen Renten auszahlen. Für 2016 schreibt ihnen der Bundesrat noch einen Mindestzins von 1,25 Prozent vor. Ökonom Beat Kappeler ärgert sich: «Stossend ist natürlich die Tatsache, dass der Bundesrat in seiner Weisheit 14 Monate vor Schluss des nächsten Jahres weiss, wie hoch die Altersguthaben zu verzinsen sind. Ich würde dieses Spiel umkehren.» Man sollte dies nachher festlegen oder aber überhaupt in der zweiten Säule auf Sätze aller Art verzichten, schlägt Kappeler vor.

Denn auch ein Mindestzins von bescheidenen 1,25 Prozent muss zuerst einmal erwirtschaftet werden – was in Zeiten von Negativzinsen und bereits sehr hohen Aktienkursen und Immobilienpreisen gar nicht so einfach sein dürfte, meint Beat Kappeler. Deshalb ist er froh, dass die Pensionskassen 2012 bis 2014 gut verdient haben. So haben sie Reserven aufgebaut und sind gegen mögliche Rückschläge wie in diesem Jahr einigermassen gewappnet. Doch klar ist auch: Die zweite Säule braucht mittelfristig Stabilisierungsmassnahmen. Das Parlament wird solche nächstes Jahr unter dem Titel «Altersvorsorge 2020» beraten.