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Wirtschaft Sinnsuche im Büro

Es gibt zahlreiche Faktoren, die uns am Arbeitsplatz gut tun oder uns schaden. Unter dem Strich muss es dem Menschen gelingen, in seinem Job Sinn zu erkennen – so der Arbeitspsychologe Theo Wehner. Nur dann kann er ihn mit Zufriedenheit ausüben. Unternehmen sollten daran ein Interesse haben.

Blauer Gang mit Personen.
Legende: Den eigenen Job für sinnvoll halten. Wem das nicht gelingt, der hat es schwer mit der Arbeitszufriedenheit. Colourbox

«Ich höre etwa bei Menschen, die ich in der Freiwilligenarbeit interviewe: Wissen Sie, für mich ergibt das hier Sinn. Und wenn es das nicht mehr wäre, dann würde ich es aufgeben», sagt Theo Wehner. Der emeritierte Professor für Arbeitspsychologie der ETH Zürich untersucht seit Jahrzehnten, wie Arbeit auf das Individuum einwirkt. In der Freiwilligenarbeit, die der Einzelne ja ohne Bezahlung verrichtet, zeigt sich in seinen Augen die Essenz der Arbeitens: Es erfüllt uns dann, wenn es sinnvoll erscheint.

Nicht zufällig sind Angestellte in der Life-Science- und Pharma-Branche am zufriedensten (88 Prozent). Das zeigt eine aktuelle EY-Studie, für die 1000 Arbeitnehmer in der Schweiz befragt wurden. Die Gesellschaft ist sich darin einig, dass es gut ist, die Gesundheit zu erhalten. Daher finden die Pharma-Angestellten laut Theo Wehner Sinn in ihrem Tun.

Legende: Video «Theo Wehner über den Sinn des Sinnfindens» abspielen. Laufzeit 4:07 Minuten.
Vom 25.04.2016.

Dagegen bezeichnet sich in der Finanzbranche nur jeder Dritte als zufrieden (33 Prozent). Im Jonglieren mit Zahlen Sinn zu erkennen, scheint keine einfache Aufgabe. Kompensiert wird das in der Branche mit Geld: mit hohen Löhnen und zusätzlichen Boni. Ein hoher Lohn aber wird auf die Frage, was am meisten motiviert, erst an vierter Stelle genannt – nach einem guten Verhältnis zu den Kollegen, einer spannenden Tätigkeit und günstigen Arbeitszeiten.

Schweizer Arbeitnehmer zufrieden, aber resigniert

«Sinn ist sicher die am grössten vernachlässigte Kategorie», sagt Theo Wehner, «Ich höre in der Arbeitswelt häufig im mittleren Alter: ‹Ach, zufrieden kann man hier schon sein›. Das ist aber schon resignativ.» Dies sei auffallend in der Schweiz. Zwar bezeichnen sich in Umfragen regelmässig 90 Prozent der Arbeitnehmer als «zufrieden» oder «eher zufrieden» mit ihrer Arbeit. Viele hätten aber das Gefühl, nichts an ihrer Situation ändern zu können – und sind so nicht wirklich zufrieden und letztlich kein produktiver Gewinn für das Unternehmen.

Wichtig sei zu wissen, dass man den Sinn in einer Sache selbst finden müsse. «Dafür finden Sie keinen Stellvertreter», sagt Theo Wehner. «Das Human-Resources-Management wird keine Beiträge zur Sinnsuche bei den Mitarbeitern leisten können. Sie können die Bedingungen beeinflussen, sie können an den Belastungsmomenten arbeiten – das sollten sie viel stärker tun –, aber die Sinnkonstruktion müssen sie dem Einzelnen überlassen.»

Allerdings ist das kein leichtes Unterfangen in unserer arbeitsteiligen Gesellschaft. Sinn zu finden in einem kleinteiligen Bereich sei schwierig. Je ganzheitlicher eine Aufgabe ist, desto eher empfinden wir sie als sinnvoll. Ärzte etwa finden ihren Beruf häufig bereichernd, weil sie die Patienten von der Diagnose über die Behandlung bis zur Genesung begleiten.

Legende: Video ««ECO»-Serie zur Arbeitszufriedenheit – der Trailer» abspielen. Laufzeit 0:30 Minuten.
Vom 25.04.2016.

Weshalb wir bleiben oder gehen

Gleichwohl sind die Arbeitsbedingungen im medizinischen Bereich oftmals weit vom Ideal entfernt. Ob es uns an unserem Arbeitsplatz gut geht, ist von weiteren Faktoren abhängig, die wenig mit dem Inhalt der Arbeit zu tun haben.

Das Wirtschaftsmagazin «ECO» hat Zuschauer befragt und Strassenumfragen durchgeführt. Dabei haben sich Themenbereiche herauskristallisiert, die auch die Wissenschaft anführt.

Interview: Reto Lipp

«ECO» zur Arbeitszufriedenheit

In einer 3-teiligen Serie stellt sich das Wirtschaftsmagazin «ECO» die Frage, was uns am Arbeitsplatz gut tut und was nicht. Die Berichte entstehen aus Zuschriften der Zuschauer.

25. April bis 9. Mai 2016