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Social-Media-Newcomer Eine chinesische Videoapp räumt ab

Mit ultrakurzen Videos lockt TikTok millionenfach Nutzer an. Die Firma dahinter soll 75 Milliarden Dollar wert sein.

Legende: Audio Chinesische Videoapp räumt ab (SRF4) abspielen. Laufzeit 04:22 Minuten.
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Lisa und Lena sind 16-jährige Zwillinge aus Stuttgart. In ihren jeweils 15 Sekunden langen Clips schneiden sie Grimassen und bewegen ihre Lippen passend zu den neuesten Charthits. Ihr wichtigster Verbreitungs-Kanal ist die App TikTok. Über 30 Millionen Menschen folgen ihnen dort.

Mit unterhaltsamem Kurzfutter in einer Endlosschleife ist TikTok , Link öffnet in einem neuen Fenster die App der Stunde. In China heisst die App Douyin. Geschätzte 300 Millionen Chinesen benutzen sie monatlich. Viele verbringen rund eine Stunde täglich auf der Videoplattform.

Die beliebteste App der Welt

Ausserhalb Chinas zählt TikTok laut eigenen Angaben 200 Millionen monatliche Nutzer. In vielen asiatischen und westlichen Ländern führt der Videoclip-Dienst die Rangliste der am meisten heruntergeladenen Apps an.

Hinter der Social-Media-Plattform steckt das chinesische Unternehmen Bytedance. Die Investoren sind von der privaten Firma begeistert. Ihr Wert wird auf 75 Milliarden Dollar geschätzt. Damit hat Bytedance in den Augen der Investoren sogar dem Fahrdienst Uber den Rang abgelaufen.

Seinen Vormarsch im Westen hat Bytedance mit dem Kauf der ebenfalls chinesischen Video-App Musical.ly vorangetrieben. Musical.ly kam 2016 auf den Markt und war besonders bei Teenagern beliebt. Die Stuttgarter Zwillinge Lisa und Lena haben ihren Erfolg dieser App zu verdanken. Seit August ist Musical.ly vollständig in der ohnehin sehr ähnlichen TikTok-App integriert.

Häppchenweise Unterhaltung

Der Erfolg der App lässt sich unter anderem mit der kurzen Dauer der Clips begründen. Beim Start von TikTok läuft das erste 15-sekündige Video von selber ab. Das nächste Häppchen bekommt man mit einer einfachen Wischbewegung von unten. Selber auswählen muss man Inhalte somit nicht. Bytedance hat viel Geld in die Entwicklung dieses Systems entwickelt, das den Geschmack des Nutzers erlernen soll.

Im Vergleich zum Social-Media-Platzhirsch Instagram kommen die Inhalte auf TikTok verspielter daher und richten sich an ein jüngeres Publikum. Meist handelt es sich kurzlebige Unterhaltung: Hundevideos, Comedy-Sketches, Tanzeinlagen unter den Arkaden Berns oder Yoga-Akrobatik im Interregio-Zug.

Unterstützt wird der Erfolg von TikTok auch durch technologische Tricks. Nutzern fällt es leicht, Playback-Videos herzustellen, da der ausgewählte Song bei der Aufzeichnung verlangsamt widergegeben wird. Attraktiv sind auch die vielen Filter und Effekte, welche eingesetzt werden können.

Facebook kopiert China

Der Hype um TikTok ist in den USA nicht unbemerkt geblieben. Facebook hat dort diesen Monat eine Videoclip-App lanciert, die der chinesischen verdächtig ähnlich ist. Und auch im Heimmarkt China versucht die mächtige Firma Tencent Nutzer mit einem ähnlichen Angebot zu ködern. Ob TikTok und seine Konkurrenten langfristig Erfolg haben werden, darüber kann nur spekuliert werden. Um den Kurzvideo-Dienst Vine gab es einen ähnlichen Hype, bevor er 2016 eingestellt wurde.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli von Känel (uvk)
    Es ist eine Selbstentwertung dieser Menschen, die sicher viel höhere Werte in sich tragen bzw. tragen könnten, als auf diese Weise Geld zu machen. Wäre aber nicht diese sehr hohe, erscheckend hohe "Einschaltquote" von Konsumenten, würde dieses "Spektakel" bald wieder aufhören.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    oder derweil viele Faxen ziehen und nicht genug von sich kriegen können, machen die Herren der Wirtschaft, der Konzerne, Banken und der Politik hinter verschlossenen Türen ruhig und kalkuliert Politik mit diesen Menschen ... das gilt wohl mittlerweile hüben wie drüben .....
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Auch eine Tradition von Konfuzius und Laotse schützen nicht vor einem kollektiven Wahn. Denn Denken und Selbstachtung müssen irgendwie gewollt, geübt und praktiziert werden wollen. Verzettelung. Mal schauen, ob da eine zu große und vielleicht zulange homologisierte - sicher meistens aufgezwungen - Gesellschaft sich wieder auffängt. Auch hier scheint bereits der umgekehrt Düsentrieb eingeschaltet worden zu sein ....
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