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Der Migros-Chef nimmt Stellung zu Verkaufsplänen
Aus 10vor10 vom 27.06.2019.
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Sorgenkind Globus «Wir geben uns Zeit, die besten Eigentümer zu suchen»

Die Migros – ist eine Art Imperium: Nicht nur Esswaren sind im Angebot, sondern auch Möbel, Dekorationsartikel, Fitnessstudios und Elektrovelos und noch vieles mehr. Die Migros hat Gewinne in Firmenzukäufe investiert und dabei nicht immer ein glückliches Händchen gehabt. Heute nun die überraschende Kehrtwende: Nach dem jahrzehntelangen Zukäufen kommt die Schlankheitskur. Im Interview erklärt Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen die neue Strategie.

Fabrice Zumbrunnen

Fabrice Zumbrunnen

CEO Migros-Genossenschafts-Bundes

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Der Romand ist seit 1996 für die Migros tätig, zunächst für die Genossenschaft Neuenburg-Freiburg, ab 2001 als Leiter Direktion Marketing & Logistik und Mitglied der Geschäftsleitung. 2012 wechselte er als Mitglied der Generaldirektion zum Migros-Genossenschafts-Bund nach Zürich wechselte. 2017 wurde er zum Nachfolger von Herbert Bolliger als CEO gewählt.

SRF News: Fabrice Zumbrunnen, die Migros verkauft Globus und andere Firmen. Sie nennen das Überprüfung des Portfolios. Heisst das nicht auch, die Migros hat sich verzettelt in den letzten Jahren?

Fabrice Zumbrunnen: Nein, das glaube ich nicht. Als Detailhändler-Profi kann ich Ihnen sagen. Ich hätte vor einigen Jahren nie sagen können, dass sich unsere Märkte so stark verändert hätten. Wir werden auch in Zukunft Firmen übernehmen, wenn diese Firmen uns stärken.

Aber es ist schon aufgefallen, dass die Migros in den letzten 20 Jahren sehr viel gekauft und investiert hat. In Branchen wie Kleider, Baumärkte. Läuten Sie damit einen Kurswechsel ein?

Diese Fokussierung ist uns wichtig. Das stimmt und das hat insbesondere mit dem Ziel zu tun, dass wir uns die besten Erfolgschancen auch geben. Und man muss nicht unterschätzen, was vor uns steht. Stichwort Digitalisierung, Stichwort Transformation, Stichwort neue Kundenbedürfnisse.

Wir werden weiterhin die nötigen Investitionen tätigen, wir bleiben bei der definierten Strategie. Und wir geben uns Zeit, die besten möglichen Eigentümer zu finden.

Ist die Migros so stark unter Druck, dass sie die Firmen verkauft, ohne dass potentielle Käufer vorhanden sind?

Das hat gar nichts damit zu tun, sondern mit dem Ziel, das wir uns gesetzt haben: dass wir unsere Mitarbeitende prioritär informieren. In einem solchen Verkaufsprozess müssen sie mit viel Zeit rechnen und es wäre unmöglich gewesen, das absolut vertraulich zu halten.

Trotzdem: Die Firmen schreiben Verluste. Globus schreibt seit vielen Jahren Verluste. Wie wollen sie hier einen Käufer finden? Riskiert die Migros nicht, dass sie die Firmen verscherbeln muss?

Es ist uns gelungen in den letzten zwei Jahren Globus stark zu positionieren. Mit einem wirklich eindrücklichen Wachstum im Online-Geschäft. Wir haben auch in die Läden investiert. Das heisst, dass Globus heute parat ist, stärker positioniert als vor einigen Jahren und aus unserer Sicht hochinteressant für potentielle Käufer.

Für die Firmen, die zum Verkauf stehen, arbeiten ungefähr 4000 Mitarbeitende. Sie haben gesagt, für diese werde sich nichts Wesentliches ändern während des langen Verkaufsprozesses. Das wird niemanden beruhigen.

Das ist ein zentraler Punkt. Ich sage unseren Mitarbeitenden, dass Sie auf uns zählen können. Wir werden weiterhin die nötigen Investitionen tätigen, wir bleiben bei der definierten Strategie. Und wir geben uns Zeit, die besten möglichen Eigentümer zu finden. Eigentümer, die etwas vom Geschäft wissen, die klare Vorstellungen haben und auch bereit sind, mittelfristig in diese Firmen zu investieren. Und die am Ende des Tages auch die besten Aussichten für unsere Mitarbeitenden bieten können.

Das Gespräch führte Susanne Wille.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran  (Tom Duran)
    Die Migros, ein Grosskapitalist der mit seinen Ursprüngen rein gar nichts mehr am Hut hat.
    Nicht mal die Mitarbeiter haben was zu lachen. Sind das die Vorstellungen von Rot/Grün was ein "sozialer" Betreib hergeben soll?
    Die Schweizer schnallen es traditionell natürlich nicht und glauben den Werbeslogans der Giganten. Das die mit der Realität nichts zu tun haben, will hier niemand sehen.
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    1. Antwort von Nico Basler  (Bebbi 1)
      Was hat das neokapitalistische Verhalten der Migros-Spitze mit rot/grün zu tun?
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  • Kommentar von Okihara Herbst  (Okihara Herbst)
    Das Jahr ist 2019 und ich verstehe immer noch nicht warum Coop und Migros keine börsennotierte AG sind. Ähnliche Firmen in den meisten Ländern sind es fast alle. Trotzdem machen die meisten Schweizer dort ihre Einkäufe, ohne irgendwelche Frage zu stellen. Ein unerklärbarer Unsinn für mich.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
      @Herbst: Die meisten Detailhändler sind entweder Familienunternehmen (wovon, wenn überhaupt, maximal 25% der Aktien effektiv gehandelt werden) oder Genossenschaften. Genossenschaften sind sozial viel breiter abgestützt als die Familienunternehmen. Die Frage ist halt, wem man die Margen ermöglicht: Der Bevölkerung (=Genossenschaft) oder Milliardären (Aldi, Lidl, Walmart...). PS: 1% der Migrosmarge fliessen in die Kultur... Nun, es darf jeder selbst entscheiden, was Sinn macht.
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    2. Antwort von Tom Duran  (Tom Duran)
      Tja, willkommen in der Schweiz. Motzen ohne einen Schimmer zu haben um dann genau das tun was man eigentlich ankreidet.
      Soziale und politische Kompetenz sucht man hierzulande vergebens.
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  • Kommentar von Ernst Boller  (BOER)
    Die Zukäufe waren eben nicht so toll, wie das Management seinerzeit glaubte. In den Filialen hart verdientes Geld wurde dem Grössenwahn geopfert.
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