Sportleraktien – ein Marketing-Gag?

Seit rund vier Monaten kann man in den USA Aktien von Sportlern kaufen. Die kalifornische Startup-Firma Fantex bietet diese an. Der SRF-Korrespondent sieht das mit Skepsis.

Jens Korte: Kein Hype beim Handel mit Sportleraktien

5:02 min, aus SRF 4 News aktuell vom 30.09.2014

Das Angebot an Aktien von Sportlern kommt von der kalifornischen Firma Fantex. In den ersten Wochen nach Handelsstart hielt sich das Interesse an den Papieren aber in Grenzen.

Das bestätigt auch SRF-Börsenjournalist Jens Korte in New York. «Das gilt für potentielle Investoren als auch für Sportler selbst, die sich hier sozusagen zur Verfügung stellen.»

Letztere erhalten den Löwenanteil aus dem Aktienverkauf, müssen im Gegenzug aber zehn Prozent ihrer künftigen Gewinne abtreten.

Bisher verkaufen zwei Profisportler Aktien von sich selbst. Es handelt sich dabei um zwei Footballspieler: Vernon Davis von den 49ers und E.J. Manuel von den Buffalo Bills. Zwei weitere NFL-Footballspieler planen derzeit ihren Börsengang.

Verzögerung wegen verletztem Sportler

Die Startup-Firma sollte schon vor etwa einem Jahr an die Börse gehen. Doch das ging nicht, weiss Korte: «Der dafür vorgesehene Sportler hatte sich einen Bänderriss zugezogen. Da musste die ganze Aktion abgeblasen werden.» Doch auch jetzt, ein Jahr später, zeigt sich: «Der grosse Hype ist es noch nicht.»

Fantex-CEO Buck French an einem Laptop vor einem Reisecar. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Fantex-CEO Buck French verkauft etwa elf Aktien pro Tag. Keystone

Die Sportleraktien sind sogenannte Mirror-Papiere: Sie bilden den Marktwert des Sportlers ab. Dies ist allerdings mit einigem Risiko verbunden – etwa wenn sich der Sportler verletzt und seine Karriere beenden muss.

In diesem Fall könne es sein, dass er danach als Sportmoderator Karriere macht. «Als Investor würden sie davon in gewisser Weise noch profitieren», so der Börsenexperte.

Korte schildert aber auch ein weiteres Szenario, das Risiken birgt: «Dass bestimmte Sportler ihre Frauen verprügelt haben, kam in den USA in letzter Zeit häufig vor. Unter anderem kann das den Marktwert eines Spielers deutlich dämpfen.»

Porträt von Vernon Davis in rotem Shirt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Vernon Davis von den San Francisco 49ers war der erste Sportler, der an die Aktienbörse ging. Keystone

Risikospiel mit ungewisser Zukunft

Dass es sich um eine risikoreiche Anlage handelt, ist wohl auch der Grund für die schwache Nachfrage, wie Korte meint.

Kaum einer mache bei diesem «Spiel» mit. «Wenn sie sich das Volumen der Papiere, die gehandelt werden, anschauen, dann reden wir von elf Anteilsscheinen pro Tag. Die ganze Sache ist alles andere als liquide.»

Der Wall-Street-Kenner hält die Aktie denn auch eher für einen Marketing-Gag. «Ich wäre persönlich doch etwas skeptisch, ob sie langfristig gesehen wirklich Zukunft hat.» Wer einen Lieblingssportler habe, der sollte besser ins Stadion gehen, rät Korte.