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Steigende Finanzrisiken 45'000 Milliarden Dollar in den Händen von Schattenbanken

Legende: Video Schattenbanken: Die nächste Finanzkrise abspielen. Laufzeit 7:22 Minuten.
Aus ECO vom 12.03.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Weltweit liegen 99 Billionen Dollar an Finanzvermögen ausserhalb der regulierten Bankenwelt - Tendenz stark steigend.
  • Fast die Hälfte davon liegt bei sogenannten «Schattenbanken» - sie vergeben Kredite, sind aber kaum oder gar nicht reguliert.
  • Besonders stark zugelegt hat der Nicht-Banken-Sektor in China.

Teile der Finanzbranche meiden das Scheinwerferlicht und agieren bevorzugt im Hintergrund. «Die Finanzindustrie ist ein riesiges, komplexes Biest, das sich dauernd ändert. Regulatoren und Aufsicht müssen hart arbeiten, um es in Schach zu halten.»

William White, Präsident des OECD-Prüfungsausschusses für Wirtschafts- und Entwicklungsfragen.
Legende: William White: «Wenn etwas bei den Schattenbanken schief läuft, wirkt sich dies auf das gesamte Banken-System aus.» SRF

Dies sagt William White, Experte für Finanzstabilität, langjähriger Chef-Volkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ und heutiger Präsident des Prüfungsauschusses für Wirtschafts- und Entwicklungsfragen der OECD.

Quelle neuer Finanzkrisen

Licht ins Dunkel zu bringen, ist ein Ziel des Financial Stability Board FSB - die Organisation ist Teil der Bank für internationalen Zahlungsausgleich BIZ. Das jüngste Monitoring des FSB beziffert die Vermögen im Schattenbanken-Bereich auf 45 Billionen Dollar - ein neuer Rekord.

Als «Schattenbanken» definiert das FSB Finanzunternehmen, die ausserhalb der regulären Banken Kredite vermitteln. Dazu gehören unter anderem Broker-Firmen, Hegde Funds und kollektive Anlage-Vehikel.

Dietrich Domanski, Generalsekretär  Financial Stability Board (FSB)
Legende: Dietrich Domanski, Generalsekretär Financial Stability Board (FSB): «Wir sehen ein Wachstum von kollektiven Anlage-Vehikeln, die dem Risiko von <Runs> ausgesetzt sind.» SRF

Dietrich Domanski, Generalsekretär des FSB betont zunächst das Positive: «Viele der Finanzprodukte, die angeboten werden, und der Kredite, die bereitgestellt werden, haben für die Volkswirtschaft eine sehr nützliche Funktion.» Doch er warnt auch: «Die Herausforderung für die Regulierung ist, Risiken zu erkennen und gegebenenfalls gegenzusteuern.»

So schrumpften gewisse Aktivitäten, die wesentlich zur Finanzkrise 2008 beitrugen, wie zum Beispiel die Verbriefung von Hypotheken. Dagegen gäbe es heute Anlagevehikel, so Dietrich Domanski, die unter bestimmten Umständen dem Risiko rascher Mittelabflüsse ausgesetzt seien. Diese Risiken bedürften genauerer Beobachtung.

«China gibt Anlass zur Sorge»

Im neusten FSB-Bericht sind zum ersten Mal überhaupt Daten zu China veröffentlicht. Dort wachsen die finanziellen Aktiva von «Schattenbanken» noch schneller als die ebenfalls stark wachsenden regulären Banken. Mittlerweile sind es 7000 Milliarden Dollar.

«Es scheint, dass in China die Verknüpfung von Schattenbanken und Banken enger ist als anderswo. Wenn etwas bei den Schattenbanken schief läuft, wirkt sich dies auf das gesamte Banken-System aus. Das gibt Anlass zur Sorge. Speziell in China», sagt William White.

Rund 1 700 Milliarden Dollar Anlagevermögen im «Schattenbanken»-System können sogar die Experten des FSB nicht eindeutig bestimmten Anlageformen Konzerne zuordnen.

Die nächste grosse Finanzkrise kommt bestimmt. Und mit steigender Wahrscheinlichkeit wird sie bei den «Schattenbanken» ihren Anfang nehmen.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Auch die EU-Kommission verhält sich da inkonsequent. Einerseits fordert auch sie eine Regulierung von Schattenbanken. Andererseits treibt sie die sogenannte Kapitalmarktunion voran. Die basiert auf der Erkenntnis, dass Europa zu stark von Bankkrediten abhängig ist. Unternehmen soll es daher erleichtert werden, andere Finanzierungsquellen anzuzapfen, der Verbriefungsmarkt wiederbelebt werden. Das ist schon widersprüchlich, denn dadurch fördert die EU-Kommission die Schattenbanken.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Die nächste Finanzkrise kommt bestimmt. Und mit steigender Wahrscheinlichkeit wird sie bei den Schattenbanken ihren Anfang nehmen. Das Internationale Finanzgremium warnt bereits jetzt vor der wachsenden Bedrohung durch nicht regulierte Geldströme. Den mit Abstand grössten Schattenbankensektor der Welt haben die USA. Die Regulierung dürfte demnach aber weiter bescheiden bleiben – und die Risiken für das globale Finanzsystem sind hoch. 12.11.2015 18:30 Uhr
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  • Kommentar von Peter Holzer (Peter Holzer)
    Mann befasse sich mal mit der „Firma“ BlackRock. Die grösste der Schattenbanken die rund 6.5Billionen US$ verwaltet.
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