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Wirtschaft Studenten locken Bundesrat Schneider-Ammann aus der Reserve

Von einem Bundesrat Klartext und eine persönliche Meinung an die Öffentlichkeit zu holen, ist ein schwieriges Unterfangen. Im Rahmen des Jugendprojekts «Mint» gelingt es Studenten, dass Johann Schneider-Ammann zu brisanten Themen wie der Masseneinwanderungs-Initiative Spekulationen anstellt.

Legende: Video «Mint»: Studenten befragen Bundesrat Johann Schneider-Ammann abspielen. Laufzeit 6:37 Minuten.
Aus Mint vom 26.05.2015.

Es ist kein Gang ins Bundeshaus, aber gleichzeitig ist er das doch. An der Schwanengasse in Bern treffen sieben junge Menschen Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Das Generalsekretariat im Bundeshaus werde gerade umgebaut, heisst es.

Gruppe von vier Studenten filmt sich selbst.
Legende: Wie viel Offenheit ist von einem Bundesrat vor laufender Kamera zu erwarten? Die Studenten wollen es testen. SRF

Es ist das siebte Treffen mit einem Wirtschaftsakteur im Rahmen des «ECO»-Jugendprojekts «Mint». Neu ist dieses Mal zweierlei: Die Fragen kommen nicht von Schülern. Die 19- bis 23-Jährigen studieren Wirtschaft an den Universitäten Bern, St. Gallen und Zürich. Und: Es ist keine gesamte Klasse, sondern eine kleine Gruppe von sieben Personen, die diese Gelegenheit erhält. Schon allein das nahe Beisammenstehen verleiht dem Treffen eine gewisse Intimität.

Ob das ausreicht, dass der Bundesrat seine persönliche Meinung zu gewissen Themen äussert? Dieses Ziel zumindest setzen sich die Studenten. Sie wollen mehr erfahren als Statements in den Medien.

Ihr dürft mich löchern
Autor: Johann Schneider-AmmannBundesrat

«Ich stehe zur Verfügung. Ihr dürft mich löchern», kündigt Johann Schneider-Ammann an, als alle im persönlichen Sitzungsraum des Wirtschaftsministers zusammenstehen.

Die 30 Minuten des Treffens können nicht jedem Thema Raum geben, das die Studenten ansprechen wollen. Johann Schneider-Ammann ist ein Mann der ausführlichen Antworten. Und einen Bundesrat unterbrechen, das wagen die Studenten nicht. Zumal erkennen sie schnell, dass es bei Politikern und CEOs immer wieder angeraten ist, nachzuhaken, um tatsächlich eine Auskunft zu bekommen. Auch das verlängert die Antworten.

Aber: Hier und da lässt er Meinung durchblitzen. Von einer Frauenquote etwa hält Johann Schneider-Ammann gar nichts: «Für mich ist der Weg nicht der Vorschriftsweg», sagt er. Eine «Quotenfrau» hätte ihre halbe Kraft, um auf Entscheidungen der Firma einzuwirken, «a priori verloren». In solch eine Situation dürfe man Frauen gar nicht bringen.

Spekulation über Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative

Oder die Initiative «Gegen Masseneinwanderung»: Was geschähe, wenn sich keine Lösung mit der EU bezüglich der bilateralen Verträge fände? «Eine einfache Frage», meint Johann Schneider-Ammann ironisch.

Dann, ernster: Es sei noch Zeit bis Februar 2017. Sollte es bis dahin keine Einigung geben, dürfe der Bundesrat auf dem Verordnungsweg verfügen. So stünde es im Initiativ-Text. «Und auf dem Verordnungsweg verfügen würde mutmasslich heissen: Wir geben uns etwas mehr Zeit, wir bleiben auf den herkömmlichen bilateralen Verhältnissen und suchen weiterhin die Verhandlungslösung.»

Gruppe von Studenten mit Wirtschaftsminister.
Legende: Souvenir der anderen Art. «Dürfen wir ein Gruppen-Foto machen?» – «Ein Selfie?» SRF

Der Bundesrat würde also auf Zeit spielen, um die Personenfreizügigkeit nicht aufgeben zu müssen. Die Unsicherheit für die Schweizer Wirtschaft würde weiter anhalten.

Johann Schneider-Ammann schiebt aber nach: «Das ist jetzt spekuliert. Und eigentlich darf der Bundesrat nie spekulieren. Der Bundesrat sagt nur das, was er weiss und was er sagen darf.» Schmunzeln.

«Einigermassen gute» Antworten

Das Fazit der Wirtschaftsstudenten: «Erfrischend persönlich» hätten sie Johann Schneider-Ammann erlebt. Vor allem beeindruckt sie, wie er von Thema zu Thema in jedem Dossier Fachkenntnis beweise. Und die Fragen: Ja, die seien «einigermassen gut» beantwortet worden.

Zum Schluss wünschen die 19- bis 23-Jährigen ein Gruppenbild mit dem Bundesrat. «Ein Selfie?», fragt Johann Schneider-Ammann. So geschieht es.

Projekt «Mint»

Projekt «Mint»

Im Rahmen des Jugend-Webprojekts «Mint» des Wirtschaftsmagazins «ECO» treffen Schulklassen Wirtschafts-Akteure. Zusätzlich sind Video-Wettbewerbe und Schulbesuche von Moderator Reto Lipp Bestandteile des Projekts.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Sandra Herrman, Stuttgart
    Die Wirtschaftsstudenten sind nach meiner Wahrnehmung typischer Mainstream ohne fundierte Fachkenntnisse oder diese Studies sind im 1.Semester (inkl. mit wenigen Vorkenntnissen=absolute Neulinge).Schockierend fand ich den Ansatz mit aller Gewalt auch die Frauen zu monetarisieren und innerhalb diesem Wirtschaftssystem auszubeuten. Am meisten hat mich allerdings die Marktgläubigkeit geschockt.Was möchte man von Politclowns auch anderes erwarten?Für mich nur Propaganda und fachlich ein Totalausfall
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  • Kommentar von Pia Müller, 9443 Widnau
    Typisch unser Bundesrat: Aussagen = Gummi, nur keine (echte) Stellungnahme. So schlängelt sich auch Johann Schneider-Ammann weiter durch die CH-Politik !!
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    1. Antwort von M.Kaiser, Rebstein
      Nicht nur er , die gesamte heuchlerische Oligarchen FDP von der es auch in unserer Gegend viel zu viele hat , ein grosser Teil versteckt sich nun unter der Decke der SVP - die noch nicht gemerkt hat, wie sie von denselben verraten und verkauft wird . Es lebe der Filz und seine Läuse .
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