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Studie aus Neuseeland Vier Tage arbeiten – für fünf Tage Lohn

Eine Neuseeländer Firma macht den Kurztest und sieht positive Effekte. Doch wer soll die neue Zufriedenheit bezahlen?

Legende: Audio Verlockendes Arbeitsmodell mit Nebenwirkungen abspielen. Laufzeit 08:18 Minuten.
08:18 min, aus SRF 4 News aktuell vom 23.07.2018.

Der Test: Vier Tage arbeiten, fünf Tage bezahlt bekommen. Dieses Modell hat eine neuseeländische Vermögens- und Liegenschaftsverwaltungsfirma in den letzten Monaten getestet. Wie die Studie zeigt, waren die Angestellten allgemein zufriedener, hatten weniger Stress und konnten sich bei der Arbeit besser konzentrieren.

Wen wunderts: Das Ergebnis erstaune nicht, sagt Angelika Kornblum, die an der ETH Zürich im Bereich Arbeitspsychologie forscht. Die Ergebnisse klängen vielversprechend, da es für Mitarbeitende immer attraktiv sei, solche Modelle umzusetzen. Nach einem zweimonatigen Versuch fehlten allerdings Informationen über Langzeiteffekte. Entsprechend sei unklar, ob solche positiven Effekte über Jahre hinweg aufrechterhalten werden könnten.

Die Work-Life-Balance: Ob sich das neue Modell für ein Unternehmen rechnet, ist laut Kornblum von unterschiedlichen Faktoren abhängig: Aus Sicht des Personalmanagements seien weniger gestresste Mitarbeitende und damit weniger Krankheitsausfälle dank mehr Erholungszeit auf jeden Fall lohnend. Auch fühlten sich zufriedene Angestellte stärker an ein Unternehmen gebunden, was weniger kostspielige Wechsel bedeute. Nicht zuletzt werde die Firma attraktiver und habe bessere Chancen, talentierte Kräfte anzuwerben.

Die Vorbehalte: Warum also haben nicht schon mehr Unternehmen dieses Modell ausprobiert? Kornblum erinnert diesbezüglich an die Widerstände gegen die ab den 1960er-Jahren eingeführte Fünftage-Woche. Zudem gebe es bereits viele Modelle für flexiblere Arbeitszeit. Etwa mit der flexiblen Verteilung von beispielsweise 41 Stunden auf eine bestimmte Anzahl Tage. Diese hätten eigentlich durchwegs positive Effekte.

Modelle für flexible Arbeitszeit gibt es viele. Gleicher Zahltag für weniger Arbeit – das ist ziemlich neu.
Legende: Modelle für flexible Arbeitszeit gibt es viele. Gleicher Zahltag für weniger Arbeit – das ist ziemlich neu. Imago/Archiv

Die Unsicherheit: «Aber es ist kein Allheilmittel, sondern es kommt auf die Umsetzung im Unternehmen an», sagt Kornblum. Dazu gehöre auch die Akzeptanz bei den Vorgesetzten, damit Arbeitnehmende in einem solchen Modell nicht stigmatisiert würden. Für Kornblum ist die Neuseländer Studie deshalb eine denkbare Zukunftsvision mit grossen Unsicherheiten bei den langfristigen Folgen

Die Skepsis: Anders sieht das Bruno Staffelbach, Direktor des Zentrums für Human Resources der Universität Luzern. Dass Menschen bei geringerer Arbeitszeit und entsprechend höherem Verdienst zufriedener sind, erstaunt auch ihn nicht. Erstaunlich sei aber, dass in der Studie Arbeit, Tagesarbeitszeit und Arbeitsumfeld offenbar gleichgeblieben seien. Staffelbach vermutet deshalb, dass die Probanden vor allem ihre Gefühlshaltung ausgedrückt und nicht so sehr die Realität beschrieben haben.

Der springende Punkt: Die höhere Zufriedenheit sei vermutlich das Positive, doch auf der negativen Seite stünden die gleichbleibenden Lohnkosten bei kleinerer Arbeitszeit, so Staffelbach. Denn Dies verteuere nicht nur die Lohnstückkosten beträchtlich, sondern auch die Koordinationskosten in einem auf fünf Tage ausgerichteten Betrieb. Dabei denkt er an die zu garantierende Betriebsbereitschaft ebenso wie an allfällige Produktionsausfälle. All dies würde die Schweiz im internationalen Wettbewerb noch teurer machen. «Aus meiner Sicht ist es ein teures Modell, dass sich nur dann lohnt, wenn die positiven Produktivitätseffekte die Zusatzkosten finanzieren», bilanziert Staffelbach.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Silas Räber (Silair)
    Es steht doch jedem frei, 80% zu arbeiten! Wenn man dann 80 % als 100% haben will, ist dann halt statt 5000.- brutto für 100% nur 4'000.- Bruttolohn (bei 4- Tage Woche). Jeder wie er will. Entsprechend der Wirtschaftsleistung müsste der Mindestlohn natürlich auch gegen unten angepasst werden (was nicht die Idee dieser Übung sein kann).
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  • Kommentar von Rolf Romano (roro)
    2012: Die Schweizer Bevölkerung lehnte "6 Wochen Ferien für alle" ab! Bereits dazumal schätze das SECO die Kosten der (zu) hohen Arbeitsbelastung auf jährlich 10 Milliarden Franken. Die Belastung und die daraus erfolgenden Kosten (Arbeitsausfall, Pflegekosten, etc.) haben seit 2012 sicherlich zugenommen, wobei die Reallohnerhöhung weiterhin dem Arbeitsproduktivitätswachstum hinterher hinkt. Die Umsetzung neuer Arbeitsmodelle zu Gunsten einer ausgeglichenen Work-Life-Balance wären dringend nötig.
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Den Beschiss hatten wir vor Jahren schon, als der 13. in die 12 Monatslöhne integriert wurde: unterlassene Lohnerhöhungen fallen weniger auf. Reine Psychologie. Auch bei den 80%-Jobbern ist sicher eine Lohnreduktion dabei: entweder man ködert sie -wie hier- mit einer 100&% -Bezahlung und lässt sie dann teuerungsmässig verdursten, oder man gaukelt 20% Freizeit vor, was in der Realität aber nie stattfindet (Profiteure von klassischen 80%ern sind immer nur die Firmen!). So oder so: Quatsch!
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