Zum Inhalt springen

Header

Video
BKW – Suzanne Thoma hat den Stromkonzern neu aufgestellt
Aus ECO vom 31.05.2021.
abspielen
Inhalt

Suzanne Thoma BKW-Chefin: «Die Kritik war unseres Erachtens noch nie fundiert»

Suzanne Thoma hat das Energieunternehmen BKW stark verändert. Die Folgen sind viel Kritik und gute Zahlen.

Als am 20. Dezember 2019 mit Mühleberg zum ersten Mal ein Schweizer Kernkraftwerk vom Netz ging, schaute die Öffentlichkeit hin. Die Betreiberfirma BKW hatte die Abschaltung gross inszeniert.

Kein Wunder, interpretierten es viele als politisches Zeichen des Berner Energieunternehmens.

Das sei es nicht gewesen, betont Konzernchefin Suzanne Thoma. «Der Entscheid war ein Nichtinvestitionsentscheid aus betriebswirtschaftlichen Gründen. Weitere Investitionen haben sich nicht gelohnt.»

Wer Suzanne Thoma schon länger kennt, der weiss, dass ihre politische Sicht eine andere ist. Als «ECO» sie 2013 porträtierte, sagte sie: «Das Abstellen eines sicheren und gut betriebenen Kernkraftwerks, ohne dass man Alternativen dazu hat, ist für mich schon nicht logisch.»

Kalkulierender Mensch

Aber Suzanne Thoma ist ein kalkulierender Mensch. Sie entscheidet sich für das, was erfolgversprechend ist.

Diese Strategie wendet sie nicht minder bei sich selbst an. Einst studierte sie Chemieingenieurtechnik an der ETH Zürich, promovierte sogar, weil sie davon überzeugt war, dass es eine solche Ausbildung an der Spitze eines Unternehmens brauche. Und dort wollte sie hin.

Sie trat den CEO-Posten bei der BKW an mit der Ansage, dass sich das Unternehmen angesichts der Energiewende stark verändern müsse, und zwar solange es dem Unternehmen noch gut gehe.

Rückblickend sagt sie heute: «Es gab am Anfang schon recht viel Widerstand – genau aus dem Grund, weil der Notstand ja noch nicht so offensichtlich war bei der BKW. Der wäre erst drei, vier Jahre später ganz klar geworden.»

Stromproduktion ist zur Nebensache geworden

Heute ist das Unternehmen ein anderes. Die Stromproduktion ist nur noch Nebensache. Stattdessen hat Suzanne Thoma den Stromhandel ausgebaut.

Und sie hat rund 100 Dienstleistungsfirmen in der Schweiz und im Ausland aufgekauft. Etwa Ingenieur-Büros oder Elektro-Installations-Betriebe. Vier von fünf BKW-Angestellten sind heute Dienstleister.

Diese Strategie hält sie für zukunftsweisend. Es sei um die Existenz der BKW gegangen. Mit dem Strompreiszerfall wären ihrer Meinung nach Umsatzrückgänge um ein Drittel auf das Unternehmen zugekommen.

Mit ihrem Expansionshunger hat sie sich viel Kritik eingehandelt. Sie bedränge als Unternehmen, das zu mehr als der Hälfte dem Kanton Bern gehöre, mit ihrer Marktmacht kleine KMU, heisst es. Suzanne Thoma hält diese Behauptung gleich für doppelt falsch.

«Herbeigeredetes Problem»

Sie nennt den Vorwurf der Marktmacht ein «herbeigeredetes Problem». In der Gebäudetechnik seien sie mit einem Marktanteil von rund drei Prozent «weit davon entfernt, irgendeine Dominanz zu haben.»

Zum Vorwurf, sie agiere mit öffentlichen Geldern, sagt sie: «Es sind keine öffentlichen Gelder. Wir haben zwar ein Aktionariat, in dem ein Öffentlicher ein wesentlicher Aktionär ist. Aber deshalb sind unsere Gelder nicht öffentlich, sondern erwirtschaftet im freien Markt.»

Sie findet: «Die Kritik war unseres Erachtens noch nie fundiert und hat uns deshalb vielleicht manchmal gestört, aber sicher nicht aufgehalten.»

Der Geschäftserfolg gibt Suzanne Thoma Recht. Sie steigerte den Umsatz auf zuletzt mehr als drei Milliarden Franken, hat in acht Jahren die Zahl der Angestellten verdreifacht und den Unternehmenswert ebenso.

Ganz so rasant soll es nicht weitergehen. Aber dass die BKW in ein paar Jahren noch grösser sein wird, daran lässt Suzanne Thoma keinen Zweifel.

Video
Archiv: Suzanne Thoma im Porträt als neue BKW-Chefin
Aus ECO vom 13.05.2013.
abspielen

ECO, 31.5.21

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    Der Satz von Frau Thoma, BKW Chefin, lässt Schlimmes vermuten für Zukunft: "Stromproduktion ist zur Nebensache geworden". Wenn das für BKW zur Nebensache geworden ist, ist sie noch für irgendjemand eine Hauptsache, diesem Rückgrat unseres Wohlstands. Passt aber bestens in unsere Energiewendezeit, Strom kaufen wir einfach irgendwo im Ausland, wo er billig ist. Mit immer mehr Stromverbrauch, aber ohne Ausbau mit zuverlässigen Kraftwerken, wird unser Wohlstand realitätsblind an die Wand gefahren.
  • Kommentar von Felix Raschle  (Der Unglückliche)
    Die Steuerzahler aus der ganzen Schweiz zahlen die überteuerten Stromkosten der BKW. Denn die Bundesverwaltung ist ein Riesenstrombezüger rund in und um Bern. Schlüsselt man das nach Departementen auf, dass es nicht so auffällt? Die BKW und der Kanton Bern zocken alle Schweizer ab, als würde der NAF nicht ausreichen?
  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Ich lese: 'Sie entscheidet sich für das, was erfolgversprechend ist. Diese Strategie wendet sie nicht minder bei sich selbst an'. Wer S. Thoma kennt, kann dies 100%ig unterschreiben. Protegiert insbesondere auch von der seinerzeitigen und langjährigen Verwaltungsrätin Barbara Egger-Jenzer, die im VR die Hauptaktionärin Kanton Bern vertreten hat und deshalb im VR grösstes Gewicht hatte, hat S. Thoma innert kürzester Zeit die gesamte BKW-Männer-Führungsriege rechts überholt.