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Mühleberg – reicht das Geld für die Entsorgung der AKW?
Aus ECO vom 09.12.2019.
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Teurer Atomausstieg Warum AKW-Schliessungen den Steuerzahler interessieren sollten

Das AKW Mühleberg geht vom Netz – Rückbau und Entsorgung von Atomkraftwerken kosten Milliarden. Auch die Steuerzahler könnte es treffen.

Der 20. Dezember ist für die Schweiz ein historischer Tag: Mit Mühleberg geht das erste Schweizer Atomkraftwerk vom Netz – nach 47 Jahren Laufzeit. Es ist der Anfang vom Ende des Atomstroms in der Schweiz. Mehr über die Geschichte des AKWs Mühleberg lesen Sie weiter unten.

Die Schliessung von Mühleberg geschieht laut der Betreiberin BKW aus wirtschaftlichen Gründen. Nun folgt die Transformation zu einem Diensleistungs-Anbieter im Energiesektor. «Wir haben unser Unternehmen in den letzten Jahren umgebaut», sagt BKW-Konzernchefin Suzanne Thoma.

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Suzanne Thoma über das Ende des AKW Mühleberg
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Abschalten lässt sich ein AKW mit einem Knopfdruck – doch dann beginnt es, erst richtig Geld zu kosten. Die nuklearen Stoffe müssen entsorgt werden. Die BKW (ehemals: Bernische Kraftwerke) rechnet mit Kosten von drei Milliarden Franken: für Stilllegung und Entsorgung. Eine Milliarde hat sie bereits einbezahlt.

Bezahlen muss BKW in zwei Fonds, die der Bund kontrolliert. Dieser hat seine Kostenschätzungen für die Stilllegung und Entsorgung der Atomkraftwerke in den vergangenen Jahren stetig nach oben korrigiert.

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AKW-Stillegungs- und Entsorgungskosten
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Die aktuellste Kostenstudie ist von 2016. Der Bund rechnet mit Kosten von 24.6 Milliarden Franken.

Unklarheiten bei der Entsorgung

Im Fonds liegen 7.5 Milliarden Franken. Gemäss neuster Vorgabe des Bundes müssen die Betreiber 184 Millionen Franken pro Jahr in die Fonds einzahlen. Auch nach Abschaltung ihrer AKWs. Doch der Betrag könnte weiter steigen. Vor allem für die Entsorgung. Weil die Endlager, welche die atomaren Abfälle aufnehmen sollen, noch nicht existieren.

Der Bund hat deshalb Sicherheitszuschläge eingerechnet: 30 Prozent bei der Stilllegung, 43 Prozent bei der Entsorgung.

Hohe Kostenrisiken bei nuklearen Projekten

Diese seien viel zu niedrig, sagen weltweit anerkannte Experten für Grossprojekte der britischen Universität Oxford. «Nuklearprojekte haben ein riesiges Kostenrisiko», sagt Alexander Budzier, Forschungsleiter von Oxford Global Projects. Er hat die Kosten für die Lagerung atomarer Abfälle sowie für vergleichbare Rückbau-Projekte untersucht. «Die Kosten können sich – konservativ gerechnet – verdreifachen.»

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Forscher der Oxford-Universität, Alexander Budzier, über die hohen Kosten es Atom-Ausstiegs
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Marianne Zünd vom Bundesamt für Energie will von diesen Hochrechnungen nichts wissen. Man erstelle alle fünf Jahre eigene Kostenstudien. «Unser Wissen wird immer besser und detaillierter. Das Schweizer System ist präziser.»

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Marianne Zünd, Bundesamt für Energie: «Unsere Kostenschätzungen werden immer besser.»
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Zu optimistische Berechnungen?

Die Schweiz rechne sich die Zukunft zu positiv, entgegnet Alexander Budzier: «Wissenschafter forschen seit den 1970er-Jahren daran und stellen fest: Planer und Entscheidungsträger sind immer optimistisch und hoffen, dass es nicht zu grossen Überraschungen kommt.»

Auch Nils Epprecht, Geschäftsführer der atomkritischen Schweizerischen Energiestiftung, ist von der Kostenrechnung von Bund und Betreibern nicht überzeugt.

Es sei unsicher, ob die AKW-Betreiber in 10 bis 20 Jahren die Kosten des Rückbaus und der Stilllegung noch übernehmen würden, obwohl sie auch nach Abschaltung der eigenen Werke noch weiter in den Fonds einzahlen müssen: «Viele Risiken liegen im Moment beim Steuerzahler.»

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Nils Epprecht: «Viele Risiken liegen bei den Steuerzahlenden.»
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Ein Blick auf die Besitz-Verhältnisse der Schweizer AKWs Beznau I und II, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg zeigt, warum dieses Risiko besteht. Die AKWs gehören teilweise mehrheitlich dem Steuerzahler.

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Wem die AKW gehören und wieso das den Steuerzahler interessieren sollte
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Dennoch ist für den Bund die gewählte Lösung richtig. Verlange man von den AKW-Betreibern zu viel Geld, laufe man «Gefahr, dass diese Firmen nicht überleben können, und dann kann der Bund garantiert bezahlen», so Marianne Zünd vom UVEK weiter.

«Da müsste schon ganz viel schief gehen.»

BKW-Chefin Suzanne Thoma rechnet nicht damit, dass sich die Kosten für die Stillegung und die Entstorgung des AKWs Mühleberg noch substantiell erhöhen.

Und: «Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Steuerzahler bezahlen muss. Da müsste schon ganz viel schief gehen», so Suzanne Thoma.

Wenn sich der Strompreis in den nächsten Jahren einigermassen normal entwickle, seien die Kernkraftwerke profitabel und alle können ihre Beiträge leisten.

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BKW-Chefin Suzanne Thoma über die Chancen, dass der Steuerzahler einspringen muss.
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«Atomstrom für bernische Hausfrauen»

«Das Kernkraftwerk Mühleberg liefert seit 1972 Atomstrom für die Industrie, für die Landwirtschaft und für die Kochherde der bernischen Hausfrauen», hiess es damals in einem Bericht des Schweizer Fernsehens. Doch bald geriet die Atomenergie in die Kritik, das AKW Mühleberg vor allem wegen Sicherheitsmängeln.

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Die bewegte Geschichte des AKW Mühleberg
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Mit der Atomkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 stieg die Kritik. Der Bundesrat beschloss noch im selben Jahr den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie bis 2050. Die Betreiberin BKW gab die Abschaltung von Mühleberg 2013 bekannt – nicht aus politischen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen. Die Strompreise seien zu tief geworden, sagte Konzernchefin Suzanne Thoma damals.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Für den Bund ist die gewählte Lösung richtig: Das heisst das Risiko ist mehr bei den Kantonen usw. Das heisst bei deren Steuerzahlern. Ich persönlich finde es nicht richtig, denn so ist das Risiko einseitig auf Steuerzahler verschoben, die in Eigentümer-Kantonen leben. Würde den Werken eine höhere Einzahlung in den Fonds aufgebrummt, dann würde das Risiko gleichmässiger auf jene verteilt, die den Strom konsumieren. Es wäre also fairer.
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  • Kommentar von Fritz Münz  (Fritz Münz)
    Das gäbe ein paar Windräder und Solarpanels...
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  • Kommentar von Roger Fasnacht  (FCB Forever)
    Ihr "weltweit anerkannter Experte" Alexander Budzier scheint der einzige Angestellte einer Firma Oxford Global Projects mit Hauptsitz in der Steueroase Guernsey, Channel Island zu sein... Diese Firma bietet gemäss Web-Site Consulting für Grossprojekte im Bereich IT, Bahnbau, Strassenbau, Pharma, Logistik an (das Super-Multi-Talent ::). Referenzen-Projekte auf Web-site: Nix da ! Unter Publikationen finde ich nur sehr allgemeine Artikel ie Grossprojekte sind komplex... Sorry, das ist unseriös !
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