ThyssenKrupp und Tara Steel Die Probleme von Europas Stahlindustrie

Die eigene Überkapazität und die Billigimporte setzen die europäischen Stahlkocher unter Druck.

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Bildlegende: Stahlarbeiter bei ThyssenKrupp: Die Arbeitsplätze sind gefährdet Keystone

Die Vorgeschichte:

  • Die europäische Stahlbranche ist in Bewegung. Die deutsche ThyssenKrupp und die indische Tata Steel wollen einen neuen Stahlgiganten schaffen. Dazu haben sie eine Absichtserklärung für ein Gemeinschaftsunternehmen unterzeichnet.
  • Ziel: bis Ende 2018 einen führenden europäischen Anbieter für Flachstahl zu schaffen.
  • Gegen die Fusion hat die Gewerkschaft IG Metall in Deutschland Protestaktionen angekündigt. Denn insgesamt sollen von den 48'000 Stellen rund 4000 gestrichen werden.

Seit Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren steckt die Stahlindustrie in Europa in der Krise. Es wird weniger gebaut und in der Autoindustrie werden Fahrzeuge immer häufiger ausserhalb Europas produziert. Beides lässt die Nachfrage nach Stahl in Europa sinken. Hinzu kommt ein brutaler Preiskampf: China, aber auch die Türkei und Russland überschwemmen den europäischen Markt mit billigem Stahl.

Im Falle Chinas hilft die Zentralregierung gar noch nach und verbilligt den eigenen Exportstahl mit allerlei Vergünstigungen. Die Folge: Die europäischen Stahlkocher stehen von zwei Seiten unter Druck: Durch die eigenen Überkapazitäten und durch die Billigimporte.

Stahlmenge müsse verknappt werden

Die EU-Kommission versucht die Billigimporte mit immer neuen Strafzöllen zu unterbinden. Doch sie hinkt den neuen Stahlprodukten, die nach Europa kommen, hinterher. Und bei den Überkapazitäten versagt die Industrie selber, in dem sie kaum wagt, Stahlwerke stillzulegen. Denn die Schliessung eines Stahlwerks ist unpopulär und kostet Wählerstimmen. Also sorgt die Politik dafür, dass auch veraltete Werke am Laufen gehalten werden.

Der Zusammenschluss der Stahlsparte der deutschen ThyssenKrupp mit jener der indischen Tata Steel wird nach ersten Meldungen zu einem Verlust von 4000 Stellen führen. Ob damit aber auch Kapazitäten abgebaut werden, steht auf einem anderen Blatt. Die Gewerkschaften haben bereits Proteste angekündigt.

Manche Branchenkenner empfehlen den europäischen Stahlkonzernen, ihre Überkapazitäten drastisch abzubauen. Nur durch eine Verknappung der Stahlmenge könnten sie den Preis wieder selber bestimmen. Das hingegen dürfte nicht reichen. Peking hat zwar angekündigt, seine Billigexporte zurückzufahren, in dem es eigene, überflüssige Werke schliesst. Doch der Ankündigung sind noch keine Taten gefolgt und China flutet Europa weiter mit viel billigem Stahl.

SRF 4 News 14:30 Uhr

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Millionenverlust wegen niedriger Stahlpreise

    Aus Tagesschau vom 9.3.2017

    Der Schweizer Stahlkonzern «Schmolz und Bickenbach» hat letztes Jahr rund 80 Millionen Euro verloren – wegen niedriger Stahlpreise. Demnächst sollen Erneuerungen der Produktionsanlage vorgenommen werden, um mehr Stahl giessen zu können.