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Wirtschaft Transatlantischer Freihandel: Steht die Schweiz bald im Abseits?

Handel Schweiz ist alarmiert: Bleiben wir beim Freihandelsabkommen aussen vor, könnte dies gravierende Folgen haben – für jeden einzelnen Bürger: Der 13. Monatslohn falle quasi weg, so der Direktor des Branchenverbands.

Legende: Video «Die Schweiz fürchtet Nachteile durch TTIP» abspielen. Laufzeit 1:47 Minuten.
Aus Tagesschau vom 08.03.2016.

Sinkende Exporte, steigende Preise, Druck auf das Bruttoinlandprodukt: Steht die Schweiz beim Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP) abseits, hat dies gemäss dem Branchenverband Handel Schweiz schwerwiegende Konsequenten.

«Wenn das zustande kommt, gilt das Prinzip: ‹Members only› – und die Schweiz droht als Drittstaat ins Hintertreffen zu geraten», sagt Kaspar Engeli, Direktor des Branchenverbands. Denn zwei Drittel des Aussenhandels – Import wie Export – werde mit der EU und den USA abgewickelt.

Verschluckt der TTIP den 13. Monatslohn?

Engeli beziffert die Folgen für die Schweiz: «Eine Studie aus Deutschland geht davon aus, dass das Bruttosozialprodukt (BIP) um 3,8 Prozent sinken würde.» Ausgehend von 650 Milliarden Franken BIP in der Schweiz wären das knapp 25 Milliarden, so Engeli.

Alle direkten und indirekten Effekte zusammengenommen, rechnet Handel Schweiz mit sieben Prozent weniger Einkommen für den einzelnen Bürger. «Das entspräche ziemlich genau dem 13. Monatslohn», so Engeli.

Weiter gehe man von einem Exportrückgang von 12 bis 15 Prozent aus, so der Direktor des Branchenverbands. Zudem würden die Import- und Konsumpreise steigen.

«Take it or leave it»

Eine Teilnahme an TTIP wertet Handel Schweiz dagegen als grosse Chance. Heute seien die Schweizer Agrarprodukte in den USA wegen der hohen Einfuhrzölle sehr teuer. Sie würden entsprechend nur in einem Premiumsegment verkauft. Mit einem Freihandelsabkommen wären Schweizer Agrarprodukte für ein viel grösseres Publikum erschwinglich, so die Erwartung des Branchenverbands.

Ohne Freihandelsabkommen wäre die Schweiz nie dort, wo sie heute ist.
Autor: Kaspar EngeliDirektor Handel Schweiz

Engeli liefert ein Beispiel: «Die gesamte Agrarwirtschaft könnte massiv profitieren. Sie könnte beim Export von hochwertigen Schweizer Produkten bis 14, 15 Millionen Franken mehr Geld in der Kasse haben.» Entsprechend dezidiert spricht sich Engeli dafür aus, dass die Schweiz beim transatlantischen Freihandel mit an Bord ist: «Ohne Freihandel wäre die Schweiz nie, wo sie heute ist. Über 50 Prozent jedes Frankens, den wir arbeiten, generieren wir im Aussenhandel.»

«Take it or leave it»

Der Verband geht davon aus, dass das Freihandelsabkommen ein «Drop in» für Drittstaaten ermöglichen wird. Aus US-Sicht sei ein Abkommen ohne Kanada oder Mexiko nicht denkbar, sagt Engeli. Dazu seien die wirtschaftlichen Beziehungen viel zu intensiv.

Wenn man sich anschliessen wolle, werde es aber heissen: «Take it or leave it». Man werde das übernehmen müssen, was die EU und die USA untereinander ausgehandelt hätten. Was die Schweiz tun müsse, sei sich fit zu machen, um die ausgehandelten Standards übernehmen zu können.

29 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Wir brauchen diese Verträge nicht, die zielen nur darauf hin, die hochtechnisierte CH, preiswert mit in ihren Warenkorb zu drücken und unter ihre Gesetze und Vorschriften zu zwingen. Wir sind stark genug, freien Handel zu betreiben, die Produkte unseres Landes sind weltweit gefragt und Russland wäre ja auch noch ein guter Partner mit dem es sich lohnt, freien Handel zu betreiben. Wenn der BR aber einknickt ist die Freiheit der CH verloren. Alles was nach Wasserkopf stinkt, ist abzulehnen.
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  • Kommentar von DMC Sickair (Cleanair Productions)
    Die Berechnungsgrundlage für diese 7% sprich den 13. ist inexistent und reine Angstmache, desweiteren überwiegen die Nachteile eines solchen Freihandelsabkommens die möglichen Vorteile bei weitem. Die finanziellen Vor- und Nachteile würden sich für 99% der Bevölkerung im Promillbereich bewegen, wenn überhaupt. Aber eigentlich sollte man schon längst damit begonnen haben andere Berechnungen anzustellen, z.B. wie ermöglicht man allen Lebewesen dieser Erde ein würdiges dasein.
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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    "Wenn man sich anschliessen wolle, werde es aber heissen: «Take it or leave it». Man werde das übernehmen müssen, was die EU und die USA untereinander ausgehandelt hätten. Was die Schweiz tun müsse, sei sich fit zu machen, um die ausgehandelten Standards übernehmen zu können." Warum nicht? Bei China toleriert man bis heute Dinge, die angeblich im Freihandelsabkommen nicht vorgesehen waren...
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    1. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      ...z.B. genmanipulierte Lebensmittel. En Guete!
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