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Plexiglas boomt wie in den 30er-Jahren
Aus SRF News vom 18.06.2020.
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Transparenter Begleiter Der Boom des Plexiglases

Restaurants oder Warenhäuser – alle benötigen jetzt einen Spuckschutz. Acrylglas erlebt derzeit einen ungeahnten Erfolg.

Mit den jüngsten Lockerungen in der Coronakrise müssen auch aufwändige Schutzkonzepte umgesetzt werden. Ein Teil davon: der Spuckschutz. Diese Vorrichtungen werden meist aus Acrylglasplatten hergestellt. Der Verband der Schweizer Kunststoffindustrie rechnet mit einem fünf- bis zehnfachen Volumen, verglichen mit normalen Zeiten.

Wahnsinn, was hier abgeht.
Autor: Christoph MeisterInhaber CM-Design

Dies brachte auch den Produzenten der Spuckschutz-Einrichtungen ein überdurchschnittlich hohes Auftragsvolumen. «Das Volumen ist eigentlich von heute auf morgen auf das zehn- oder gar fünfzehnfache gestiegen, was wir normalerweise verarbeiten», sagt Christoph Meister, Inhaber des Acrylglas-Verarbeiters CM-Design in Adliswil (ZH). «Es ist Wahnsinn, was hier im Moment abgeht.»

Momentan produziert Meister hauptsächlich Spuckschutz-Vorrichtungen. «Im Moment ist es schwer, an Material zu kommen.» Er habe vor sechs Wochen Glück gehabt und konnte eine grössere Menge Acrylglas einkaufen.

Meist gelangen die Acrylglasplatten über Zwischenhändler in die Schweiz. Produziert wird in weiten Teilen Europas oder auch in Asien, aber nicht im Inland.

Die Geschichte des Acrylglases

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Der Siegeszug des Kunststoffs Polymethylmethacrylat (PMMA) beginnt schon in den 1930er Jahren – wenn auch eher durch Zufall. Der Chemiker Otto Röhm forschte mit seinem Team in Deutschland mit einem neuen Kunststoff.

Als sie eine Flasche mit der flüssigen Masse neben einem Fenster liegen lassen, erhärtet diese durch das Sonnenlicht und sprengt schliesslich die Flasche und zurück bleibt ein harter, transparenter Klotz. Acrylglas, auch Plexiglas genannt, ist geboren und wird schnell zum Weltstar.

Die Firma Gabs AG, Teil der Pestalozzi-Gruppe, macht trotz der hohen Nachfrage nicht das Geschäft ihres Lebens. «Wir haben viele Kunden im Messe- und Eventbereich beliefert. Dieser Markt liegt jetzt brach», sagt Cinzia Grassi, Leiterin Kunststoffplatten bei Gabs. Mit dem neuen Markt könne sie die Umsatzeinbussen aber nicht wettmachen.

Starker Anstieg

Der Import von Acrylglasplatten stieg im März und April um 54 Prozent beziehungsweise 99 Prozent an, verglichen zum Vorjahr. Das ist ein Rekordwert. Mit rund 470 Tonnen im März und 426 Tonnen im April sind das die höchsten Importe der vergangenen Jahre. Doch was geschieht mit den Plexiglas-Trennwänden, wenn die Hygienevorschriften wieder gelockert werden?

Das Positive vorweg: Acrylglas kann rezykliert werden. Es sei ein sehr wertvoller Kunststoff, vor allem die transparenten Platten, sagt Markus Tonner, Geschäftsführer der InnoRecycling. «Farbige Platten kann man nur überfärben. Im Gegensatz dazu können transparente Platten in jede beliebige Farbe gefärbt werden.

Recycling ist von grossem Vorteil.
Autor: Markus TonnerInhaber InnoRecycling

95 Prozent der Abfälle könnten bei der InnoRecycling wiederverwendet werden. Nur ein kleiner Anteil, etwa Stromkabel oder Metallteile, müssten entsorgt werden.

Eine Möglichkeit des Recyclings: Einschmelzen. Doch auch dies geschieht nicht in der Schweiz, sondern im Ausland – meist in Asien. Der Kunststoffabfall wird somit im Prozess zuerst bei asiatischen Abnehmern recycelt, von wo er dann vielfach den Weg wieder zurück nach Europa findet.

Macht das ökologisch gesehen Sinn? «Ja», sagt Markus Tonner. Der Transportweg sei natürlich nicht ganz kurz, aber durch den Recycling-Vorgang könnten grosse Mengen an Primärressourcen und Energie gespart werden, verglichen mit der erneuten Herstellung von Acryl aus Erdöl. «Recycling ist deshalb von grossem Vorteil.»

Auch wenn im Moment laufend Lockerungen angekündigt werden – der transparente Weltstar wird uns im Alltag wohl noch eine Weile fast überall begegnen.

10vor10, 8.7.2020, 21:50 Uhr

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Noch nie war der Aktienmarkt irrationaler bewertet als dieser Tage. Der Aktienmarkt sollte auch ein Indikator sein wo die Firmen stehen, doch dem ist seit Corona nicht mehr so. Er ist nur noch ein Indikator dafür, dass etwas nicht stimmt..
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    1. Antwort von Alex Avner Herzfeld  (Alex12)
      Der Aktienmarkt "sollte" gar nichts. Er ist nicht da, um etwas zu zeigen, die Wirtschaft abzubilden oder was auch immer. Rational/irrational passt hier so wenig wie bei Naturereignissen: es regnet oder nicht, ein Sturm kommt oder nicht, die Börse steigt oder nicht.

      Aber anders als bei vielen Naturereignissen kannst du hier selbst bestimmen, ob du mitspielst oder nicht. Diesen Vorteil darfst du auf rationale Weise nutzen.
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