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Wirtschaft Trotz Frankenstärke sollen Löhne steigen

Der starke Franken belastet viele Schweizer Unternehmen. Dennoch verlangen die Gewerkschaften für die meisten Arbeitnehmenden im nächsten Jahr mehr Lohn. Endlich vorwärts gehen müsse es bei den Frauenlöhnen.

Legende: Video Ambitionierte Lohnverhandlungen abspielen. Laufzeit 1:54 Minuten.
Aus Tagesschau vom 11.08.2015.

Die Gewerkschaften anerkennen zwar den Druck auf die Unternehmen, den die Frankenstärke verursacht (ihre Produkte werden im Ausland teurer, die Aufträge gehen zurück, die Unternehmen müssen billiger produzieren und sparen). Dennoch: In die anstehenden Lohnverhandlungen steigen sie mit der Forderung nach 0,5 bis 1,5 Prozent mehr Lohn.

Ausnahmen sollen möglich sein

Bei existenziell vom starken Franken bedrohten Unternehmen wollen die Gewerkschaften allerdings auf ihre Forderung nach Lohnerhöhungen verzichten – zum Schutz der Arbeitsplätze, wie sie mitteilen. Nullrunden in den Lohngesprächen soll es aber nur in Ausnahmefällen geben, halten die Gewerkschaften fest. Der überbewertete Franken stelle die Unternehmen vor grosse Herausforderungen, schreiben der Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse und die angeschlossenen Verbände Syna, Transfair und Hotel&Gastro Union in einem Communiqué.

Löhne nur bescheiden gestiegen

Eine breite Krise der Volkswirtschaft sei aber nicht zu erwarten, schreiben sie weiter. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) prognostiziere selbst für 2015 ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent. Lohnerhöhungen lägen deshalb auch in diesem anspruchsvollen Jahr durchaus drin.

Travail.Suisse verweist darauf, dass die Lohnerhöhungen seit 2010 trotz ansprechender Wirtschaftsentwicklung sehr bescheiden ausgefallen seien. Es entspreche der Tradition in der Schweiz, in wirtschaftlich guten Zeiten die Löhne moderat zu erhöhen, damit aber auch in anspruchsvollen Zeiten fortzufahren.

Legende: Video Syna-Präsident Arno Kerst abspielen. Laufzeit 0:56 Minuten.
Vom 11.08.2015.

Von der Frankenstärke seien längst nicht alle Branchen betroffen, betont Syna-Präsident Arno Kerst. Lohnerhöhungen seien angesichts der prognostizierten Wachstumszahlen deshalb angebracht, zudem würden diese die Binnenwirtschaft zusätzlich ankurbeln.

Kompromissbereit zeigt sich Kerst einzig bei Firmen, welche derzeit rote Zahlen schreiben. Hier habe die Arbeitsplatzsicherheit klar Priorität. Allerdings fordert der Syna-Präsident in diesen Fällen mehr Transparenz.

Druck machen auf gleich hohe Löhne für Frauen

Der Verband will zudem die Erhöhung der Frauenlöhne ins Visier nehmen: Der freiwillige Lohngleichheitsdialog sei ergebnislos gescheitert, heisst es. Nun müsse die Lohngleichheit aktiv angestrebt werden. Auch den Bundesrat fordern die Gewerkschaften auf, endlich die versprochenen Massnahmen zur Bekämpfung der Lohnungleichheit zu präsentieren.

Arbeitgeber befürchten Kostenschub

Der Arbeitgeberverband will von Lohnerhöhungen für die meisten Beschäftigten nichts wissen. Die Forderung nach Erhöhungen von 0,5 bis 1,5 Prozent bezeichnet er in einer Reaktion als «unangebracht und verfrüht».

Der nach wie vor stark überbewertete Franken, die Instabilität der Eurozone und die Unsicherheiten in der Zuwanderungsfrage sorgten für erschwerte Umstände, teilt der Verband mit. Es sei schwer abschätzbar, wie lange die Frankenstärke andaure und wie sie sich auswirken werde.

Unter diesen Umständen müsse in den nächsten Monaten die Sicherung der Arbeitsplätze im Vordergrund stehen, verlangte der Arbeitgeberverband. Ein weiterer Kostenschub durch Lohnerhöhungen auf breiter Front lasse sich jetzt nicht rechtfertigen.

Angestellte bescheidener

Der Arbeitnehmerverband Angestellte Schweiz fordert fürs kommende Jahr 0,5 bis 1,2 Prozent mehr Lohn. Es gebe Spielraum für Lohnerhöhungen. Die rund 20'000 Mitglieder von Angestellte Schweiz arbeiten vor allem in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) sowie in der Chemie- und Pharmabranche.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Klein, Bern
    Der Vergleich mit der Kostensteigerung für den grundsätzlichen Lebensbedarf ist natürlich berechtigt. Wenigstens dieser sollte durch Lohnsteigerungen ausgeglichen werden. Was ich aber im Artikel und in den Kommentaren vermisse, ist der Vergleich mit den Gewinnen der Firmen, Unternehmer und Aktionäre sowie den Steigerungen der Top-Gehälter! Diese werden von den Angestellten/Arbeitern erwirtschaftet. Warum sollten also ihre Gehaltserhöhungen niedriger ausfallen? Gibt es EINEN vernünftigen Grund??
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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Der Franken ist doch gar nicht mehr stark - die Unternehmer haben über Nacht schon wieder 5% Gewinn gemacht ( 1EURO kostet nun 1.09 Fr )-zahlen sie nun auch Lohnerhöhungen um die 5% und bauen die Gratisüberstunden der Büezer wieder ab ? Nein, das wäre noch schöner , zuerst müssen sie die Verluste wieder wettmachen -also Büezer , wietr chrampfe ! Schnorre halte !
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  • Kommentar von Hans Hartmann, Republic Dominicana
    Nebenfrage: ¿Was ist der Unterschied zwischen einem Arbeiter und Angestellten? Ein Angestellter arbeitet. Ein Arbeiter arbeitet.Es giebt Arbeitspausen (Angestelltenpausen) Arbeitsweg (Angestelltenweg) Mit dem Einkommen hat es nichts zu tun. Ich kenne Arbeiter die verdienen ein mehrfaches. Ein Arbeiter im Arbeitskleid ist schmutzig.Ein Angestellter im Arbeitsschurz ist sauber. Ich mache einen Arbeitsspaziergang aufs Feld und kontrolliere die Arbeiter bei der Arbeit. Mir schwirrt der Kopf.
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