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Turbulenzen bei Meier Tobler Das Geschäft harzt

Legende: Audio Umsatz-Rückgang bei Haustechnik-Unternehmen Meier Tobler abspielen. Laufzeit 04:41 Minuten.
04:41 min, aus Rendez-vous vom 24.08.2018.
  • Wer eine neue Heizung oder Lüftung braucht, trifft mit grosser Wahrscheinlichkeit irgendwo auf die Firma Meier Tobler.
  • Sie ist die grösste Schweizer Lieferantin im Bereich der Gebäudetechnik. Doch das Geschäft harzt.
  • Im ersten Halbjahr resultierte ein Verlust von sieben Millionen Franken, in der Firmenleitung gibt es mehrere Abgänge.
  • Der Finanzchef, der Vertriebsleiter sowie der Leiter im Bereich Service gehen.

Es läuft Einiges im Logistikzentrum der Firma Meier Tobler in Nebikon im Kanton Luzern. Ein Lastwagen mit Boilern wird entladen, mehrere Hubstapler fahren kreuz und quer durchs Gebäude, das so gross ist wie mehrere Turnhallen zusammen.

In der Warenannahme rollen mehrere Paletten über die Fliessbänder – Ersatzteile für Heizungen, Klimaanlagen und Lüftungen, die an- und ausgeliefert werden. Geleitet wird das Logistikzentrum von Daniele Priore. «Wir führen täglich rund 3400 Kundenaufträge aus. Damit sind wir eines der grössten Logistikzentren», sagt er.

Schaltzentrale Nebikon

In einer der Hallen befindet sich das Herzstück des Logistikzentrums. Das vollautomatische Detaillager mit Schrauben, Leitungen, Ersatzteilen. Meier Tobler führt insgesamt 75'000 verschiedene Artikel für Heizungs-, Sanitär-, Lüftungs- und Klimainstallationen. Das Unternehmen ist der grösste Händler im Bereich der Gebäudetechnik und beschäftigt fast 1400 Personen.

Es ist nicht so einfach, eine neue Organisation auf den Markt zu bringen. Vom Grundsatz her läufts, aber die kleinen, feinen Dinge sind nicht optimiert worden.
Autor: Martin KaufmannFirmenchef von Meier Tobler

«Alle Service-Angestellten, die wir auf der Strasse haben, werden von Nebikon aus beliefert. Zudem beliefern wir den ganzen System-Bereich, von Grossheizungen, Boilern und dergleichen», erklärt Priore. Zu den Kunden gehören neben den eigenen Serviceleuten vor allem die Installateure, andere Betriebe, die Heizungen, Lüftungen und Klimaanlagen installieren.

Startschwierigkeiten nach Fusion

Die Firma Meier Tobler ist vor anderthalb Jahren entstanden, durch die Fusion von Walter Meier und der Tobler Haustechnik, zwei ehemaligen Konkurrenten. Der Start verlief etwas harzig. Das zeigt sich auch im Ergebnis. Der Umsatz ist im ersten Halbjahr um vier Prozent geschrumpft. Unter dem Strich gibt es einen Verlust und Abgänge in der Geschäftsleitung.

Die Fusion war schwieriger als erwartet, sagt Firmenchef Martin Kaufmann: «Wir haben Anlaufschwierigkeiten», räumt er ein. «Es ist nicht so einfach, eine neue Organisation auf den Markt zu bringen. Vom Grundsatz her läufts, aber die kleinen, feinen Dinge sind nicht optimiert worden.» Man sei aber daran, dies möglichst rasch zu korrigieren.

Zögerliche Hauseigentümer

Neben den hausgemachten Problemen sei auch das Umfeld schwierig, vor allem bei den Gebäudesanierungen sei das Geschäft rückläufig. Die Hauseigentümer seien verunsichert, sagt der Firmenchef: «Wir besuchen jeden Tag Tausende Kunden», zum einen Installateure, aber auch Endkunden. «Mit unserem Servicenetz sind wir jeden Tag in Tausend Kellern. Dort spüren wir, was der Kunde eigentlich möchte, aber nicht so genau weiss, was er machen soll.»

Die Hauseigentümer zögern, die Gebäude zu sanieren und in effizientere Heizungen zu investieren. Ein Grund seien die tiefen Energiekosten. Das Heizöl war in den letzten Jahren billiger als auch schon.

Die fallenden Preise führten dazu, dass der Kunde untätig bleibe, so Kaufmann: «Er weiss nicht, ob er eine Wärmepumpe einbauen oder etwa auf Solarstrom setzen soll. Er fragt sich, was das Gesetz will und denkt sich: Solange alles funktioniert und die Preise tief sind, mache ich nichts.» Das sei aus energetischer Sicht schlecht, «aber auch für Tobler Meier als Zulieferer in dieser Branche.»

Wildwuchs bei der «Energiestrategie 2050»

Eigentlich würde sich die Branche neuen Schub durch die «Energiestrategie 2050» des Bundes erhoffen. Diese setzt auf eine Modernisierung der Gebäudetechnik, neue Heizungen, die weniger Energie verbrauchen.

Bei der Umsetzung der Strategie durch die Kantone harzt es aber, sagt der Chef von Meier Tobler: «Dass die Energiegesetzgebung auf kantonaler Ebene ausgearbeitet wird, macht es für uns schwierig. Die Energievorgaben werden aufgeweicht, es wird viel diskutiert.»

Wie solle sich da die Branche und auch der Kunde noch zurechtfinden, fragt Kaufmann. Er hofft auf einfache Lösungen und darauf, dass die Rahmenbedingungen geklärt werden. Das würde der Branche helfen.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Der politische Wildwuchs bei der «Energiestrategie 2050» wird auch noch vielen echt zu schaffen machen. Da geben sich immer noch einige den ideologischen Wunschträumen hin.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Klar. Gerade haben SO und LU ihre jeweiligen Energiegesetze bachab geschickt. Wohlgemerkt, das waren bloss Anpassungen an die ES2050. Die ES2050 hingegen haben dieselben Leute vor etwas über einem Jahr angenommen. Die haben wohl gedacht dass alle andern das umsetzen sollen, sie selbst doch nicht!
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  • Kommentar von B Näf (uluru)
    richtig. habe in solar investiert, würde es nicht mehr tun. die rahmenbedingungen sind nicht stabil. die umwelt muss zuerst so kaputt sein, dass es auch in bern spürbar ist, sogar bei der svp.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Ich verstehe das nicht. Ich bin gerade daran eine Beratung zu machen für ein Solarenergie-System. Alle Parameter stimmen, so dass die Installation auch bei einigen Schwankungen immer noch wirtschaftlich interessant bleibt. Würde mich schon interessieren, was in Ihrem Fall schief gelaufen ist.
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    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Ah, übrigens ich habe auch in Solar investiert, verzinst sich fix zu 2%. Ich sehe das Problem grad nicht. Alle andern Investitionsmöglichkeiten, die eine solche Verzinsung ergeben, waren mit wesentlich mehr Risiko belastet.
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  • Kommentar von Sascha Freitag (SF)
    Sehe ich anders. So lange der alte Kessel läuft, lohnt er sich. Schliesslich kostet eine neue Heizung eine handvoll Geld. Und bis der alte Kessel kaputt ist, ändern sich die Preise, Fördergelder, Gesetze etc nochmal. Und dann wären da noch verschiedene Varianten.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Sie sehen es anders als wer? Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe beklagt der Systemlieferant ja genau die Situation die Sie schildern. Obwohl Sie eine Fehlüberlegung machen. Je nachdem wie viel Oel ihr Kessel verbraucht, und je nachdem wie das Haus sonst in Schuss ist, macht eine vorzeitige Sanierung total Sinn. Im Idealfall können Sie eine neue Heizung in bloss 5 - 6 Jahren amortisieren. Danach läuft der Gewinn noch 30+ Jahre. Wo finden Sie eine bessere Investitionsmöglichkeit?
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