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Das Ende der Aera Ermotti bei der UBS
Aus Echo der Zeit vom 25.09.2020.
abspielen. Laufzeit 05:34 Minuten.
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UBS-Chef geht nach neun Jahren Sergio Ermotti: «Immer nur gemacht, was mich erfüllt hat»

Europas bestbezahlter Banker geht nach neun Jahren bei der UBS. Sergio Ermotti blickt mit eindrücklichen Zahlen zurück.

Während sich Nachfolger Ralph Hamers einarbeitet, hat der noch amtierende UBS-Konzernchef Sergio Ermotti Zeit für Interviews. Beginnen wir mit den jüngsten Gerüchten. Es heisst, die UBS prüfe, mit der Credit Suisse oder einer anderen grossen Konkurrentin in Europa zusammenzugehen – in einer Megafusion.

Sergio Ermotti lehnt sich zurück und holt aus: «Innerhalb Europas – inklusive der Schweiz – gibt es heutzutage zu wenig Banken in der Topliga. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die Situation stark verändert. Das entspricht nicht der Stärke Europas in der Weltwirtschaft.»

Innerhalb Europas – inklusive der Schweiz – gibt es heutzutage zu wenig Banken in der Topliga.
Autor: Sergio Ermotti

So gesehen mache eine Bereinigung in der europäischen Bankenlandschaft Sinn, sagt Ermotti. Aber die UBS sei kerngesund, schreibe gute Gewinne und habe keinen Handlungsdruck: «Die UBS ist heute strategisch und finanziell sehr stark positioniert, aber auch im Sinne der Wettbewerbsposition. Die UBS hat viele Möglichkeiten, weiterhin zu wachsen.»

Die Frage stellt sich trotzdem: Welche Rolle könnte die UBS bei einer Fusionswelle spielen, in einer sogenannten Konsolidierung? Ermotti sagt dazu: «Klar, wenn die Konsolidierung stattfindet, geht es nicht nur darum, was eine einzelne Bank macht, sondern auch, was die Wettbewerber machen. In diesem Sinne halten wir uns alle Optionen offen.» Er kommentiere aber nicht, was die Bank in der Zukunft mache, weil er die UBS ja verlasse.

Wir halten uns alle Optionen offen.
Autor: Sergio Ermotti

Ein Anfang mit vielen Baustellen

Der scheidende Konzernchef würde wohl kaum so gelassen über das Thema plaudern, stünde eine Fusion der UBS unmittelbar bevor. Aber genug mit Spekulationen. Blicken wir zurück.

2011 trat Sergio Ermotti im Alter von 51 den Posten des UBS-Chefs an. Damals war die Erinnerung an die Nahtod-Erfahrung der UBS noch frisch, die auf dem Höhepunkt der Finanzkrise mit staatlicher Hilfe gerettet worden war.

Weniger Investmentbanking, mehr Vermögensverwaltung

Ermotti musste die Bank wieder auf Kurs bringen. Er verkleinerte das riskante Investmentbanking. Er richtete die UBS als globale Vermögenverwaltungsbank neu aus – mit einer starken Präsenz im Heimmarkt Schweiz.

Die UBS stärkte ihre Kapitalbasis, um weniger krisenanfällig zu werden. Sie machte sich daran, Altlasten und Rechtsstreitigkeiten zu bewältigen, was viel Geld kostete. Ausserdem musste das Management das Vertrauen in die Bank zurückgewinnen – bei der Kundschaft, bei den Investoren und in der Politik. Keine leichte Aufgabe.

Schwierige Zeiten mit viel negativer Energie

«Das waren schwierige Zeiten mit sehr viel negativer Energie in der Bank. Mit der Zeit haben wir wieder positive Energie geschaffen. Insofern haben schon nach einigen Jahren viele in den Medien und vor allem in der Industrie den anderen Banken gesagt, sie sollten es à la UBS machen.»

Darauf ist Ermotti stolz. Was ihm jedoch nicht gelang: Den Aktienkurs markant und nachhaltig zu steigern. Zwar schneiden die Aktien im Vergleich zur direkten Konkurrenz gut ab. Dennoch ist der Kursverlauf enttäuschend.

Aktienkurs und vergessliche Aktionäre

Ermotti räumt ein, dass er sich das anders gewünscht hätte. Doch gleichzeitig stellt er fest: «Die UBS-Aktie ist heute fast gleich wie in der Zeit, als ich angefangen habe. Was sich in den letzten neun Jahren geändert hat, will ich in Zahlen ausdrücken: Wir haben 35 Milliarden Gewinne gemacht. Wir haben 18 Milliarden an Dividenden an die Aktionäre zurückgezahlt. Wir mussten zwölf Milliarden für Altlasten bezahlen. Wir haben die Risiken reduziert und das Kapital verbessert.»

Mit der Aufzählung bringt Ermotti zum Ausdruck, was sich im Aktienkurs nicht oder nur unvollständig spiegelt. Manche Aktionäre hätten ein kurzes Gedächtnis, fügt er an: «Was einkassiert worden ist, ist vergessen.»

Manche Aktionäre haben ein kurzes Gedächtnis. Was einkassiert worden ist, ist vergessen.
Autor: Sergio Ermotti

Der bestbezahlte Banker

Was das Einkassieren betrifft – wie lassen sich Jahressaläre in zweistelliger Millionenhöhe für Top-Banker begründen? Ermotti sagt dazu: «Ich habe von Anfang an immer nur das gemacht, was mich erfüllt hat. Die Vergütung war eine Konsequenz meines Jobs. Meine Priorität war immer: Werde ich gleich bezahlt wie die Kollegen oder die Wettbewerber, die das Gleiche machen.»

Dies sagt der Mann, der erst kürzlich wieder aus einer Studie über Spitzenverdiener als Europas bestbezahlter Banker hervorgegangen ist.

Echo der Zeit, 25.09.2020, 18:00 Uhr

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Zaugg  (rägetag)
    Schön für Hr Ermott.i Mancher würde gerne dass tun was im beliebt die wenigsten werden es je können. Mir wird schwarz vor Augen wenn ich an die Zukunft unserer Gesellschaft denke
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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Es ist ja genüsslich zu sehen dass auch die Schweiz Millionen Saläre zahlen kann aber gefährlich für das soziale Zusammenleben von
    Arm und Reich. Ich versuche seit langem
    In Kommentaren zu warnen, dass die Kluft dieser zwei Extreme gross und immer grösser wird, dazu der Druck der Migranten auf ganz Europa. Es ist bereits gefährlich für Revolten. Millionäre und Milliardäre müssen sterben genau wie die Aermsten unserer Welt ohne das sie etwas mitnehmen
    können
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  • Kommentar von Roman Kiser  (Xanthyras)
    Und was würde Herr Ermotti antworten auf die Fragen: Was hat er in seiner Amtszeit für die Menschen und für das Klima gemacht? Dass seine Bank nun gut dasteht ist ja schön. Aber das sind letzlich nur Zahlen. Wir sollten die Firmen am Grad des Dienstes für die Gesellschaft messen. Nicht nur am Abschlusssaldo. Gerade die Banken welche durch Investitionen Bereiche fördern und andere abklemmen können.
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    1. Antwort von Beat R. von Wartburg  (Beat R. von Wartburg)
      Und was würden Sie auf ihre Fragen antworten. Was haben Sie für Klima und Menschheit geleistet?
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    2. Antwort von Roman Kiser  (Xanthyras)
      Wenn sie schon so fragen Herr Wartburg gerne spontan paar Punkte:

      Klima:
      - Immer zu Fuss zur Arbeit, wenig Auto, kein Flugzeug
      - Eigener Garten, weniger Fleisch
      - Der grösste Teil von meinem Ersparten ist klimafreundlich angelegt
      - Ich überdenke immer kritisch meinen Konsum

      Menschen:
      - Ich informiere mich über Wissenschaft und Philosophie und versuche das Wissen weiterzugeben
      - Ich spende soweit wie möglich Geld an Hilfsorganisationen
      - Ich engagiere mich politisch

      Und sie?
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