UBS-Experte: «Wenn Weil redet, wird es für Kurer gefährlich»

Bei einer Auslieferung von Ex-UBS-Banker Weil an die USA könnte es für Spitzenleute der Bank aus der damaligen Zeit «brandgefährlich» werden. Dies sagt Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig und nennt vor allem den früheren Präsidenten Peter Kurer. Die UBS als Institution sei dadurch nicht gefährdet.

Ex-UBS-Vermögensverwaltungschef Raoul Weil Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Italien-Besuch mit Folgen: Der ehemalige Chef der UBS-Vermögensverwaltung Raoul Weil. Keystone

Der sorglose Abstecher von Ex-Banker Raoul Weil nach Italien trotz internationalen Haftbefehls könnte diverse andere UBS-Spitzenleute aus der damaligen Zeit in grosse Verlegenheit bringen. Davon ist der Wirtschaftsjournalist und Leiter der Internet-Zeitung «Inside Paradeplatz», Lukas Hässig, überzeugt.

Hässig geht davon aus, dass Weil bei einer Auslieferung an die USA mit den dortigen Behörden kooperieren wird. Etwas anderes bleibe ihm gar nicht übrig. «Und dann bleibt die Frage, was Weil über wen erzählen wird», stellt der UBS-Experte gegenüber SRF fest.

Kurer war für das Rechtliche verantwortlich

Fürchten müsste sich in diesem Zusammehang wohl vor allem Peter Kurer, wie UBS-Experte Hässig sagt: Kurer stiess im Frühling 2001 zur UBS, war dann bis 2008 für alles Rechtliche der Grossbank zuständig und wurde dann Präsident nach Marcel Ospel. «Und hier geht es um Rechtliches, nämlich die Frage, ob oberste UBS-Verantwortlichen aus der damaligen Zeit wissentlich US-Recht verletzt haben», so Hässig.

Noch Dutzende weitere im «goldenen Käfig»

UBS-Experte Lukas Hässig zum «Fall Weil»

3:03 min, aus SRF 4 News aktuell vom 21.10.2013

Der frühere Vermögensverwaltungschef Weil wurde als Schweizer Staatsbürger seit vier Jahren international gesucht. Er konnte sich nur noch in der Schweiz ganz sicher fühlen. Zahlreiche andere Ex-Banker teilen das gleiche Schicksal.

Hässig schätzt deren Zahl auf 40 bis 50 und verweist auf entsprechende Anklagen. «Die Schweiz ist für sie damit zu einem goldenen Käfig geworden – mit den Ausmassen Bodensee-Genf und und Basel-Chiasso.»

Kunz: Keine Probleme für UBS, aber allenfalls für Angestellte

Für die Grossbank UBS als Institut sieht auch Wirtschaftsrechter Peter V. Kunz von der Universität Bern keine negativen Folgen durch die Festnahme und allfällige Auslieferung: Die UBS habe das Problem mit dem 780-Millionen-Dollar-Vergleich und den Datenlieferungen gelöst. «Sie ist damit – zumindest juristisch gesprochen – seit einigen Jahren fein raus», sagt Kunz auf Anfrage.

Da sich der Vergleich aber nur auf die Bank und nicht auf die Bankangestellten beziehe, könne die Festnahme Weils für letztere durchaus Probleme schaffen: «Wer in den USA angeklagt wird, muss regelmässig die Waffen strecken und kooperieren», betont Kunz. Die Verteidigungsstrategie laufe meist darauf hinaus, andere mutmassliche Beteiligte anzuschwärzen. Entsprechend müssten sich auch andere UBS-Angestellte vorsehen, wenn es soweit komme.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Nach Inhaftierung: Topbanker fürchten sich

    Aus 10vor10 vom 21.10.2013

    Raoul Weil, ehemals Leiter Vermögensverwaltung bei der UBS, wurde in Italien verhaftet. Er war laut den Behörden einer der Verantwortlichen im Libor-Skandal. Verschiedene Banker hatten den weltweit wichtigsten Referenzzins manipuliert, um sich selbst zu bereichern. Viele fürchten nun, ebenfalls angeklagt zu werden.

  • Ehemaliger UBS-Mitarbeiter in Italien verhaftet

    Aus Tagesschau vom 21.10.2013

    Die italienische Polizei hat Raoul Weil, den früheren Vermögensverwaltungschef der UBS, in Bologna festgenommen – im Auftrag der USA. Weil soll amerikanischen Bankkunden geholfen haben, rund 20 Milliarden Dollar an den Steuerbehörden vorbei zu schmuggeln.

  • Ehemaliger UBS-Mitarbeiter in Italien verhaftet

    Aus Rendez-vous vom 21.10.2013

    Italienische Polizisten haben Raoul Weil, den ehemaligen Chef der UBS- Vermögensverwaltung, in Bologna verhaftet - im Auftrag der USA. Er soll US-BankkundInnen geholfen haben, rund 20 Milliarden Dollar an den Steuerbehörden vorbeizuschmuggeln. Wie überraschend ist die Verhaftung?

    Thomas Oberer