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Ist Gelddrucken die Rettung?
Aus SRF 4 News aktuell vom 30.10.2019.
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Verschuldung der USA Frisches Geld drucken: Simple Lösung für komplexe Zusammenhänge?

Anstatt sparen einfach drucken: Für den US-Ökonomen Randall Wray wäre das für Staaten die beste Lösung.

Wenn es nach Randall Wray ginge, könnte alles einfach sein. Seit 25 Jahren forscht der US-amerikanische Ökonom an einer Formel, um Rezessionen und soziale Ungleichheiten zu bekämpfen. Moderne Monetary Theory (MMT) heisst sein Ansatz.

Die Idee: Wenn Geld für staatliche Investitionen fehlt, soll die landeseigene Notenbank nachhelfen. Es sei falsch, wie Notenbanker in den letzten 30 Jahren gedacht hätten. «Sie glauben, die amerikanische Regierung agiere wie ein normaler Haushalt. Aber das ist kompletter Unsinn», so Wray.

Glorreiche Nachkriegszeit?

Denn anders als Private können Staaten unbegrenzt Schulden machen. Wird das Budget knapp, könnte die Notenbank einfach Geld aus dem Nichts schaffen.

Die Schulden der USA nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Basis für ein wirtschaftliches Wunder, für das goldene Zeitalter des Kapitalismus.
Autor: Randall WrayUS-Ökonom

Schon der Zweite Weltkrieg habe bewiesen, wie sinnvoll das sei. «Die US-Regierung hat ihre Schulden damals von fast null auf hundert Prozent des Bruttoinlandsprodukts angehoben», wie Wray ausführt.

Aber das habe niemanden gestört. «Es war sogar die Basis für ein wirtschaftliches Wunder, für das goldene Zeitalter des Kapitalismus.» Was wie ein Heilsversprechen klingt, ergibt auf den ersten Blick durchaus Sinn.

Keine Pleite möglich

Solange sich ein Staat in der eigenen Währung verschuldet, kann er gar nicht Pleite gehen. Genau das machen sich immer mehr Politiker zunutze. Sozialistische Linke in den USA wie Bernie Sanders oder Alexandria Octavio Cortes werben mit den Prinzipien der modernen Geldpolitik für ihre Sozialprogramme.

Job-Garantien, Krankenversicherungen für alle und der Green New Deal – die ökologische Industriewende – wollen irgendwie finanziert werden.

«Weniger ausgeben oder mehr einnehmen»

Bei Notenbankchef Jerôme Paul stossen sie damit allerdings auf Unverständnis. «Der Gedanke, dass Defizite für Staaten keine Rolle spielen, ist falsch.» Die Schulden der USA seien jetzt schon hoch. Zudem wüchsen sie schneller als das Bruttoinlandsprodukt der USA. «Wir müssen also entweder weniger Geld ausgeben oder mehr Geld einnehmen», sagt Paul.

Selbst viele linke Politiker, die für höhere Staatsschulden offen sind, hadern mit den Prinzipien der modernen Geldtheorie.

Larry Summers, ehemaliger US-Finanzminister unter Bill Clinton, nannte das Konzept einst Voodoo-Ökonomie. Der Harvard-Professor warnt vor den Gefahren einer Inflation. Das Prinzip, Geld zu drucken, um Schulden zu finanzieren, sei aus Lateinamerika bekannt. «Dort hat es zu Hyperinflation geführt.» Es gebe kein Land, das die Theorie erfolgreich in ihre Wirtschaft integriert habe, so Summers.

Japan als Beispiel

Dass Inflation droht, wenn die Geldmenge steigt, ist den Anhängern der modernen Geldtheorie bewusst. Werden Güter teurer, müsse der Staat einfach die Kaufkraft senken, so Professor Wray.

Das geschehe, indem er die Steuern erhöhe und den Konsum verteuere, natürlich nicht, ohne die Verbraucher zu entschädigen. «Wir würden sagen: Wir erhöhen eure Steuern, aber dafür bekommt ihr später mehr Rente und bessere Sozialhilfeleistungen. Ihr könnt zwar jetzt weniger konsumieren, aber im Rentenalter mehr, als wir derzeit versprechen.»

Trotz breiter Kritik glaubt Wray weiter daran, dass das Konzept funktionieren kann. Denn es gebe durchaus Beispiele für Staaten, die Wachstum und Vollbeschäftigung über die Notenpresse finanzierten. In Japan etwa experimentierten Staat und Zentralbank seit einigen Jahren mit Elementen der MMT. Und dort sei weit und breit keine Inflation zu sehen.

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Aus dem Archiv: Der Zustand der US-Wirtschaft
Aus 10vor10 vom 23.01.2018.
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28 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Jorns  (Benedikt Jorns)
    Unsere Nationalbank bringt genau soviel neues Geld in Umlauf, dass der Wechselkurs zum Euro ungefähr konstant bleibt. Sie kauft mit diesem neu geschaffenen Geld ausländische Aktien. Der Gewinn daraus wird langfristig möglichst konstant gemäss einer ausgehandelten Verteilung den Kantonen ausbezahlt. Eigentlich "druckt" sie so nur das den Kantonen überreichte Geld und das genügt in den meisten Jahren nicht. Zudem sollte dieses Geld für einmalige rasch zu realisierende Projekte verwendet werden.
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Warum sind eigentlich die Zinsen fast bei Null und werden es noch für lange bleiben, weil die Staatsachulden im Verhältnis zu der Wirtschaftskraft eines Landes stehen müssen. Wie viel kann ein Land in einem Jahr vorallem durch Steuern einnehmen und damit die Zinsen in Schach halten, wenn nun dieses Verhältnis BIP ( Wirschaftskraft) zu Neuverschuldung schlechter wird wird auch die Möglichkeit die Zinsen anzuheben schlechter. Ohne Zinsen, die so viele verteufeln, kann aber nicht mehr gesteuert w.
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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Ganz ehrlich, ich checke da nicht wirklich alles ganz genau. Aber ich ich meine zu wissen, dass jedes Land das bisher die Gelddruckmaschine angeworfen hat über kurz oder lang ein Problem bekam.
    Seit bei uns die "Schuldenbremse" eingeführt wurde, hat sich die Staatsverschildung jedenfalls in engen Grenzen gehalten. Wenn der Stutz nicht für alles reicht, muss eben die Politik die Prioiritäten setzen. Jeder weis: Begrenzte Mittel reichen nicht für alles - und immer!
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