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Legende: Video Ein Abschwung mit Ansage abspielen. Laufzeit 07:08 Minuten.
Aus ECO vom 26.08.2019.
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Viertes Quartal in Folge Swissmem beklagt sinkende Auftragszahlen

Nicht Trump ist schuld und sein Wirtschaftsstreit. Nicht die Briten und der Brexit. Die Gründe gehen tiefer.

Der Direktor des Verbands der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie schlägt im Wirtschaftsmagazin «ECO» Alarm. «Die Auftragseingänge sind im ersten Quartal schon minus 5 Prozent gewesen, und wir befürchten, dass die Zahlen im zweiten Quartal noch schlechter aussehen», sagt Stefan Brupbacher.

Das bedeutet: Die Auftäge sinken das vierte Quartal in Folge.

Voraussehbare Krise

Die Ursache dafür verortet Stefan Brupbacher im Brexit, im Handelsstreit und der Regierungskrise in Italien. Der EU gehe es schlecht und damit dem wichtigsten Exportmarkt der Schweiz: «Wir haben eine Nachfragekrise und einen steigenden Franken.»

Vor rund zwei Jahren wussten wir ja noch nichts von diesem Handelskrieg und trotzdem haben wir diese Krise schon prognostiziert.
Autor: Josua BurkartHPO Partner

Anders als der Verbandschef führen manche Konjunkturforscher als Ursache nicht die aktuelle Weltpolitik ins Feld. Im Gegenteil: Die Krise komme nicht wie ein Unwetter, gegen das man nichts ausrichten kann, sie sei längst prognostiziert. Das sagt Josua Burkart. Er ist bei der Unternehmensberatungsfirma HPO für «Forecasting» zuständig: «Wir prognostizieren den Abschwung seit rund zwei Jahren für 2019 - 2020. Wir wussten noch nichts von diesem Handelskrieg.»

Konsum- und Industriezyklus
Legende: Konsum- und Industriezyklus «Wir verstehen die Wirtschaft als schwingendes System», sagt Josua Burkart. So liessen sich zuverlässige langfristige Konjunkturprognosen erstellen. HPO

«Wir sehen, dass sich beide Zyklen momentan auf einem Höhepunkt befinden oder den Höhepunkt bereits überschritten haben», sagt Josua Burkart. In den letzten 50 Jahren hab diese Konstellation von Indikatoren dazu geführt, dass jeweils eine grössere Krise gekommen sei: die erste Ölkrise, die zweite Ölkrise, die 90er-Jahre, die Dotcom-Krise 2001, die Finanzkrise 2008. HPO sieht gerade auf zyklische Branchen wie den Maschinenbau schwere Zeiten zukommen.

Doch nicht alle Firmen sehen die Krise als Gefahr. So etwa der Schmierstoffhersteller Blaser Swisslube. «Wir Schweizer Unternehmer sind konstant gefordert, uns in Frage zu stellen, und zu schauen, wie wir unter schwereren Rahmenbedingungen erfolgreich und wettbewerbsfähig bleiben können», sagt CEO Marc Blaser und ergänzt: «Es ist ein grosses Glück bei uns. Alle Mitarbeitenden sind aktiv und unternehmerisch denkend, was Innovation und Verbesserungen mitzieht. Und das hilft.»

Gestärkt aus der letzten Krise

Ähnlich klingt es bei Trumpf. Das deutsche Unternehmen stellt im bündnerischen Grüsch Laserschneidmaschinen her. «Wir haben Hochphasen und Phasen der Krise», erklärt Andreas Conzelmann, CEO von Trumpf Schweiz. «Wir sind geübt im Umgang mit Krisen. Wir haben Massnahmenkataloge, wo wir je nach Härtegrad auch entsprechend reagieren.» Trumpf Schweiz konnte nach der Finanzkrise 2008 den Umsatz verdoppeln und stark expandieren.

Kurzeinschätzung von Wirtschaftsredaktor Tilman Lingner

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Es ist die Aufgabe von Swissmem, Alarm zu schlagen, wenn es den Mitgliedern des Verbands schlecht geht. Und die Aussichten sind unbestritten düster. Doch die Krise kommt nicht unerwartet. Ein mehr als 10 Jahre andauernder Konjunkturzyklus geht zu Ende. 10 fette Jahre, die eigentlich helfen sollten, ein paar magere Jahre zu meistern.

Natürlich kommt nun das Gegenargument von der Aufhebung des Mindestkurses, die die Schweizer Exportwirtschaft 2015 schwer belastet und die Gewinnmargen hat schrumpfen lassen. Das ist sicher richtig. Interessanter aber ist, dass einige Unternehmen in und wegen der Krise Innovationen vorangetrieben haben. Damit haben sie ihre Konkurrenzfähigkeit im internationalen Wettbewerb verbessert und zum Teil den Umsatz nach der Krise massiv steigern können.

Die anstehende Krise wird nach Ansicht von Experten schwer und lang. Eine Katastrophe wird sie aber nur für die Unternehmen, die es verpasst haben, sich für schwierige Zeiten zu wappnen.

Beide Unternehmen hat die letzte Krise stärker gemacht. Dieses Mal werde es allerdings nicht leicht, prognostiziert Unternehmensberater Josua Burkart.

«Im Gegensatz zu 2008, wo wir eine typische V-Krise hatten, sprich: einen starken Rückgang und danach wieder einen starken Aufschwung, sehen wir das nun eher nicht.» 2009 habe China viele aus dem Sumpf herausgezogen. «China ist aber heute selbst in einer schwierigen Situation und wird diese Rolle dieses Mal nicht spielen können», so Josua Burkart.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Es wird immer gejammert. Mann konnte ja nie genug kriegen, alles schnell und schneller, wie war egal. aber wenn es nicht mehr so schnell geht, merkt man plötzlich, was machen wir bloss mit den Angestellten? wieso haben wir so schnell alles verbaut? Wohin dann mit den Arbeitslosen? Irgendwann kommt die Retourkutsche und wir haben keine Lösung dafür. Bezahlen werden wir alle für unser Unersättlichkeit.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Die Schweizer Industrie konnte ihren Standortnachteil dank 3 Gegebenheiten wettmachen: 1. Günstige Energie. 2. Liberale Gesellschaft. 3. Gute Ausbildung und Technologisches Knowhow. Knowhow ist heute viel einfacher zugänglich als früher und gerade im rohstoffreichen Osteuropa sind die Leute gut ausgebildet. Dank linksgrün wird die Energie massiv verteuert und, wiedeum dank linksgrün, der Verwaltungsaufwand durch staatliche Zwangsvorgaben (bsp. Konzernverantwortungsinitiative) massiv erhöht.
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  • Kommentar von Sebastian Köhler  (Tekk)
    Hört sich so an als wenn es wieder Zeit wird gratis überstunden für die armen firmen zu leisten, mal schauen ob dieses mal wieder alle Arbeiter so brav mitmachen. Ist ja auch nicht zu viel verlangt oder?
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