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Virtuelle Generalversammlung der Credit Suisse
Aus Echo der Zeit vom 30.04.2020.
abspielen. Laufzeit 04:19 Minuten.
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Virtuelle GV der Credit Suisse Gelebte Aktionärsdemokratie sieht anders aus

Die CS-Generalversammlung hätte zur «Chropfleerete» zur Beschattungsaffäre werden können. Doch in Zeiten von Corona muss die Kritik der Aktionäre ausbleiben.

In der Regel brauchen die Aktionärinnen und Aktionäre Sitzleder: Denn Generalversammlungen von Grossbanken können gut und gerne mehrere Stunden dauern.

Wenn die Konzernspitze auf ihre Anteilseigner trifft, gehört eine «Chropfleerete» alljährlich dazu. Bei der CS hätte zweifellos ein Thema dominiert: die Beschattungsaffäre rund um die beiden ehemaligen CS-Top-Banker Iqbal Khan und Peter Goerke. Monatelang hatten Enthüllungen, Mutmassungen, Dementis, Untersuchungsberichte und Management-Wechsel für süffisante Schlagzeilen gesorgt. Das Image der zweitgrössten Schweizer Bank nahm Schaden.

«Chropfleerete» fällt Corona zum Opfer

Verwaltungsratspräsident Urs Rohner hatte sich eisern hinter seinen Konzernchef Tidjane Thiam gestellt, bis dieser im Februar dann doch nicht mehr tragbar war und den Hut nahm. Dafür hätte Rohner sicherlich Kritik geerntet. Doch die «Chropfleerete» blieb aus: An der virtuell durchgeführten GV , Link öffnet in einem neuen Fensterwaren keine Wortmeldungen zugelassen.

Screenshot der virtuellen CS-Generalversammlung
Legende: Keine Wortmeldungen zugelassen: die virtuelle Generalversammlung der Credit Suisse. Screenshot CS-Webseite

Rohner selber machte in seiner Ansprache, die per Webcast übertragen wurde, schon fast krampfhaft einen Bogen um die unsägliche Geschichte, obwohl sie seinen Aktionärinnen und Aktionären beim Zuschauen zuhause vor den Computern wohl am meisten unter den Nägeln brannte.

VR-Präsident meidet Thema – kassiert Ohrfeige

Der Präsident tippte die Affäre nur äusserst knapp an: «Vergangenes Jahr haben uns auch einige personelle Angelegenheiten beschäftigt. Infolge des Rücktritts von Tidjane Thiam als CEO ernannte der Verwaltungsrat im Februar 2020 Thomas Gottstein zum neuen CEO der Gruppe.» Mehr sagte Rohner dazu nicht.

Das unrühmliche Verhalten der CS-Spitze beim Beschatten von ehemaligen Top-Managern hinterliess dennoch Spuren an der GV. Am deutlichsten zeigte sich das bei der Wiederwahl von Urs Rohner: Nur knapp 78 Prozent der Aktionäre wählten ihn wieder; in den Vorjahren waren es mit jeweils rund 90 Prozent deutlich mehr.

Das kommt einer Ohrfeige gleich. Und das bei der Wahl zu seinem letzten Amtsjahr an der Spitze der CS. Denn im nächsten Jahr wird er aufgrund einer Amtszeitbeschränkung, die er selber eingeführt hat, zurücktreten.

Screenshot der CS-Generalversammlung
Legende: Eine Ohrfeige für CS-Präsident Rohner: Vizepräsident Schwan verkündet an der virtuellen Generalversammlung das Wahlergebnis. Screenshot CS-Webseite

Rohner dankt

Ganz zum Schluss der virtuellen GV sprach Rohner den Ärger seiner Anteilseigner dann doch noch einmal an. An seine virtuell zugeschalteten Aktionäre sagte er: «Ich danke Ihnen auch ganz speziell dafür, dass trotz der teilweisen Turbulenzen in den vergangenen Monaten alle Anträge des Verwaltungsrates mit klaren Mehrheiten angenommen wurden.»

Nach gerade einmal einer Stunde war der Spuk vorbei. Ohne Publikum. Ohne Voten. Ohne obligates Buffet im Anschluss. Gelebte Aktionärsdemokratie sieht anders aus.

Echo der Zeit, 30.4.2020, 18 Uhr

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Es wird niemand gezwungen CS Aktionär zu sein, zu werden oder zu bleiben...
    Der jetztige Verwaltungsrat hat ein Riesenglück, dass er die diesjährige GV so virtuell abhalten kann. Ein Jahr Zeit um das auszusitzen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Epple  (Corax)
    Für mich verkommt der Ausdruck «Aktionärsdemokratie» zur farcenhaften Worthülse.
    Die Hofnarren erhalten einmal im Jahr die Gelegenheit, dem Verwaltungsrat ins Gewissen zu reden.
    Am Verhalten wird sich aber kaum etwas ändern.
    Die Entscheide wurden lange vor der GV von/mit den grossen Investoren getroffen.
    Und die heutige «Ohrfeige» wird der Verwaltungsratspräsident ohne Scham wegstecken.
    Er kann sich an der beachtlichen Vergütung freuen.
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