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Wirtschaft VW trickst – die anderen auch?

VW täuscht Tester mit einer Software, die erkennt, ob ein Fahrzeug gerade geprüft wird – und dann weniger Abgase produziert. Ein Programm, das zwischen Testanlage und Strasse unterscheidet, ist praktisch in allen Autos installiert. Ist VW also kein Einzelfall? Auto- und Umweltlobby sind uneins.

Ein Auspuff an einem Volkswagen-Auto
Legende: Das Corpus Delicti – gesteuert werden kann es auch über die Software. Das weiss nicht nur Volkswagen. Keystone

Andreas Burgener ist Geschäftsführer von auto-schweiz, dem Verband der Importeure. Von Haus aus ist er Auto-Ingenieur. Für ihn ist die Existenz dieses Programms ganz normal. Denn, wie aus Burgeners Ausführungen hervorgeht: Alle Autos verfügen über ein Programm, das dem Motor anzeigt, wenn sich das Fahrzeug auf dem Prüfstand befindet.

Nur so können jene Komponenten ausgeschaltet werden, die bei der Motorfahrzeugprüfung stören würden. Heisst das also, dass möglicherweise nicht nur VW seine Software so ausgestaltet, dass sie Abgaswerte schönt? «Ich gehe von der Unschuldsvermutung aus. Alles andere wäre ein gefährliches Spiel, wie das aktuelle Exempel aufzeigt.»

Ich gehe von der Unschuldsvermutung aus.
Autor: Andreas BurgenerGeschäftsführer von Auto Schweiz

Etwas anders sehen das die Umweltschutzverbände. Kurt Egli erstellt seit Jahren für den VCS die Auto-Umweltliste. Er vergleicht dabei die Abgaswerte, welche die Autohersteller angeben mit dem tatsächlichen Ausstoss. Die Vorkommnisse bei VW überraschen ihn nicht. «Es ist ein grosses Problem bei den Abgaswerten: Was wird getestet und was passiert dann in der Realität?»

Untersuchungen, so Egli, hätten gezeigt, dass bei Dieselfahrzeugen der Ausstoss des Umweltgiftes Stickoxyd um bis zu 30 Mal höher liegen kann, als dies die Hersteller angeben. Zurückzuführen ist das auf die Laborbedingungen, unter denen die Hersteller die Abgaswerte messen. Diese Standard-Tests haben mit dem realen Verhalten von Autofahrern und damit dem Abgasausstoss wenig zu tun.

Was wir in den USA gesehen haben, ist nur die Spitze des Eisberges.
Autor: Kurt EgliVCS

Das gibt auch auto-schweiz-Chef Burgener zu: «Man kann sich in der Tat darüber unterhalten, wie die Realität da abgebildet wird». Die Autoindustrie ist deshalb daran, einen Test zu entwickeln, der für alle Fahrzeuge gilt, egal ob sie aus amerikanischer, europäischer oder japanischer Produktion kommen. Das soll die Vergleichbarkeit verbessern.

Die Abgas-Manipulation verhindere das aber nicht, sagt Kurt Egli: «In Europa sind die Gesetze nicht ganz so streng. Also kann man mit Ausnützung von Gesetzeslücken versuchen, Geld zu sparen. In den USA ist die Gesetzgebung strenger, was vielleicht auch der Grund war, weshalb VW so vorgegangen ist.»

Die lange Erfahrung von Kurt Egli sagt ihm eines: «Was wir in den USA gesehen haben, ist nur die Spitze des Eisberges.» Ob das wirklich stimmt, wird sich weisen. Die US-Umweltbehörde jedenfalls will es genauer wissen. Sie hat angeordnet, Diesel-Fahrzeuge auch von andern Herstellern unter die Lupe zu nehmen. Welche Autobauer betroffen sind, gibt sie nicht bekannt.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Johnny Torturo (Johnny T.)
    Ich verstehe das nicht, Die USA ist strenger als Europa? In dem land wo alle Autos x Liter mehr verbrauchen, Kohlekraftwerke, kaum sich um die CO2 Emissionen schert. Ich hoffe die Benziner wurden auch manipuliert in Europa, dann kann man auch hier klagen:)
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  • Kommentar von Thomas Herbst (Tautunno)
    Und noch etwas: Es war zu lesen, der Fall VW sei möglicherweise nur die Spitze eines Eisbergs. Das Bild ist absolut zutreffend. Unter der Wasserlinie befinden sich nicht nur die anderen Hersteller sondern auch die Autos mit Benzinmotoren. Die ganze Debatte drehte sich bislang nur um Dieselfahrzeuge. Man kann ja nicht ernsthaft annehmen, dass ein Autobauer bei seinen Benzinern nicht trickst, wenn das bei den Selbstzündern so gut geht! Tolle Zeiten für die Börse: Jetzt kommt die Abgaskrise ;-)
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    1. Antwort von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
      Nein, Herr Herbst, bei den Benzinmotoren gibt's diese Probleme nicht. Vielleicht mit Ausnahme der modernen Direkteinspritzer, die erzeugen nämlich ebenfalls Feinstaub wie der Diesel. Ansonsten sind die traditionellen Benziner mit Saugrohreinspritzung und Abgaskatalysator problemlos, weil deren Verbrennungsverfahren nicht die hohen Stickoxidwerte erzeugt wie das beim Dieselmotor.
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  • Kommentar von Thomas Herbst (Tautunno)
    Die Frage, die immer noch nicht beantwortet wurde, ist die: Hat sich die Autoindustrie einfach eine Gesetzeslücke zunutze gemacht, was ja noch kein illegales oder kriminelles Verhalten wäre, oder wurde trotz klarer Regelungen ein Weg gesucht, diese zu umgehen. Eine Täuschung der Konsumenten ist es auf jeden Fall. Wobei ein Grossteil mit dieser Täuschung ganz gut leben konnte. Die Autos liefen ruhiger, kraftvoller und möglicherweise sogar sparsamer - welcher Autobesitzer hat da schon was dagegen.
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