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Kritisiert die Beteiligungsstrategie von Postfinance: Samuel Rutz Avenir Suisse
Aus ECO vom 21.09.2020.
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Wagniskapital-Investitionen Riskante Geschäfte von Postfinance

Die Post-Tochter investiert in Start-Ups – eine zu riskante Strategie, finden Kritiker.

Postfinance investiert seit 2016 in Unternehmen, darunter auch Jungunternehmen. Es sind in- und ausländische Start-ups, zum Beispiel im Bereich Online-Geldanlagen und finanzielle Lebensplanung.

Samuel Rutz von der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse sagt, die Banktochter der Post gehe falsche Wege auf der Suche nach neuen Einnahmen:

«Ich glaube nicht, dass ein staatlicher Betrieb etwas in diesem Venture-Capital-Teich zu suchen hat, das ist gefährlich.» Es gehe um Risikokapital, um ausserbörsliche Beteiligungen an Unternehmen, «die als sehr riskant gelten.»

Eine wesentlich Beteiligung von Postfinance ist gemäss Geschäftsbericht die Schweizer Zahlungsplattform Twint, an der Postfinance 27 Prozent hält. Insgesamt ist Postfinance an 20 Firmen, Link öffnet in einem neuen Fenster beteiligt.

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Überblick über die Postfinance-Beteiligungen
Aus ECO vom 21.09.2020.
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Kritik an mangelnder Transparenz

Über die Postfinance-Beteiligungen ist im Geschäftsbericht im Detail nichts zu erfahren, beispielsweise, ob die Unternehmen bereits in der Gewinnzone sind. «Es fehlt an Transparenz», kritisiert Suzanne Ziegler, Bankenprofessorin an der ZHAW (Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften).

Transparenz bedeute für sie, dass man die einzelnen Beteiligungen offenlegt sowie «deren Performance und auch allfällige Verluste oder Gewinne aufzeigt.»

Buchverlust des Beteiligungsportfolios

Über einzelne Beteiligungen könne Postfinance keine Auskunft geben, heisst es vom Unternehmen auf Anfrage von «ECO», darüber sei jeweils Stillschweigen vereinbart worden.

Postfinance weist im Geschäftsbericht , Link öffnet in einem neuen Fensterlediglich den Gesamtwert der Beteiligungen aus: Ein Anschaffungswert von 172 Millionen Franken (bereinigt um Zu- und Verkäufe) steht einem Buchwert Ende 2019 von 105 Millionen Franken gegenüber. Daraus ergibt sich ein Buchverlust von 67 Millionen Franken.

Einmaliger Gewinn von 24 Millionen Franken

Postfinance äussert sich wie folgt dazu: «Die Differenz zwischen Anschaffungswert und Buchwert erklärt sich durch die sehr konservative Bewertungspraxis in der Buchhaltung von PostFinance. (...) Aus diesem Grund kann aus den hohen Wertberichtigungen auf dem Beteiligungs-Portfolio nicht auf effektive Verluste geschlossen werden.»

Postfinance betont, dass die im Beitrag gezeigte Darstellung des Beteiligungs-Portfolios mit dem Buchverlust von 67 Millionen Franken nicht der Wertentwicklung der Beteiligungen entspricht. In der Berechnung fehlen die im Geschäftsbericht 2019 ausgewiesenen Marktwertreserven auf den kotierten Beteiligungen (34 Millionen Franken) und der ebenfalls im Geschäftsbericht 2019 kommunizierte einmalige Gewinn aus Beteiligungsverkäufen in der Höhe von 24 Millionen Franken. Dieser Gewinn wurde im «ECO»-Bericht vom 21. September nicht erwähnt. «ECO» bedauert dieses Versäumnis. Der Gewinn ist ein Beispiel dafür, dass aus Buchverlusten auf Beteiligungen beim Verkauf durchaus Gewinne resultieren können.

Postfinance: Buchverlust ist nicht effektiver Verlust

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«Die Differenz zwischen Anschaffungswert und Buchwert erklärt sich durch die sehr konservative Bewertungspraxis in der Buchhaltung von Postfinance. Diese wird in der Zeile «Beteiligungen mit Kurswert» ersichtlich. Die in den Büchern mit 45 Millionen Franken bewerteten Aktiven haben einen effektiven Marktwert von 79 Millionen Franken und damit 75 Prozent mehr als in der Bilanz ausgewiesen. Die gleichen konservativen Grundsätze werden für Beteiligungen ohne Kurswert angewendet. Der auf Seite 30 des Geschäftsberichts offengelegte Verkauf von Beteiligungen zeigt einen Gewinn von 24 Millionen Franken. Dieser Gewinn kam auch durch die tiefe Bewertung in der Bilanz gegenüber dem effektiven Verkaufspreis zustande. Aus diesem Grund kann aus den hohen Wertberichtigungen auf dem Beteiligungs-Portfolio nicht auf effektive Verluste geschlossen werden.»

Mit ihren Beteiligungen verfolge Postfinance nicht nur Renditeziele. Dank der Zusammenarbeit mit Startups wolle man näher am Markt sein, erhalte neues Wissen und könne neue Produkte, Dienstleistungen, Geschäftsmodelle oder Technologien erkennen.

Postfinance unter Druck

Das Unternehmen erklärt seine Beteiligungsstrategie wie folgt: «Postfinance steht aufgrund des eingeschränkten regulatorischen Spielraums und des erodierenden Zinsdifferenzgeschäfts noch stärker als andere Unternehmen unter Druck, neue Geschäfts- und Ertragsfelder aufzubauen.»

Neben der Optimierung des bestehenden Geschäfts sei eine Möglichkeit, sich an innovativen Jungunternehmen zu beteiligen.

Ein Beispiel für eine erfolgreiche Beteiligung der Postfinance sei Twint, die Schweizer Mobile App für digitales Zahlen. Diese Beteiligung illustriere, dass Postfinance erfolgreiche und innovativen Lösungen vorantreiben könne, dass es für den Erfolg unter Umständen aber viel Zeit benötigen könne.

Auf der Suche nach neuen Einnahmen

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Postfinance kämpft gegen sinkende Einnahmen. Das bisherige Geschäftsmodell mit dem gesetzlich auferlegten Kreditverbot funktioniert wegen der anhalten tiefen Zinsen immer weniger. Die Corona-Krise sorgt für einen zusätzlichen Rückgang. Die Umsätze der Bargeld-Transaktionen am Schalter und online sind eingebrochen. Im ersten Halbjahr 2020 erzielte das Unternehmen einen Betriebsgewinn von 58 Millionen Franken - 86 Millionen weniger als in der Vorjahresperiode. Postfinance sucht deshalb nach neuen Ertragsquellen und fordert, dass sie ins Hypothekar- und Kreditgeschäft einsteigen darf. Die Vernehmlassung über die Aufhebung des Kreditverbots läuft bis am 25. September.

ECO vom 21. September 2020;

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Bosshardt  (fbosshardt)
    PF macht also auf 'Rocket Internet' und hofft auf Erfolge wie Zalando und Hello Fresh. Das kann nicht Aufgabe von PF sein. Gebühren am Schalter abzwacken ist doch ihr einträgliches Geschäft!
  • Kommentar von Franz Peter Lehmann  (nashorn19)
    Wenn die PostFinance keine eigene Lizenz haben darf, dann eine eigene Bank als Tochterfirma die nur Inlandgeschäfte tätigt und mit einem sofort abgeschriebenen Volumen von 50Mio. Startups finanziert, Gewinn erwirtschaften muss mit dieser Position und somit laufend auch kleine Risikopositionen als Beitrag an die Ch-Gesellschaft leistet.
  • Kommentar von Michael Kaufmann  (Michael Kaufmann 6048)
    PostFinance darf keine Hypotheken vergeben und deswegen investiert sie in Venture Capital... ein Witz!