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WEF 2014 Swiss-CEO: «Staat soll sich an Sicherheitskosten beteiligen»

Im Bahn- und Strassenverkehr komme der Staat für die Sicherheitskosten auf – nicht so in der Luftfahrt. Das kristiert Swiss-CEO Harry Hohmeister im SRF-Interview am WEF. Auch Lohnsenkungen für Swiss-Angestellte schliesst er nicht aus. Genauso wenig wie sich selbst als Chef der Lufthansa.

Legende: Video WEF-Interview mit Swiss-Chef Harry Hohmeister abspielen. Laufzeit 13:23 Minuten.
Aus News-Clip vom 25.01.2014.

Reto Lipp: Die Swiss und der Flughafen Zürich streiten sich seit Monaten über die Gebühren. Was ist der Stand?

Harry Hohmeister: Es gibt einen formalen Vorschlag vom Bazl (Bundesamt für Zivilluftfahrt). Dieser bringt immer noch deutliche Gebührensteigerungen mit sich, die für uns nicht akzeptabel sind. Wenn wir als Standort in Zürich nicht mehr wettbewerbsfähig sind, werden sich die Kunden gegen die Swiss und damit gegen den Flughafen Zürich entscheiden. Wir wollen keinen Aufschlag, wir müssen realistischerweise sehen, dass die Ticketpreise in den letzten Jahren deutlich gefallen sind. Wir haben nun Klage beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Dieser Prozess kann bis zu zwölf Monate dauern.

Ist diese Verzögerung ein Trick von ihnen, um länger die alten Gebühren zu haben?

Nein, wir vertreten unsere Interessen, mit allen Möglichkeiten. Unser Interesse ist, den Standort Zürich weiterzuentwickeln. Wir investieren in den nächsten Jahren drei Milliarden in neue Flugzeuge. Dafür müssen die Grundvoraussetzungen stimmen. Das ist kein Trick, sondern reines Engagement.

Ihr Chef Christoph Franz hat gefordert, der Staat solle sich bei den Kosten für die Sicherheit stärker beteiligen. Sehen Sie das auch so?

Ich sehe das in der Schweiz genauso, letztendlich werden wir als Verkehrswegsystem Luftverkehr hier diskriminiert. Für alle anderen Verkehrsträger wird die öffentliche Sicherheit auf Staatskosten zur Verfügung gestellt. Wir müssen diese öffentliche Sicherheit aus der eigenen Kasse bezahlen. Dass muss mir mal jemand erklären, warum diese Diskriminierung rechtens sein soll.

Die Grundvoraussetzungen stimmen hier nicht

Sie weisen immer auf die Golf-Airlines aus dem Nahen Osten hin, die in den Markt preschen und Kunden abjagen. Diese würden subventioniert und wir nicht. Aber Subvention kann doch nicht die Lösung sein.

Subvention ist der falsche Begriff, wir reden nicht darüber, dass diese Airlines direkt Geld zugesteckt bekommen von ihren Scheichs. Wir reden über Infrastruktur-Politik, über Verkehrspolitik, die den Luftverkehr fördert, das ist in den Staaten des Mittleren Ostens besser. Die Flughafengebühr in Dubai beträgt ein Fünftel deren in der Schweiz. Die Grundvoraussetzungen stimmen hier nicht. Die Verkehrspolitik muss in Europa insgesamt aber auch in der Schweiz überdacht werden.

Wie gross sind die Sorgen, die Ihnen diese Airlines machen? Diese bestellen ja Flugzeuge am Laufmeter.

Ich glaube, die Sorge kann man bildlich ganz gut darstellen, wenn man sieht, dass eine Airline wie die Emirates mit fünfeinhalb Millionen Einwohnern 200 Langstrecken Flugzeuge bestellt hat und bald 500 Flugzeuge in der Flotte hat. Dann müsste die Swiss 650 bis 700 Flugzeuge auf der Bestellliste haben. Deshalb müssen wir uns als Europäer bei dem, was gerade im Nahen Osten passiert, als Europäer sehr grosse Sorgen machen.

Sollen wir diesen Airlines die Landeerlaubnis verweigern?

Wir müssen gleiche Voraussetzungen schaffen, was die Infrastrukturpoltik und die Verkehrspolitik angeht. Wenn uns das nicht gelingt, muss es andere Korrektive geben. Dazu könnten Verkehrsrechte gehören.

Es wird immer ein Ringen um das richtige Preis-Leistungsverhältnis bleiben

Sind tiefere Löhne bei Swiss-Angestellten ein Thema?

Ich muss Luftfahrt-Industrie mit Luftfahrt-Industrie vergleichen, da sind wir in der Schweiz im Vergleich zu anderen Fluggesellschaften auch in Europa aus Mitarbeitersicht sehr gut aufgestellt. Mir ist natürlich auch klar, dass wir bei den Standortkosten, die wir hier haben, nicht einfach Phantasielöhne zahlen können. Es wird immer ein Ringen um das richtige Preis-Leistungsverhältnis bleiben.

Christoph Franz verlässt die Lufthansa. Ist der neue Posten ein Thema für Sie?

Ich halte es mit den guten deutschen Begriffen. In solche Positionen wird man nicht beschrien, sondern berufen. Wenn jemand ruft, dann überlege ich mir das.

Dies ist eine gekürzte Fassung des SRF-Interviews mit Harry Hohmeister am World Economic Forum in Davos. Das ganze Interview sehen Sie im Video.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Nico Basler, Basel
    Wenigstens wissen wir woran wir bei Ihnen sind Herr Hohmeister. Gewinne maximieren und privatisieren, die Kosten sozialisieren. Oder weniger korrekt ausgedrückt, wir streichen die Gewinne ein und die Idioten von Steuerzahlern sollen für die Kosten aufkommen.
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  • Kommentar von M BDI, Zürich
    Die Schweiz hat es bereits vor 12 Jahren abgelehnt, eine schweizer Airline zu unterstützen. Warum sollten wir jetzt einer Deutschen helfen? Sicherheitskosten hat Emirates in ZRH die gleichen wie die Swiss. Und viele Dienstleister wie Call Center Agents und Flugbegleiter sind bei Swiss aus dem billigen Ausland. Der Traum vom europäischen Flagcarrier (egal ob LH, AF oder LX) können wir wohl knicken. Das globale Business ist in Asien.
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  • Kommentar von H.. Frühling, Bern / Zürich
    Ha ha ha: Wieder einer dieser Super CEOs die nur glänzen können, wenn der Staat, der sich im Übrigen nicht einmischen soll, die Unkosten trägt. Da kann doch der Staat nichts dafür, wenn Herr Hohmeister in einem Bereich tätig ist, in welchem hohe Kosten für die Sicherheit anfallen. Wenn Zürich für die Swiss (D) entfällt kommen andere, siehe Genf. Weniger Verkehr ist auch weniger Lärm, kommt billiger; auch weniger Fremde. Die Leute, die nach Zürich wollen, finden immer einen Weg.
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