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Wegen schwachen Frankens Künzli-Schuhe kommen künftig aus Albanien

Über 90 Jahre produzierte die Firma Künzli ihre Schuhe in der Schweiz - doch nun wird die Produktion verlagert.

Legende: Video Schweizer Schuhe aus Albanien abspielen. Laufzeit 09:11 Minuten.
Aus ECO vom 30.04.2018.

Lange hatte Barbara Artmann am Produktionsstandort in Windisch AG festgehalten, und mit dem Swissness-Label für ihre Schuhe Werbung gemacht. Doch damit ist es nun vorbei: «Das ist für mich ein trauriger Moment. Ich bin angetreten, um den Schweizer Standort hoch zu halten. Das haben wir 13 Jahre lang geschafft», sagt die Besitzerin dem Wirtschaftsmagazin «ECO» .

Aber jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, wo sie entscheiden müsse: «Gibt es Künzli überhaupt noch, oder gibt es Künzli zum Teil in Albanien. Und ich glaub, besser es gibt Künzli halb in Albanien, als gar nicht.»

«Einer der schwärzesten Momente in meinem Arbeitsleben.»

Mit der Verlagerung der Produktion auf den Balkan gehen in Windisch sechs Arbeitsplätze verloren, das ist gut ein Viertel der Belegschaft. «Das ist einer der schwärzesten Momente in meinem Arbeitsleben. Das kann ich nicht und will ich nicht verstecken. Das tut mir extrem weh. Aber mein Job und meine Pflicht als Chef von der Firma ist es, sie aufrecht zu erhalten und zu schauen, dass das Gros des Teams einen sicheren und erfolgreichen Arbeitsplatz hat.» Die Belegschaft in Windisch hat Barbara Artmann heute Vormittag informiert.

Die Geschichte von Künzli

Künzli war Ausrüsterin der Schweizer Nati.
Legende:Künzli war Ausrüsterin der Schweizer Nati.Keystone

Die Firma Künzli wurde 1927 gegründet. Die Marke war einst der bekannteste Schweizer Sportschuhe und unter anderem Ausrüsterin der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft. Das Sportschuhgeschäft litt später, und Künzli war lange Zeit vor allem als Herstellerin von orthopädischen Schuhen bekannt.

Als Barbara Artmann die Firma im Jahr 2004 übernahm, befand sich Künzli mit Sitz in Windisch AG in der Krise. Barbara Artmann positionierte die Marke neu, lancierte eine Sneaker-Linie, war damit erfolgreich und wurde im Rahmen des Swiss Award im Jahr 2010 als Unternehmerin des Jahres ausgezeichnet.

Weil es die Gründerfamilie versäumt hatte, das Markenzeichen von Künzli, die fünf Streifen, international zu schützen, verlor Barbara Artmann im Jahr 2011 einen Rechsstreit gegen den US-Konzern K-Swiss. Dies brachte Künzli in eine existenzielle Krise, die Barbara Artmann mit ihrem Team aber überstand. Der Umbruch im Schuhverkauf - Stichwort Zalando - sowie der nun wieder schwächere Franken sind der Grund für die Produktionsverlagerung.

Ein wichtiger Grund für die Verlagerung der Produktion ist der zunehmend schwächere Franken. Künzli importiert einen Grossteil der Rohstoffe und Halbfabrikate, diese wurden in den vergangenen Monaten wegen des schwächeren Frankens zunehmend teurer.

Mindestens 430 Franken für die Angestellten in Albanien

Während einer Reise nach Albanien lobte die Unternehmerin den neuen Produktionsstandort. Von Vorurteilen, wie sie hierzulande gegenüber Albanien verbreitet sind, hält sie wenig: «Die Leute sind freundlich, verlässlich. Also ich sehe von dem, was das Vorurteil ist, gar nichts.»

Innert weniger Wochen konnte Barbara Artmann mit Hilfe albanischer Unternehmer eine eigene Produktion aufbauen. Den Angestellten, die hier neu Künzli-Schuhe produzieren, zahlt Barbara Artmann umgerechnet mindestens 430 Franken, je nach Qualifikation auch etwas mehr.

Künzli-Eigentümerin Barbara Artmann
Legende: Barbara Artmann: «Die Leute sind freundlich, verlässlich. Also ich sehe von dem, was das Vorurteil ist, gar nichts.» SRF

Barbara Artmann bedauert die Verlagerung der Produktion, sie ist aber gleichzeitig optimistisch: «Das hier ermöglicht Künzli eine Zukunft», sagt sie, vor den Nähmaschinen stehend. «Das gibt uns den Spielraum in Zukunft das Richtige zu tun.»

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27 Kommentare

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  • Kommentar von J. Losi (J.Losi)
    Ich finde es schon spannend (oder traurig): Ist der CHF zu hoch, wird verlagert..und ist er zu tief, wird verlagert. Für mich geht das nicht auf. Das zeugt doch davon, dass man sich heute keine Gedanken mehr macht, wie man die Wertschöpfung lokal steigern und innovativ sein. Anstelle dessen velagert man einfach ein paar Stellen, sagt wie leid einem das tut und das Thema hat sich nach 3 Monaten in den Medien eh "erledigt". Wie war eine Produktion vor 13 Jahren mit einem EUR-Kurs von 1.50 möglich?
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    1. Antwort von marlene Zelger (Marlene Zelger)
      Die Krix mit Verlagerung und Verlagerung hat mich auch beschäftigt. Es geht doch einfach nur noch darum, Billigarbeitende in den Billiglohnländern auszunutzen und dann eigenen Profit zu schlagen. Es ist ein Skandal, wie die Schweizer Qualität mehr und mehr "vor die Hunde geworfen wird". Aber eben, die heutige Generation hat keinen Bezug mehr zur CH Qualität. Hauptsache, die Ware ist billig.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Ja genau diese Probleme haben viele Kleinunternehmer die nun 20% mehr für ihre Rohstoffe und Halbfabrikate bezahlen - aber den Herren Bankster inkl. SNB -Gremium ist das völlig egal -wichtig ist denen , dass die , die schon genug haben noch mehr profitieren und haben den Franken künstlich geschwächt - der Diesel kostet nun 1.70 und vieles wird teurer - dies bei NULL Zins des Sparers. Mit dieser Abwertung des Frankens machen sie wieder tausende KMU pleite. Nur weiter so mit EURO -Kauf -Schwindel.
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    1. Antwort von Karl Müller (KaMü)
      Gäbe es für CHF Guthaben auch noch Zins, käme der Wechselkurs wieder unter Druck, d.h. er würde wieder teuerer. Damit würden wieder vermehrt Arbeitsplätze ausgelagert und die CH würde wieder für ausländ. Arbeitnehmer attraktiv. Gegen den höheren Treibstoffpreis gibt es ein einfaches Mittel: weniger unnütz herumfahren.
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    2. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Hohe Sparzinsen können die Banken nur gewähren wenn sie noch höhere Zinsen für Hypotheken fordern können.
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  • Kommentar von Danny Kinda (Kinda)
    Das läuft nicht nur bei sog. Billiglohn-Arbeiten so wo die Leute keine Lehre brauchen um in der Fabrik Produkte des täglichen Lebens zu produzieren. Auch Software zu programmieren macht heutzutage kaum mehr einen Sinn in der Schweiz. Momentan wandert vieles nach Ungarn oder Serbien ab. Die Bedingungen ändern sich zusehens. Letztlich kann man die Auswirkungen kaum fassen. Zwar gehen Billigarbeiter zurück jedoch kommen mehr hochqualifizierte und so steigen sämtliche Kosten. Was ist besser?
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