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Wirtschaft «Weil ist nicht chancenlos»

15 Zeugen, 4 Millionen Akten: Dem ehemaligen UBS-Topmanager Raoul Weil wird zurzeit der Prozess gemacht. Aussichtslos scheint seine Lage nicht. «Die Anklage muss zuerst noch beweisen, dass Weil selber die Steuervergehen orchestriert hat», sagt SRF-Korrespondent Arthur Honegger.

Legende: Video Einschätzungen von SRF-Korrespondent Honegger zum Prozessauftakt abspielen. Laufzeit 2:00 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.10.2014.

In Florida hat der Prozess gegen Raoul Weil, die ehemalige Nummer 3 der UBS, begonnen. Aus den Fragen von Weils Anwalt David Mandell an die möglichen Geschworenen liessen sich erste Strategien der Verteidigung des Bankers ablesen.

So behaupten die Anwälte des Bankers, eine fehlbare Gruppe von UBS-Bankern habe ihre illegalen Tätigkeiten vor dem Chef verborgen. Weil habe von den Verfehlungen erst im Nachhinein erfahren.

Der Topbanker plädiert auf unschuldig. Diese Verteidigungsstrategie «ist auf jeden Fall mutig», sagt SRF-Korrespondent Arthur Honegger aus Florida. «Die Geschworenen sind ein bunter Mix aus ganz gewöhnlichen Amerikanern», so Honegger. «Weil – als ehemaliger Schweizer Topmanager – dürfte es schwer haben, diese Menschen restlos von seiner Unschuld zu überzeugen. Vor allem dann wenn sie erfahren, dass die UBS, die jahrelang mitgelenkt hat, ihre Schuld ja bereits eingestanden hat und Hunderte Millionen Dollar zahlen musste.»

Anwalt Mandell fragte weiter, wer von den möglichen Geschworenen in seiner Arbeit Untergebenen vorstehe. Alle der leitenden Angestellten unter den Befragten mussten zugeben, dass ihre Mitarbeiter auch schon Fehler begangen hätten, ohne dass die Leitung dies rechtzeitig erfahren habe.

Intakte Chancen?

Besteht denn eine Chance für einen Freispruch? «Chancenlos ist Weil nicht», sagt Honegger. Zwar werde die Anklage hier eine ganze Wagenladung an Beweisen vorfahren – rund vier Millionen Dokumente. Dies seien aber Dokumente, die vor allem aufzeigen, dass die UBS im Offshore-Geschäft bis 2009 öfter mal das Eine gesagt und das Andere getan habe. «Für einen Schuldspruch müssten die Ankläger aber beweisen, dass Weil diese Vergehen auch orchestriert hat. Und das dürfte sehr viel schwieriger werden», erklärt der US-Korrespondent.

Legende: Video IRS gegen UBS: Prozessauftakt in Florida abspielen. Laufzeit 3:49 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.10.2014.

Schweizer Banker mit schlechtem Ruf

Dass es der Schweizer Banker vor dem Gericht in Florida nicht einfach haben wird, zeigte sich, als die Geschworenen zu ihrem Wissen über das Schweizer Bankgeheimnis befragt wurden. Es sei allgemein bekannt, dass das Bankgeheimnis dazu da sei, Reichen zu helfen, Geld vor den Steuerbehörden zu verbergen, gaben mehrere der möglichen Geschworenen an.

Staatsanwalt Mark Daly versuchte, jene möglichen Geschworenen zu eruieren, die einen Groll gegen die Regierung oder die Steuerbehörden hegen und deshalb den Fall nicht objektiv beurteilen könnten.

Erste Zeugen am Mittwoch

Voraussichtlich am Mittwochmorgen (Ortszeit) werden die ersten Zeugen der Anklage aufgerufen. Als einer der ersten wird Hansruedi Schumacher auftreten, der bis 2002 Amerika-Chef der UBS war und dann in führender Position für die mittlerweile nicht mehr existierende Neue Zürcher Bank arbeitete.

Auf der Zeugenliste aufgeführt ist wie erwartet auch Martin Liechti, der bei der UBS einst als Chef des Überseegeschäftes mit Nordamerika amtete und dabei Weil unterstellt war. Auch ein einstiger UBS-Kundenberater, der den US-Behörden nach seiner Verhaftung die Kontoauszüge von zwei Kunden aushändigte und dafür unlängst in der Schweiz wegen Spionage gebüsst wurde, figuriert auf der Zeugenliste.

Twitter-Tagebuch zum Prozess

Twitter-Tagebuch zum Prozess

Beat Soltermann, USA-Korrespondent von Radio SRF, ist in Florida und beobachtet den Prozess gegen Raoul Weil. Seine Eindrücke schildert er auf Twitter. Zum Tagebuch.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Das ist doch eine lustige Geschichte, sowohl Weil wie auch Dougan haben nichts gewusst, es waren die Mitarbeiter, sie haben angeblich mitgeholfen die Steuern in den USA zu optimieren. Nun man sollte das ganze ergaunerte Geld samt den Boni und eber auch die der Chefetage einziehen. Dass da keiner was gewusst hat aber alle tapfer mitverdient haben darf ja wohl nicht wahr sein. Offensichtlich wusste keiner von wo das viele Geld der Boni stammte. Denn sie wissen nicht was sie tun.
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  • Kommentar von hans zumstein, cham
    Nein! Dieses angelsaechsische Justiz System stammt aus dem vorletzten Jahrhundert und dazu gelernt haben sie nix!
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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Wenn amerikanische Staatsbürger in Amerika amerikanisches Geld vor dem amerikanischen Fiskus verstecken - ja dann ist der Schweizer Banker schuld. Gibt es ein absurderes Justizsystem auf der Erde?
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    1. Antwort von Urs Keller, Binningen
      Der Satz ist nicht zu ende gesagt.; Wenn amerikanische Staatsbürger in Amerika amerikanisches Geld vor dem amerikanischen Fiskus verstecken und Schweizer Anlageberater in den USA das Geld auf Steueroasen tranferieren, dann ist eine Mitschuld zweifelsohne nach US Rechssauslegung vorhanden.
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