Thierry Kneissler ist im Auftreten schweizerisch bescheiden. Doch wenn der Chef von «Twint» über sein Projekt redet, trumpft er mit grossen Zahlen auf. Eine Kundenzahl in sechsstelliger Höhe glaubt er schon ein halbes Jahr nach Markteinführung von «Twint» vorweisen zu können.
Er will das Smartphone zum Portemonnaie machen. Musikplayer, Fotoapparat, Game-Konsole, Zeitung, Landkarte und vieles mehr ist es schon. «Alles machen wir mit dem Handy, aber Zahlen noch nicht. Das macht doch keinen Sinn», erklärt Thierry Kneissler gegenüber «ECO».
Marktpionier «Tapit» gescheitert
Doch der Schweizer Pionier ist bereits gescheitert. «Tapit» ist vom Schweizer Markt nicht akzeptiert worden. Zu gross ist der Aufwand, den Swisscom den Kunden zumutet. Eine neue SIM-Karte müssen sie kaufen und eine neue Kreditkarte bestellen, um am Ende kontaktlos bezahlen zu können – so wie man es mit einer herkömmlichen Kreditkarte schon längst kann.
10‘000 Downloads hat es bis heute gegeben. Benutzen werden «Tapit» wohl nur ein paar technikaffine Nerds. «Wir sind nicht zufrieden», resümierte Swisscom-Chef Urs Schaeppi bereits letzten Dezember.
Partnerschaft mit SBB
«Twint» könnte grössere Akzeptanz finden, da das App nach ein paar wenigen Klicks einsatzbereit ist. Es funktioniert wie eine Prepaid-Karte: Man lädt von seinem Konto einen bestimmen Betrag auf das Smartphone und benutzt es dann wie ein herkömmliches Portemonnaie.
Bezahlen wird damit zunächst an Bahnhöfen möglich sein. Die SBB mit ihren Tausenden von Ladenmietern sollen den Anfang machen: «Da laufen jeden Tag eine Million Passagiere und Kunden durch, das heisst ein Siebtel der Schweiz», frohlockt Thierry Kneissler. Ein eigentlicher Coup aber wäre, wenn «Twint» an das SBB-App andocken dürfte. Dann nämlich wäre «Twint» auf einen Schlag mit dem erfolgreichsten App in der Schweiz verbunden, das über fünf Millionen Mal heruntergeladen wurde.