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Wirtschaft United Commodity: Aus der Traum von Silber und Gold

Vier Mal berichtete «ECO» über die zweifelhaften Machenschaften der United Commodity. Die Gründer versprachen, in Kanada aus Minenschutt Silber und Gold zu gewinnen. Heute steht die Firma vor dem Konkurs: Die Zeche zahlen Anleger, denen per Telefon Aktien verkauft wurden.

Es war einmal eine vielversprechende Geschäftsidee: In der kanadischen Provinz Ontario witterte der Unternehmer Reto Hartmann das grosse Geschäft. Im Städtchen Cobalt, das vor 100 Jahren ruhmreiche Bergbau-Zeiten erlebt hatte, wollte der ehemalige Schweizer Top-Manager aus Minenschutt Silber und Gold gewinnen und dabei erst noch die Umwelt entgiften. Gegenüber «ECO» sagte Reto Hartmann Anfang 2014: «Wir haben die Firma so aufgestellt, dass sie sich nach vorne entwickeln kann.» Weil die Banken das riskante Geschäft nicht finanzieren wollten, wählte United Commodity einen eigenen Weg.

Schon bald zeigte sich: Die wahre Goldgrube lag nicht in Kanada, sondern im Zürcher Seefeld. Hier kontaktierten wortgewandte Telefonverkäufer Anleger in der Schweiz und Deutschland. Unter der Leitung des damaligen Finanzchefs Jochen Schäfer priesen sie goldene Geschäfte.

Rund 30 Millionen Franken dürften auf diese Weise von den Anlegern zur United Commodity geflossen sein. Gelder, die nur teilweise in den Ausbau der Produktion in Kanada gingen. Rund die Hälfte der Einnahmen floss in Personalaufwand, etwa als Provisionen an die Telefonverkäufer in Zürich.

Aktien im Freiverkehr

Gehandelt wurden die Aktien an der Börse in Stuttgart. Allerdings nicht im klassischen Börsenhandel, sondern im sogenannten Freiverkehr. Hier ist die Informationspflicht für Unternehmen gegenüber Anlegern geringer als im regulären Börsenhandel. Auf ihrer Online-Seite warb United Commodity mit Finanzanalysen, die das Unternehmen selber in Auftrag gegeben hatte und mit vielversprechender Eigenwerbung in Börsenzeitschriften.

Gebäude von United Commodity.
Legende: Sollte eigentlich eine Goldgrube werden: die Produktionsanlage von United Commodity in Kanada. SRF

Anfangs explodierte der Aktienkurs. Doch der unternehmerische Erfolg blieb aus. Schliesslich eröffnete die Deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wegen möglicher Marktmanipulation eine Untersuchung, die noch nicht abgeschlossen ist. Verunsicherte Aktionäre hatten sich dort gemeldet. 2014 sank der Aktienkurs kontinuierlich, gegen Jahresende wurde der Handel in Stuttgart ganz eingestellt.

Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte ermittelt

Gleichzeitig ruhte in der kanadischen Raffinerie die Produktion wegen baulicher Sanierungen. Weil die Gelder aus dem Telefonverkauf der Aktien nicht mehr flossen, suchten Reto Hartmann und Jochen Schäfer 2015 das Heil in Allianzen mit anderen Unternehmen. Nach mehreren gescheiterten Versuchen ging United Commodity per Aktientausch an das kanadische Rohstoffunternehmen Bonaparte Exploration Inc. Dieses versprach im Mai 2015 die «komplette Neufinanzierung der United Commodity mit Wachstumsoptionen.» Reto Hartmann und Jochen Schäfer zogen sich aus dem Verwaltungsrat von United Commodity zurück.

Auf Jahresende vermeldete United Commodity nun, Bonaparte habe flüssige Mittel nicht bereitgestellt, so dass der Konkurs infolge Zahlungsunfähigkeit unausweichlich werde. Für die Geschäftsgebaren der United Commodity interessiert sich die Zürcher Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte. Seit Monaten läuft eine Strafuntersuchung. Gegen wen ermittelt wird und ob es zu einer Anklage kommt, ist vorläufig offen.

United Commodity betonte immer, alles sei mit rechten Dingen zu und her gegangen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

«ECO»-Berichte über United Commodity

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