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WWF-Pensionskassen-Rating Viele Pensionskassen vernachlässigen Mensch und Umwelt

Welche Schweizer Pensionskassen investieren nachhaltig, welche weniger? WWF Schweiz hat die 20 grössten untersucht.

Legende: Video Pensionskassen: Exklusives WWF-Rating abspielen. Laufzeit 07:24 Minuten.
Aus ECO vom 04.02.2019.
  • Laut WWF verfolgen wenige Schweizer Pensionskassen einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz.
  • Nur die Bernische Pensionskasse, die Caisse de prévoyance de l'Etat de Genêve und die Pensionskasse der Stadt Zürich verfolgen weitgehend ganzheitliche Ansätze.
  • Vier Pensionskassen haben für das WWF-Rating keine Daten zur Verfügung gestellt – darunter die Kassen von UBS und CS.

Zum zweiten Mal nach 2015/16 hat der WWF Schweiz die zwanzig grössten Pensionskassen bezüglich nachhaltigem Investieren unter die Lupe genommen: Wie stark fliessen sozialgesellschaftliche, ökologische und gute Unternehmensführung in den Anlageprozess ein?

Die Resultate des Rankings liegen dem Wirtschaftsmagazin «ECO» exklusiv vor (siehe Tabelle).

320 Milliarden Vermögen

Das WWF-Ranking deckt ein Drittel der von Schweizer Pensionskassen verwalteten Vermögen ab. Die untersuchten Vorsorge-Einrichtungen verwalten für Versicherte und Rentner Vermögen in der Höhe von rund 320 Milliarden Franken.

Etwa 40 Prozent davon sind im Ausland angelegt – eine Summe, die das Potenzial hat, Arbeitsbedingungen für Menschen zu verbessern oder negative Effekte auf das Klima zu verringern.

Es gibt noch sehr viel zu tun.
Autor: Thomas VellacottGeschäftsführer WWF Schweiz

Thomas Vellacott, Geschäftsführer WWF Schweiz, sagt, mehrere Kassen hätten sich seit dem letzten Rating von 2015/16 verbessert. Aber: «Es gibt noch sehr viel zu tun. Es ist nicht so, dass die ganze Branche auf die Risiken ‹Klimawandel› und ‹Naturzerstörung› vorbereitet wäre.»

Investieren nicht in Rohstoffe, gentechnisch veränderte Produkte, Tabak oder Pornografie.
Autor: Hans-Peter WiedmerDirektor Bernische Pensionskasse

Vorne mit dabei ist die Bernische Pensionskasse. Mit 53'000 Versicherten und 13.5 Milliarden Vermögen gehört sie zu den grossen Vorsorge-Einrichtungen in der zweiten Säule. Eine nachhaltige Anlagepolitik ist seit Langem verankert.

Der Direktor Hans-Peter Wiedmer sagt im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin «ECO»: «Wir haben im Anlagereglement den Grundsatz der Ethik als Maxime festgelegt. Weitere Grundsätze sagen, wo man investieren darf und wo nicht: Nicht in Rohstoffe – ganz explizit – nicht in gentechnisch veränderte Produkte, Tabak oder Pornografie.»

Mädchen in Indien auf Abfallberg
Legende: Wie nachhaltig Schweizer Pensionskassen ihre Milliarden investieren, hat Konsequenzen auf das Leben anderer. Keystone

Dass die Bernische Pensionskasse deswegen eine tiefere Rendite erzielt, ist nicht der Fall. Man sei seit 10 Jahren im Pensionskassen-Index vertreten und habe gegenüber dem Durchschnitt aller Kassen 10 Prozent Mehrrendite erwirtschaftet. Auch gegenüber dem eigenen Benchmark sei man besser, sagt Hans-Peter Wiedmer.

Nachhaltig mit guter Rendite

Gleichauf mit der Bernischen Pensionskasse sind die Caisse de prévoyance de l'Etat de Genêve und die Pensionskasse der Stadt Zürich. Wie die Bernische Pensionskasse (6.6 Prozent) erzielten sie zwischen 2013 und 2017 im Schnitt gute Nettorenditen: 6.6 Prozent die Caisse de prévoyance de l'Etat de Genêve und 5.3 Prozent Pensionskasse der Stadt Zürich.

So hat der WWF die Pensionskassen bewertet

Einstufung
Pensionskasse
Nettorendite 2013–2017
VorreiterKanton Bern
6

Kanton Genf
6.6

Stadt Zürich
5.3
VerfolgerKanton Zürich
5.5

Kanton Waadt
6.5

Migros
6.3

Bund (Publica)
3.8
Oberes Mittelfeld
Kanton Aargau
4.9

Kanton Basel-Stadt
5.1

Complan (Swisscom)
5.1

Novartis
5.2

Post
4.3

SBB
4.9

Vita Sammelstiftungen
5.4
Unteres Mittelfeld
ASGA
4.8

Stiftung Auffangeinrichtung BVG
4.1
Keine Bewertung möglich
Kanton Basel-Land
5.6

Credit Suisse
5.8

UBS
k. A.

Energie
6.4

Unteres Mittelfeld

Die Kategorie «Unteres Mittelfeld» bilden zwei Kassen. Die ASGA, eine Vorsorge-Einrichtung von kleinen und mittleren Unternehmen mit 100'000 Versicherten, sowie die Stiftung Auffangeinrichtung BVG.

UBS und CS beteiligen sich nicht

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Neben den Pensionskassen des Kantons Baselland sowie der Pensionskasse Energie haben die Pensionskassen der Grossbanken UBS und der Credit Suisse WWF Schweiz für sein Ranking keine Daten zur Verfügung gestellt.

UBS schreibt «ECO», sie äussere sich generell nicht zu Anlage-Fragen und -entscheiden: «Selbstverständlich berücksichtigt die Pensionskasse der UBS bei ihrer Meinungsbildung und ihren Anlageentscheiden nachhaltiges und verantwortungsvolles Investieren.»

Die Pensionskasse der Credit Suisse Group Schweiz schreibt, sie verfolge neue Entwicklungen im Bereich Nachhaltigkeit aufmerksam: «Der Stiftungsrat berät aktuell vertieft den Umgang mit nachhaltigen Vermögensanlagen. Dabei werden auch verschiedene Umsetzungsvarianten und Möglichkeiten zur Messung der Nachhaltigkeit im Portfolio geprüft.»

Die ASGA schreibt: «Die Ausarbeitung einer Nachhaltigkeitsstrategie ist für dieses Jahr vorgesehen. Die Resultate des WWF-Rating fliessen selbstverständlich in unsere Überlegungen mit ein.»

Die Stiftung Auffangeinrichtung BVG schreibt, die Verantwortlichen seien sich der ethischen, ökologischen und sozialpolitischen Verantwortung bewusst und würden diese im Investitions-Verhalten berücksichtigen.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Norbert Zehner (ZeN)
    Pensionskassen der Staatsangestellten sollen da wohl Vorreiterrolle spielen, der politischen Korrektheit und angeblichen "Nachhaltigkeit", als Vorbildrolle für die anderen. Können Sie natürlich "risikolos", wenn sie dann mangels Rentabilität und wertverlustigen Investitionen in sogenannt Grüne Technologien in arge Unterdeckung geraten, wird es einfach zur nächsten Sanierung zu Lasten der Steuerzahler kommen. Wäre beileibe nicht das Erste mal.
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    1. Antwort von Reto Camenisch (Horatio)
      Haben sie die Renditen nicht angeschaut?
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  • Kommentar von Ilse König (königin)
    UBS Rendite: "Keine Angaben". Gibt es noch Fragen zu dieser Bank, was Transparenz und Glaubwürdigkeit anbelangt? Wir haben als Bankverein Kunden bei der Fusion der beiden Banken (1997) subito gekündigt. Nach zwei Jahrzehnten hat sich noch immer nichts verändert. Ein gutes Bauchgefühlt war besser als Versprechungen in Krawatte.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Was die beiden Topbanken angeht, sie gehören zu den 2CH Banken in der Liste von 24 oder weniger Banken weltweit, die 'systemrelevant' für das Finanzgeschehen auf unserem Planeten sind. Wollen wir menschenrelevante Demokratien müssen solche ungesund grossen Banken, Finanzinstitute auf eine anständige Grösse gesundgeschrumpft werden. Solange soviel Kapital, dermassen an ein paar Orten verdichtet ist, wird es nichts mit Umwelt-Menschen-Rechtschutz.
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