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Echtzeit-Überweisungen eigentlich seit 37 Jahren möglich
Aus SRF 4 News aktuell vom 05.06.2020.
abspielen. Laufzeit 04:55 Minuten.
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Zahlungen in Echtzeit Warum dauern Banküberweisungen immer noch so lange?

Trotz Digitalisierung und Vollautomation kann es Tage dauern, bis Geld von einem Konto zum anderen wandert. Warum?

Wir schreiben das Jahr 1987. Ronald Reagan ist Präsident der USA, im Kino läuft «Beverly Hills Cop 2», in der Hitparade spielt «La Bamba». Und im Schweizer Bankwesen macht das Swiss Interbank Clearing System (SIC) neu auch Zahlungen in Echtzeit möglich: Geld in Sekundenschnelle von einem Konto zum nächsten überweisen.

Mehr als 30 Jahre später sind solche Echtzeit-Überweisungen aber immer noch keine Selbstverständlichkeit. Der Grund: Das SIC wäre zwar dazu in der Lage, wickelt aber bloss im Hintergrund die Zahlungen von Bank zu Bank ab. Ihre eigenen Systeme haben viele Banken dagegen noch nicht angepasst.

Eine teure Angelegenheit ohne Prestige

«Der Grund liegt bei den Kosten», stellt Finanzexperte Martin Spieler fest. «Die Banken könnten problemlos Echtzeit-Überweisungen einführen, müssten aber in ihre Systeme investieren» – eine teure Angelegenheit in einem wenig lukrativen Bereich, der obendrein kaum Prestige bringt.

Das Logo der SIX Group in der Schweizer Börse in Zürich
Legende: Die SIX Group betreibt die Infrastruktur für den Schweizer Finanzplatz – dazu gehört nicht nur die Börse, sondern auch das Swiss Interbank Clearing System (SIC), das im Hintergrund alle Bankzahlungen abwickelt. Keystone

Ralf Beyeler vom Online-Vergleichsdienst Moneyland vermutet ausserdem, dass die Banken ein bereits funktionierendes System für Echtzeit-Zahlungen nicht konkurrenzieren wollen: Kreditkarten. Bei jeder Kreditkartenzahlung werden Verrechnungsgebühren fällig, mit denen die Banken Geld verdienen. «Würden Echtzeit-Überweisungen die gleiche Dienstleistung zu einem günstigeren Preis ermöglichen, könnte ein Online-Shop ja auf die Idee kommen, lieber darauf zu setzen», so Beyeler.

An Wochenenden und Feiertagen noch langsamer

Ausserdem gibt es Banken, die vom jetzigen Zustand direkt profitieren. Die Postfinance zum Beispiel führt Zahlungen standardmässig nicht am selben Tag aus. Gegen eine Gebühr von 5 Franken ist aber eine «Expresszahlung» möglich, die sofort verbucht wird.

Neo-Banken sind noch keine Gefahr

Ein Etui mit Revolut-Kreditkarte auf der linken und einem Smartphone mit der Revolut-App auf der rechten Seite.
Legende:Imago Images

Sogenannte Neo-Banken wie Revolut oder Neon funktionieren ohne eigentlichen Bankschalter nur online und per App. Bei diesen Finanzdienstleistern sind Echtzeit-Überweisungen in der Regel heute schon der Standard. Müssen die traditionellen Banken deshalb bald nachziehen? Ralf Beyeler vom Online-Vergleichsdienst Moneyland glaubt das nicht, denn bei Echtzeit-Überweisungen muss sowohl der Absender wie auch der Empfänger diese Möglichkeit anbieten: «Die Neo-Banken können deshalb nicht genügend Druck aufbauen.» Auch für Finanzexperte Martin Spieler spielen diese neuen Anbieter derzeit noch keine wichtige Rolle, weil ihr Volumen vergleichsweise gering sei. «Darum dürften sie vorderhand noch kein Problem für die traditionellen Banken sein – längerfristig steigt aber der Druck.»

Bei Banken wie der Credit Suisse oder der Zürcher Kantonalbank sind Echtzeit-Überweisungen aber heute schon die Regel – vorausgesetzt, auch die Empfänger-Bank spielt mit. Doch bei beiden Instituten gelten die Bürozeiten: Zahlungen müssen an Werktagen bis 16 Uhr bzw. 16.30 Uhr erfasst werden, um noch am selben Tag überweisen zu werden. Wer erst am Freitag um 17 Uhr dran ist, muss fast drei Tage bis zum nächsten Montag warten, bei Feiertagen unter Umständen noch länger.

Banken scheuen zusätzlichen Personalkosten

Auch hier sind die Kosten der Grund: Obschon im Zahlungswesen heute fast alles digital und automatisiert abläuft, ist in bestimmten Fällen doch noch eine manuelle Prüfung nötig – etwa bei unvollständigen oder fehlerhaften Daten oder dem Verdacht auf Geldwäsche. Um Zahlungen rund um die Uhr und an jedem Tag im Jahr möglich zu machen, müssten die Banken darum viel zusätzliches Personal einstellen.

Jürg Schneider von der SIX Group, welche die Infrastruktur für den Schweizer Finanzplatz betreibt und auch für das SIC zuständig ist, erklärt auf Anfrage, derzeit werde zusammen mit der Nationalbank und den Banken eine Studie zur Zukunft des Schweizer Zahlungsverkehrs durchgeführt («Swiss Payments Vision»). Zum jetzigen Zeitpunkt lasse sich aber noch nicht sagen, ob damit auch Echtzeit-Zahlungen bald zum Standard werden.

SRF 3, 3. Juni 2020, 11:10 Uhr

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