Im Verteilzentrum stapeln sich die Pakete auf langen Tischen. Freiwillige greifen zu Messern, öffnen Karton um Karton, sortieren sorgfältig den Inhalt. In den Paketen stecken Reis, Teigwaren, Zucker, Suppen – aber auch Seife, Shampoo oder Deodorant.
Für Menschen, die von Armut betroffen sind, sind diese Produkte keine selbstverständlichen Alltagsprodukte, sondern eine wertvolle Entlastung – fast schon ein kleiner Luxus. So kommen die Pakete der Aktion «2 x Weihnachten» direkt dort an, wo sie dringend gebraucht werden.
Entlastung im schwierigen Alltag
«Wir hoffen immer, dass Dinge für den Alltag drin sind», sagt Thomas Zeltner, Präsident des Schweizerischen Roten Kreuzes. Lang haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel seien besonders wertvoll.
So lebt der Solidaritätsgedanke weiter.
Ein einzelnes Päckli löst keine grundsätzlichen Probleme, sagt Zeltner. Doch es entlastet: Wer für einmal Grundnahrungsmittel oder Toilettenpapier nicht selbst bezahlen muss, gewinnt finanziellen Spielraum und in einer schwierigen Situation kann ein kurzer Moment der Erleichterung und Freude geschaffen werden.
Schweizer Promis packen an
Die Aktion wird auch von zahlreichen prominenten Persönlichkeiten unterstützt. Am Anlass helfen sie mit, gespendete Pakete auszupacken und die Waren zu sortieren – und machen gemeinsam darauf aufmerksam, dass Armut auch in der Schweiz ein wachsendes Problem ist. Mit dabei sind unter anderem die SRK-Botschafterin Linda Fäh, der Schwinger Armon Orlik und die Sängerin Melanie Oesch.
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Bild 1 von 5. Sängerin Melanie Oesch packt fleissig mit an. Bildquelle: SRF / Anna Bolzern.
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Bild 2 von 5. Helfende kontrollieren sorgfältig die Ware. Bildquelle: SRF / Anna Bolzern.
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Bild 3 von 5. Werden am liebsten gesehen: lang haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel. Bildquelle: SRF / Anna Bolzern.
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Bild 4 von 5. Das Lager wirkt derzeit noch etwas leer. Bis Ende Februar wird es bis oben hin gefüllt sein. Bildquelle: SRF / Anna Bolzern.
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Bild 5 von 5. Nach der Kontrolle werden die Spenden nach Kategorie sortiert. Zum Beispiel «Frühstück», «Konserven & Glas» oder «Backzutaten». Bildquelle: SRF / Anna Bolzern.
«Man vergisst manchmal, dass es Armut auch bei uns gibt», sagt Melanie Oesch. Für sie sei die Aktion eine Herzensangelegenheit. Sie habe sogar ihren Kindern davon erzählt und diese hätten sofort selbst ein Päckli packen wollen. «So lebt der Solidaritätsgedanke weiter.»
Nicht nur Prominente, sondern auch viele Freiwillige engagieren sich im Verteilzentrum. Ein Zivildienstleistender erzählt vom besonderen Austausch im Verteilzentrum: Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen arbeiten zusammen, lernen voneinander und helfen gemeinsam. «Am meisten freuen wir uns über Essen», sagt er – auch wenn zwischendurch ungewöhnliche Inhalte wie Dekorationsartikel auftauchen.
Hilfe für rund 50’000 benachteiligte Menschen
Nach der Kontrolle werden die Waren kategorisiert, eingelagert und anschliessend an die Rotkreuz-Kantonalverbände ausgeliefert. Diese verteilen sie an bedürftige Einzelpersonen, Familien und soziale Institutionen. Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz 390 Tonnen Lebensmittel und Hygieneartikel gespendet. Insgesamt erhielten dadurch rund 50’000 benachteiligte Menschen dringend benötigte Unterstützung.
Neben den Paketen spielen auch Geldspenden eine wichtige Rolle. Mit ihnen werden Rotkreuz-Projekte in Armenien, Bosnien und Herzegowina, Kirgistan und Moldawien unterstützt. Gerade die Wintermonate seien für ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, Alleinerziehende oder kinderreiche Familien besonders belastend. Die nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften helfen vor Ort mit Gutscheinen für Lebensmittel und Hygieneartikel. Im letzten Jahr kamen dafür 222’000 Franken zusammen.