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Wissenschaftler und Comedian Wie man die besten Entscheidungen trifft

Als vermeintlich simpel scheint die Wahl der Eiskugel in der Gelateria, während der Entscheid über einen Raketenstart offensichtlich komplexer ist. Comedian Michael Elsener und Spitzenwissenschaftler Thomas Zurbuchen liefern Denkanstösse rund ums Entscheiden.

Wie trifft der Comedian Michael Elsener Entscheidungen und wie Thomas Zurbuchen, der bis 2022 an der Spitze der amerikanischen Weltraumbehörde NASA stand, über 130 Weltraummissionen leitete und ein Jahresbudget von 8 Milliarden verantwortete? Beide haben in der Sendung «Persönlich» über Entscheidungen reflektiert.

Der wichtigste Entscheid ist, die richtige Person einzustellen, der ich blind vertrauen kann.
Autor: Thomas Zurbuchen Astrophysiker

Blickt der renommierte Wissenschaftler Thomas Zurbuchen auf seine Zeit bei der NASA mit rund 10'000 Mitarbeitenden zurück, habe er immer mehr Entscheide delegiert. Die allermeisten Entscheidungen hätten seine Leute genauso gut treffen können, wie er. «Der wichtigste Entscheid ist, die richtige Person einzustellen, der ich blind vertrauen kann», ist sein Rezept. Das Problem vieler Führungspersonen sei, dass sie zu viele Entscheidungen treffen und nicht die wichtigen, stellt er fest.

Die Konsequenz einer Entscheidung

Für Thomas Zurbuchen gibt es zwei Typen von Entscheidungen. Ist bei einem Raketenstart der Knopf gedrückt, gibt es kein Zurück – der Entscheid führt zum Misserfolg oder Erfolg. Da brauche es eine minutiöse Vorbereitung.

Ich lerne mehr in der ersten Woche nach der Entscheidung als vorher.
Autor: Thomas Zurbuchen Astrophysiker

Bei den meisten Entscheidungen sehe es anders aus. Da plädiert Thomas Zurbuchen für rasche Entscheide. «Ich kann im Vorfeld lange über etwas nachdenken, aber ich lerne mehr in der ersten Woche nach der Entscheidung als vorher», begründet er seine Haltung.

Bauchgefühl – die magische Mischung aus Erfahrung und Intuition

Mit Entscheidungen beschäftigt sich auch der Comedian Michael Elsener intensiv. Sein neues Programm trägt den Titel «Gute Entscheidung». In der Comedy vertraue er seinem Bauchgefühl, sagt Elsener. Das sei eine magische Mischung zwischen Erfahrung und Intuition. Da wisse er innerhalb von drei Sekunden, ob er nochmals hinschauen muss oder ob sich etwas gut anfühlt.

Ein gutes Leben hängt von Glück und guten Entscheidungen ab.
Autor: Michael Elsener Comedian

Auch für Thomas Zurbuchen ist das Bauchgefühl wichtig. Es gebe unglaublich viel Forschung über Entscheidungen. Menschen, die sich nicht auf ihr Bauchgefühl verlassen, treffen nicht die besten Entscheidungen, sagt der Astrophysiker. Er nutzt seine Intuition gezielt. «Ich stelle nie jemanden ohne Bauchgefühl ein». Er schliesse die Augen und stellt sich die Frage: Wie wird es sein, mit diesem Menschen zu arbeiten? Das Bauchgefühl sei unglaublich wichtig, aber zuerst wolle er wissen, was die Person kann, sagt der heutige Leiter des Space Lab an der ETH Zürich.

Bauch versus Kopf

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Dass Entscheidungen, die aus dem Bauch heraus gefällt werden, glücklicher machen als solche, die wir analytisch und durch Nachdenken treffen, hat die Health and Medical Univerity in Potsdam 2024 untersucht. Dabei kam heraus, dass sich Personen nach Bauchentscheidungen in der Regel noch besser fühlten als nach Kopfentscheidungen.

Weshalb sich Comedian Michal Elsener mit dem Thema Entscheidungen beschäftigt hat Gründe: Nach Reisen in den Iran sei ihm bewusst geworden, wie toll die Schweiz ist. Hier können Bürgerinnen und Bürger mitentscheiden.

Im Iran habe er Menschen getroffen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um mitbestimmen zu können. Da habe es ihn interessiert, weshalb 55 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer nicht an die Urne gehen und nicht mitentscheiden. Dass dabei die Demokratie auseinander zu fallen drohe, beschäftige ihn.

Damit Schweizerinnen und Schweizer ins Entscheiden kommen, möchte er mit seinem Programm einen Beitrag leisten. «Ein gutes Leben hängt von Glück und guten Entscheidungen ab», ist Michael Elsener überzeugt.

Gibt es Momente, in denen Michael Elsener sich schlecht entscheiden kann? Ja, die gibt es, sagt er lachend. Überall, wo es eine grosse Auswahl gibt – zum Beispiel in der vordersten Reihe in der Gelateria.

«Decision Fatigue» – Entscheidungsmüdigkeit

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Wer Sport treibt, ist danach erschöpft. Der Körper hat viel geleistet und muss sich erholen. Etwas Ähnliches passiert auch mit unseren kognitiven Fähigkeiten. Etwa, wenn man viele oder besonders komplexe Entscheidungen treffen muss. Dann tritt die «Decison Fatigue» ein, auf Deutsch: Entscheidungsmüdigkeit. Man hat keine Lust mehr, Entscheidungen zu treffen. Oder aber man trifft schlechte Entscheidungen. 

Ein Faktor, der die «Decision Fatigue» begünstigt, ist das Auswahlparadox. Wer eine überwältigende Anzahl an Optionen hat, kann mit der Entscheidung überfordert sein. Mit dem technologischen Fortschritt, der Globalisierung und dem grössten Markt der Welt, dem Internet, ist die Auswahl an Optionen oft endlos. Deswegen müssen Menschen wesentlich mehr Entscheidungen treffen als noch vor 100 Jahren. 

Das Auswahlparadox kann zu Stress führen. Doch es gibt mehrere Strategien, die helfen können.

  • So kann man beispielsweise wichtige Entscheidungen am Morgen fällen, wenn die mentale Leistungsfähigkeit am höchsten ist. 
  • Routinen können helfen, um wiederkehrende Entscheidungen zu automatisieren, sodass man nicht jedes Mal erneut entscheiden muss, welche Entscheidung als nächstes drankommt. 
  • Wenn man schon müde vom Entscheiden ist, sollte man kognitiv anstrengende Tätigkeiten vermeiden. Es ist Ruhe und Entspannung angesagt.

Radio SRF 1, 16.2.2026, 10:00 Uhr ; 

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