Wie trifft der Comedian Michael Elsener Entscheidungen und wie Thomas Zurbuchen, der bis 2022 an der Spitze der amerikanischen Weltraumbehörde NASA stand, über 130 Weltraummissionen leitete und ein Jahresbudget von 8 Milliarden verantwortete? Beide haben in der Sendung «Persönlich» über Entscheidungen reflektiert.
Der wichtigste Entscheid ist, die richtige Person einzustellen, der ich blind vertrauen kann.
Blickt der renommierte Wissenschaftler Thomas Zurbuchen auf seine Zeit bei der NASA mit rund 10'000 Mitarbeitenden zurück, habe er immer mehr Entscheide delegiert. Die allermeisten Entscheidungen hätten seine Leute genauso gut treffen können, wie er. «Der wichtigste Entscheid ist, die richtige Person einzustellen, der ich blind vertrauen kann», ist sein Rezept. Das Problem vieler Führungspersonen sei, dass sie zu viele Entscheidungen treffen und nicht die wichtigen, stellt er fest.
Die Konsequenz einer Entscheidung
Für Thomas Zurbuchen gibt es zwei Typen von Entscheidungen. Ist bei einem Raketenstart der Knopf gedrückt, gibt es kein Zurück – der Entscheid führt zum Misserfolg oder Erfolg. Da brauche es eine minutiöse Vorbereitung.
Ich lerne mehr in der ersten Woche nach der Entscheidung als vorher.
Bei den meisten Entscheidungen sehe es anders aus. Da plädiert Thomas Zurbuchen für rasche Entscheide. «Ich kann im Vorfeld lange über etwas nachdenken, aber ich lerne mehr in der ersten Woche nach der Entscheidung als vorher», begründet er seine Haltung.
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Bild 1 von 7. Thomas Zurbuchen und weitere Mitglieder des Mars-InSight-Teams der Nasa überwachen im November 2018 in Pasadena, Kalifornien, den Status der Sonde vor ihrer Landung auf dem Mars. InSight ist eine Marssonde, die das Innere des Mars – Kruste, Mantel und Kern – erforschen soll. Bildquelle: IMAGO / piemags.
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Bild 2 von 7. Der Start des James-Webb-Weltraumteleskops der Nasa mit einer Ariane-5-Rakete vom europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana, Südamerika. Bildquelle: IMAGO / Cover-Images.
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Bild 3 von 7. Mission geglückt: Thomas Zurbuchen zerpflückt am 18. Februar 2021 den Notfallplan zur Mission des Marsrovers Perseverance nach dessen Landung. Bildquelle: IMAGO / ZUMA Press Wire.
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Bild 4 von 7. Thomas Zurbuchen hört sich eine Präsentation in der Raumstations-Verarbeitungsanlage im Kennedy Space Center der NASA in Florida an. Bildquelle: IMAGO / piemags.
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Bild 5 von 7. Zurbuchen erklärt Lesa Roe, der stellvertretenden Nasa-Administratorin, wie die verschiedenen Farben des Spektrographen mit verschiedenen Elementen wie Helium in der Sonnenatmosphäre korrelieren. Bildquelle: IMAGO / piemags.
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Bild 6 von 7. Aufgewachsen ist Zurbuchen in Heiligenschwendi im Berner Oberland als Sohn eines Predigers einer Freikirche. Die Familie lebte in einfachen Verhältnissen und war auf Spenden aus der Gemeinde angewiesen. Bildquelle: IMAGO / Zoonar.
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Bild 7 von 7. Als er ins Gymnasium kam, wurde er von der Familie ausgeschlossen. Das hat ihn geprägt und er hat den Sprung aus der kleinen in die grosse Welt geschafft. Thomas Zurbuchen (r.) mit seinen inzwischen verstorbenen Eltern Hildi und Hans Zurbuchen. Bildquelle: SRF.
Bauchgefühl – die magische Mischung aus Erfahrung und Intuition
Mit Entscheidungen beschäftigt sich auch der Comedian Michael Elsener intensiv. Sein neues Programm trägt den Titel «Gute Entscheidung». In der Comedy vertraue er seinem Bauchgefühl, sagt Elsener. Das sei eine magische Mischung zwischen Erfahrung und Intuition. Da wisse er innerhalb von drei Sekunden, ob er nochmals hinschauen muss oder ob sich etwas gut anfühlt.
Ein gutes Leben hängt von Glück und guten Entscheidungen ab.
Auch für Thomas Zurbuchen ist das Bauchgefühl wichtig. Es gebe unglaublich viel Forschung über Entscheidungen. Menschen, die sich nicht auf ihr Bauchgefühl verlassen, treffen nicht die besten Entscheidungen, sagt der Astrophysiker. Er nutzt seine Intuition gezielt. «Ich stelle nie jemanden ohne Bauchgefühl ein». Er schliesse die Augen und stellt sich die Frage: Wie wird es sein, mit diesem Menschen zu arbeiten? Das Bauchgefühl sei unglaublich wichtig, aber zuerst wolle er wissen, was die Person kann, sagt der heutige Leiter des Space Lab an der ETH Zürich.
Weshalb sich Comedian Michal Elsener mit dem Thema Entscheidungen beschäftigt hat Gründe: Nach Reisen in den Iran sei ihm bewusst geworden, wie toll die Schweiz ist. Hier können Bürgerinnen und Bürger mitentscheiden.
Im Iran habe er Menschen getroffen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um mitbestimmen zu können. Da habe es ihn interessiert, weshalb 55 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer nicht an die Urne gehen und nicht mitentscheiden. Dass dabei die Demokratie auseinander zu fallen drohe, beschäftige ihn.
Damit Schweizerinnen und Schweizer ins Entscheiden kommen, möchte er mit seinem Programm einen Beitrag leisten. «Ein gutes Leben hängt von Glück und guten Entscheidungen ab», ist Michael Elsener überzeugt.
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Bild 1 von 4. Auf einer Iran-Reise 2018 und 2019 hat Michael Elsener Menschen getroffen, die für Mitbestimmung ihr Leben riskieren. Dass über die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer nicht an die Urne gehen und mitentscheiden, hat ihn zu seinem neuen Bühnen-Programm inspiriert. Bildquelle: zVg Michael Elsener.
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Bild 2 von 4. Michael Elsener beschäftigt sich in seinem neuen Programm «Gute Entscheidung» humoristisch mit Entscheidungsmustern. Bildquelle: zVg Michael Elsener.
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Bild 3 von 4. Der 40-jährige Comedian kann sich schlecht entscheiden, wenn die Auswahl zu gross ist. Beispielsweise an der Theke einer Gelateria. Bildquelle: zVg Michael Elsener.
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Bild 4 von 4. Im Bereich Comedy verlässt sich Michael Elsener auf sein Bauchgefühl. Da hat er viel erlebt und eine Menge Erfahrung. Bildquelle: zVg Michael Elsener, Bild: Roberto Conciatori.
Gibt es Momente, in denen Michael Elsener sich schlecht entscheiden kann? Ja, die gibt es, sagt er lachend. Überall, wo es eine grosse Auswahl gibt – zum Beispiel in der vordersten Reihe in der Gelateria.