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Eidgenössische Wahlen 2023 Strategisch wählen – wie geht das?

Am 22. Oktober wählt die Schweiz ein neues Parlament. Wir erklären, wie Sie möglichst viel aus Ihrer Stimme herausholen.

Wer in der Schweiz wählen darf, hat dieses Jahr die Qual der Wahl. Noch nie wollten so viele Schweizerinnen und Schweizer in den Nationalrat wie diesen Herbst. Fast 6000 Personen kandidieren für einen Sitz im Nationalrat. Wer im Kanton Zürich wahlberechtigt ist, muss sich bis zum 22. Oktober 2023 zwischen über 1300 Kandidierenden entscheiden. Dazu kommen etliche Möglichkeiten beim Wählen selbst, wie beispielsweise das Streichen (Panaschieren) oder doppelt aufschreiben (Kumulieren) von Namen.

Cloé Jans

Cloé Jans

Politologin

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Cloé Jans ist Politikwissenschaftlerin beim Forschungsinstitut GfS in Bern, wo sie das operative Geschäft leitet. Ihre Fachgebiete sind unter anderem Gesellschafts- und Jugendforschung, das Gesundheitswesen und Meinungsbildung in der Schweiz.

Einige strategische Überlegungen können bei der Entscheidung helfen. Strategisch heisse in diesem Fall, so die Wahllisten auszufüllen, damit der eigene Wahlzettel die grösstmögliche Wirkung entfalten kann, erklärt Cloé Jans, Politologin und Leiterin des operativen Geschäfts des Forschungsinstituts GFS Bern. Dazu gehöre in einem ersten Schritt, grundsätzlich diejenigen Parteien und Listen zu wählen, die mit den eigenen Interessen am besten übereinstimmen. Um herauszufinden, welche Personen und Parteien am besten zu einem passen, helfen Tools wie die Online-Wahlhilfe von Smartvote.

Chancen für Nationalrat sind höher

Auch bei der Wahl innerhalb einer Partei-Liste gibt es Strategien: «Am meisten zählt die eigene Stimme, wenn ich keine Person wähle, die es vermutlich sowieso ins Parlament schaffen wird.»

Wer möglichst viel aus der eigenen Stimme herausholen möchte, solle aber auch keine Personen aufschreiben, die höchstwahrscheinlich keinen Sitz holen. «Bei den Personen dazwischen muss ich mir genau überlegen, wen ich wählen will – weil manchmal kommt es nur auf wenige Stimmen an, ob es jemand nach Bern schafft oder nicht.»

Grundsätzlich ist es aber deutlich einfacher, in die grosse Kammer gewählt zu werden. Das hat einen einfachen Grund: Im Ständerat müssen die Kandidierenden eine Mehrheit überzeugen. Im Nationalrat hingegen erhalten die Parteien mit den meisten Stimmen Sitze. Diese Sitze werden dann wiederum an die Kandidierenden mit den meisten Stimmen verteilt. So reichen je nach Kanton bereits drei Prozent der Stimmen für einen Sitz im Nationalrat, erklärt Cloé Jans. «Wenn man eine Person sicher in Bern haben möchte, ist der Nationalrat die einfachere Hürde.»

Als Wählerin oder Wähler kann man die Chancen für einen Nationalratssitz dann noch erhöhen. Beim Nationalrat ist es erlaubt, Kandidierende doppelt aufzuschreiben (kumulieren) – entweder indem ich auf einer bestehenden Liste eine andere Person streiche und eine bereits darauf befindliche Person doppelt aufliste oder indem ich auf einer leeren Liste eine Person zweimal aufschreibe.

So helfe ich der eigenen Partei

Anders sieht es aus, wenn ich einer bestimmten Partei helfen möchte. In diesem Fall wähle ich die Liste meiner Wunschpartei. Alternativ kann ich auch eine leere Liste nehmen und den Parteinamen ins Kästchen oben links schreiben. Aber Achtung: Auf einer leeren Liste muss mindestens ein Name einer kandidierenden Person stehen.

Die Sache mit den Listenverbindungen

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Als Beispiel: Partei X erhält zwei Sitze, übrig bleibt aber eine Restanzahl Stimmen, die nicht für einen dritten Sitz reicht. Diese Reststimmen werden mit den Reststimmen der anderen Parteien der Listenverbindung zusammengezählt. Zusammen reichen sie möglicherweise für einen weiteren Sitz. Dieser zusätzliche Sitz geht an diejenige Partei der Listenverbindung mit den meisten Stimmen insgesamt. «Da kann man durchaus Glück haben: Im Nationalrat sind es etwa 20 der 200 Sitze, die über solche Listenverbindungen verteilt werden», sagt Cloé Jans. Bei den letzten Wahlen hat die GLP so vier zusätzliche Sitze geholt.

Zum Schluss kommen noch die Listenverbindungen ins Spiel. Dabei gehen zwei Parteien eine Art Partnerschaft ein. Wenn man die Listenverbindungen in die strategischen Überlegungen einbeziehen möchte, wird es aber schnell komplex und unsicher. Denn allgemeine Prognosen im Vorfeld der Wahlen zur möglichen Sitzverteilung seien jeweils mit Vorsicht zu geniessen, so Jans.

Treffpunkt SRF 1, 13.10.2023, 10:00, fischema

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